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Ausprobiert: Was bringen drei Monate Intervallfasten?

Ausprobiert Intervallfasten: Steffi
© Privat
Intervallfasten ist in aller Munde. Aber was bringt die beliebte Fastenmethode wirklich? Unsere Autorin hat das Konzept für drei Monate ausprobiert.

Ich würde jetzt nicht so weit gehen, zu behaupten, dass Eckart von Hirschhausen ein Guru sei. Aber immerhin hat er es geschafft, eine ganze Schar begeisterter Gläubiger für ein Konzept zu finden, das er in Deutschland im Jahr 2017 salonfähig gemacht hat: das Intervallfasten. Stolze zehn Kilo in drei Monaten hat der TV-Arzt damit abgenommen und das angeblich nur, indem er auf das Frühstück verzichtet und nach der 16:8-Methode gefastet hat. Heißt: Acht Stunden darf man essen und trinken, was man möchte, dann wird 16 Stunden gefastet und auf dem Plan stehen nur Wasser, Kaffee und Kräutertee. 

Im Kampf mit der Schildkröte

Ich muss gestehen: Neugierig, ob das Konzept bei mir auch funktioniert, war ich schon lange. Durch eine Schilddrüsenunterfunktion habe ich ihm vorletzten Jahr in Rekordzeit zehn Kilo zugelegt und seitdem erfolglos versucht, sie wieder loszuwerden (plus gern noch ein bisschen mehr, aber welche Frau sagt das nicht?). Nach sehr langem Hin und Her mit verschiedenen Medikamentendosen sind die Werte meiner Schildkröte (= Schilddrüse, diese hübsche und sehr passende kreative Bezeichnung stammt von einer lieben Freundin) jetzt auch endlich im grünen Bereich, sodass es mir generell wieder möglich sein sollte, ein paar Pfunde zu verlieren. Ich hatte mich entschieden: Drei Monate würde ich das 16:8 Fasten testen und meiner Schildkröte den Kampf ansagen.

Ready, set, go!

Am Abend vor dem ersten Testtag habe ich natürlich nochmal so richtig zugelangt – immerhin plante ich, das Frühstück ausfallen zu lassen, die erste Mahlzeit zum Mittag gegen 12:15 zu essen und die letzte abends gegen 20 Uhr. Ich war es gewohnt, morgens wenigstens eine Scheibe Brot zu frühstücken und gegen 10 Uhr zum Kaffee dann nochmal eine Kleinigkeit zu essen. Also erwartete ich, dass mein Magenknurren bis zur Mittagszeit nicht nur mich, sondern auch meine Kolleg*innen in den Wahnsinn treiben würde – dem war aber nicht so. Ich hatte bestenfalls ein kleines Hüngerchen, was sich aber gut ignorieren ließ.

Zum Mittag aß ich eine ganz normale Portion Hähnchenfleisch mit Reis, Gemüse und süß-saurer Soße, nach der mir kurz ein bisschen übel war, was aber schnell wieder verflog. Am Nachmittag gab es einen zweiten Kaffee plus eine kleine Portion Obst und abends dann ein ordentlich belegtes Brötchen mit Käse sowie einen Joghurt und Gemüsesticks. Normalerweise habe ich abends auch eher nur eine Scheibe Brot oder ein paar Haferflocken mit Milch gegessen – daher war ich nach einer solchen Portion wirklich für den restlichen Abend pappsatt. Alles in allem war der erste Fastentag wesentlich unaufgeregter gelaufen, als ich selbst gedacht hätte.

Kaffee mit Milch oder ohne? Die Glaubensfrage

Ein Thema beschäftigte mich zum Start tatsächlich beinahe mehr als der leichte Hunger: Sollte ich meinen Kaffee am Morgen nun nur noch schwarz trinken, anstatt wie sonst mit Milch? Diese Frage scheint die Fastengläubiger zu spalten: Die Milch enthält immerhin Kalorien, die die Ketose – den Zustand, der durch Fasten erreicht werden soll und bei dem das Gehirn seine Energie aus den Fettreserven zieht – theoretisch beenden kann. Da mir der bloße Gedanke an schwarzen Kaffee wahre Schauer über den Rücken jagt, hielt ich es in diesem Punkt aber wie Fasten-Guru Eckart von Hirschhausen: Ein kleiner Schluck Milch sollte den Erfolg nicht wesentlich schmälern. 

Alles in allem kam ich mit der Fastenzeit ganz gut zurecht. Zwar blieb der Hunger bei mir anders als bei anderen Gläubigern selten ganz aus, aber ich hatte nach wie vor wenn dann eher zwischendurch ein kurzes Hüngerchen, das nach einigen Minuten von allein wieder verschwand. Ebenfalls nicht ungewöhnlich: In der Anfangszeit hatte ich zweimal nach fetthaltigeren Mahlzeiten etwas Durchfall, der sich aber auch schnell wieder verflüchtigte. Und leichte Verdauungsbeschwerden sind bei einer Ernährungsumstellung auch nicht unbedingt ungewöhnlich. Davon abgesehen fühlte ich mich während des Fastens fit und konzentriert – und ging auch meinen Kolleg*innen soweit ich das beurteilen kann nicht so sehr auf den Keks, wie ich befürchtet hatte.

Verbote? Ohne mich!

Ich habe weitgehend darauf geachtet, eher gesund zu essen, habe mir aber nichts wirklich verboten. Wenn es alle paar Wochen mal einen Cheeseburger mit Pommes in der Kantine gab, war ich die erste in der Schlange. Und ganz ohne Schokolade wäre ich unerträglich, also gab es nach dem Mittagessen fast immer einen kleinen Schokoriegel, um meine inneren Dämonen zu zähmen. Außerdem war mir wichtig, täglich auf etwa 1.600 Kalorien zu kommen, um meinen Grundumsatz zu erreichen. Dafür "musste" ich abends tatsächlich für meine Verhältnisse ganz schön schlemmen, also gab es auch mal Fleischwurst oder Schokocreme auf meinem Brötchen. Was ich ziemlich geil finde, weil ich dadurch nie das Gefühl hatte, wirklich verzichten zu müssen. Am Wochenende habe ich sogar normal gefrühstückt – aber halt erst gegen 12 Uhr mittags.

Immer wieder Grund zum Kummer gab mir zwischendurch meine liebe Schildkröte. Die macht ihrem Namen nämlich alle Ehre und verlangsamt einfach alles, was im Körper so passiert, inklusive des Stoffwechsels. Zwar ist das Abnehmen bei guter Medikamenteneinstellung generell wie gesagt machbar, aber es dauert – und bei mir zeigt sich leider jeder kleine Schnitzer direkt mit ein paar hundert Gramm mehr auf der Waage. Mein Körper möchte halt alles einlagern, was er von mir kriegt, denn wer weiß, ob wir nicht am Rande einer Hungersnot stehen? Danke dafür, liebe Evolution. Entmutigen lasse ich mich davon aber bis heute nicht, es hilft nur, weiterzumachen.

Und was hat es nun gebracht?

Erwartungsgemäß hat sich im ersten Monat sowohl auf der Waage als auch optisch am meisten getan, letztendlich zählt für mich aber das Gesamtergebnis. Und damit sollte ich wohl zufrieden sein: Etwas über fünf Kilo habe ich in drei Monaten verloren. Da etwa zwei Kilo pro Monat als gesunde Abnahme gelten, gibt es keinen Grund, an diesem Ergebnis zu meckern.

Ausprobiert Intervallfasten: Vorher und nachher
Links mein Bauch von der Seite vor drei Monaten, rechts mein Bauch heute (extra in der gleichen Kleidung). Ein klitzekleines bisschen schmaler ist er geworden!
© Privat

Noch mehr als die Zahlen auf der Waage freuen mich aber andere: Satte acht Zentimeter Umfang habe ich an der Taille verloren und sechs Zentimeter an der Hüfte. Wie geil das ist, merkte ich daran, als ich zum ersten Mal wieder die dickere Jacke anzog, die bei ihrem letzten Einsatz einige Monate zuvor ziemlich eng gesessen hatte. Jetzt bekam ich den Reißverschluss völlig locker zu und fühlte mich darin auch nicht mehr wie eine Presswurst. Außerdem muss ich bei jeder Hose einen Gürtel tragen, damit sie mir nicht über die Hüften rutscht. Ich würde sagen, im Frühjahr gibt es neue Jeans!

Und jetzt?

Ich habe für mich entschieden, das Intervallfasten noch eine Weile fortzusetzen und zu schauen, wie viel ich damit noch abnehmen kann, da ich nicht das Gefühl habe, auf irgendetwas zu verzichten. Erste Studien belegen, dass auch nach einem Jahr 16:8-Fasten keine negativen Effekte zu erwarten sind, so lange sollte das Konzept also unbedenklich sein. Generell würde ich jedem, der ein paar Kilos verlieren will, raten, es in Absprache mit dem Hausarzt einfach mal mit Intervallfasten zu versuchen. Schaden kann man sich damit jedenfalls nicht. Findet wohl sogar meine Schildkröte.

Lese-Tipps: Alles über die verschiedenen Fastenmethoden erfährst du in unseren Artikeln Intermittierendes Fasten, die 5:2-Diät und BRIGITTE Diät 2020.

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Teaserfoto:Shutterstock

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