Kann man gezielt am Bauch abnehmen?

Eine Methode aus den USA kommt jetzt auch zu uns: Biosignature. Damit soll man gezielt am Bauch abnehmen können. Aber ist das auch empfehlenswert?

Sie hält sich hartnäckig, die kleine Rolle über dem Jeansbund. Wäre es nicht toll, sie mit ein paar Crunches wegzutrainieren? Leider funktioniert das nicht, wie uns Experten geduldig erklären: weil der Körper Fett immer überall verbrennt, nie an einer Stelle. Aber es gibt angeblich Hoffnung: Immer mehr Fitness-Trainer schwören auf die so genannte Biosignature-Methode, um gezielt einzelnen Körperteilen zu Leibe zu rücken.

Erfunden hat sie der kanadische Trainingsexperte Charles Poliquin, der über 20 Jahre lang Blutbilder und Hormonpegel seiner Kunden mit verschiedenen Körperfalten verglich. Dabei fiel ihm auf, dass eine Zunahme von Körperfett an gewissen Stellen immer mit einem aus der Kontrolle geratenen Hormonspiegel einherging. "Wir messen die Hautfalten an zwölf verschiedenen Stellen, jedes Körperteil steht dabei für ein Hormon: eine dicke Trizepsfalte zum Beispiel für zu wenig Testosteron", erklärt der Hamburger Personal Trainer Marcus Müller, der seit drei Jahren mit Biosignature arbeitet.

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Das Körperfett sank innerhalb von zwei Monaten um 4,7 Prozent

"Über eine Software erhalten wir dann Werte, die Aufschluss geben über eine mögliche hormonelle Dysbalance." Denn bei vielen Menschen verhindern laut Poliquin hormonelle Störungen, dass sie abnehmen - trotz Trainings. Bei einer 29-jährigen Kundin Müllers etwa ergaben sich insgesamt 28 Prozent Körperfett aus der Zusammensetzung der verschiedenen Messwerte, wie einer 29-Millimeter-Hautfalte am hinteren Oberschenkel und 25 Millimeter am Bauch, und daraus ein Ranking der Problemzonen und Dysbalancen.

"Bei Frauen stehen in der Regel der Bauch und die Oberschenkel ganz oben - ein Zeichen für einen erhöhten Cortisol-Spiegel und zu hohe Östrogenwerte", so Müller. Teilweise seien diese bedingt durch Stress und den Verzehr von Fertigprodukten aus Plastikverpackungen oder von hormonell bearbeiteten Lebensmitteln wie Fleisch aus Massenzucht.

Aus den Ergebnissen und einer Analyse der Lebensumstände erstellen die Trainer dann einen individuellen Plan: Ernährungsempfehlungen, Nahrungsergänzungs-Mittel, Entspannungs- und Krafttraining, um den Hormonspiegel wieder in Balance zu bringen und so das Körperfett an den Problemzonen zu reduzieren. Bei Müllers Kundin sank das Körperfett innerhalb von zwei Monaten um 4,7 Prozent, die Hautfalte an der hinteren Oberschenkelseite maß statt 29 noch 18 Millimeter.

Hört sich verheißungsvoll an!

Nur: Die Methode ist nicht wissenschaftlich erwiesen. Experten geben zu bedenken, dass über die Wirkung von Hormonen im Körper zu wenig bekannt sei. "Es gibt bislang keine Studie, die den Effekt von Biosignature empirisch belegt", sagt Professor Dr. Ingo Froböse von der Deutschen Sporthochschule Köln.

Für den Stuttgarter Trainer Moritz Matzen, der für zehn Stunden inklusive Körpertests 450 Euro nimmt, geht es bei Biosignature nicht nur um die Bekämpfung von Problemzonen, sondern um eine Lebensstil-Veränderung und darum, Zusammenhänge zu erkennen zwischen Ernährung, Umweltgiften, Stress und Fetteinlagerung.

Und genau hier kämen auch wissenschaftliche Erkenntnisse zum Einsatz, so Matzen, denn es gebe aussagekräftige Studien: zum Beispiel zum Cortisol, das unter Stress verstärkt ausgeschüttet wird, Fett vor allem am Bauch einlagert und einen Diabetes Typ II begünstigen kann.

Letztendlich muss jeder selbst wissen, wie viel er für seine Figur investiert. "Wenn man einen kompetenten Trainer hat, macht man mit Biosignature nichts falsch", meint Froböse. "Ob es auch was nützt, ist eine andere Frage."

Trainer, die Biosignature anbieten, finden Sie unter www.poliquingroup.com

Text: Daniela Stohn

Wer hier schreibt:

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