Diät-Tagebuch Teil 2: Heute gab es Currywurst und Pommes. Noch Fragen?

Bei Wettrennen mit einer Vierjährigen kacke ich ab und meine beiden Pobacken passen gerade noch so auf einen Bus-Sitz! Kurz: Ich muss abnehmen - und starte deswegen ein Diät-Tagebuch! Teil 2: Das mit der Ernährung klappt so semigeil ... NOOOT!

Wo sind eigentlich diese ganzen Schlauberger, die behaupten, eine Diät zu beginnen sei nicht schwer, sie durchzuhalten hingegen sehr? Diese These gilt es nämlich erst noch zu beweisen. Was mich betrifft, kann ich zu diesem Zeitpunkt jedenfalls sagen: ICH STEEEERBE! Und das bereits ganz am Anfang der Diät. Und mein Endgegner hat einen Namen: Low Carb! 

Zugegeben, mein Plan in Sachen Ernährung war ganz schön ambitioniert (man könnte ihn auch total ballaballa nennen). Denn statt mich durch 94 Millionen verschiedene Diät-Programme zu wühlen, die so kompliziert sind, dass ich dafür vorab einen Volkshochschul-Kurs belegen muss, habe ich es mir "einfach" gemacht. Statt jedes Reiskorn einzeln abzuwiegen und während des Einkaufens die Nährwerttabellen von unzähligen Lebensmitteln zu googlen, lass ich einfach alle Dickmacher weg. Heißt für mich: Ich verzichte auf Kohlenhydrate. Und auf Zucker. Und auf Fett in Form von Frittiertem. Das soll doch angeblich DAS Wunder-Rezept für 90/60/90-Maße über Nacht sein, oder nicht? So zumindest erst mal der Plan! Funktioniert hat das genau einen Tag. Juhu! 

Denn ich musste sehr schnell feststellen, dass sich mein Hirn in den ewigen Leerlauf verabschiedet, wenn ich mich nur von Gurke sowie Luft und Liebe ernähre. Tschau Kakao und auf Nimmerwiedersehen quasi. Deswegen: Schluss mit der bekloppten Selbstgeißelung und her mit der heißgeliebten Körner-Brezel! Zumindest morgens sind Kohlenhydrate von nun an wieder erlaubt – von irgendwas muss die Energie schließlich kommen. Ist nur etwas blöd, wenn man es auch mittags nicht schafft, sich gesund und kalorienarm zu ernähren. 

Ich bin die Meisterin der Selbstverarschung 

Ich habe nämlich folgendes Problem: Ich bin eine Meisterin darin, mich vor mir selbst zu rechtfertigen. Völlig egal, wie unnütz etwas ist, ich finde unter Garantie mindestens zehn Argumente, mit denen ich es mir schön reden kann. Mir ist das durchaus bewusst - und trotzdem geht es mir danach besser. Klassischer Fall von Selbstverarschung, würde ich sagen. 

Ich gebe euch mal ein Beispiel: Ich habe mir letzte Woche ein weißes Kleid gekauft. Wohl wissend, dass ich bereits 15 weiße Kleider im Schrank hängen habe und ungefähr noch mal doppelt so viele Kleider besitze, die bis auf die Farbe genauso aussehen. Wenn ich jetzt vernünftig an die Sache ran gegangen wäre, hätte ich mein Geld gespart, weil ich das Kleid einfach nicht brauche. Stattdessen war ich der Meinung, dass dieses Weiß noch ein bisschen weißer ist als das der Kleider, die ich bereits trage. Außerdem sind die Knöpfe viel schöner und die zwei Zentimeter mehr Saum machen auch einen riiiesen Unterschied. Am Ende des Tages war ich vollends davon überzeugt, dass dieses 397. weiße Kleid ganz genau das war, was ich schon immer unbedingt gebraucht habe. Wie konnte ich bisher überhaupt ohne leben? 

Bei Currywurst und Pommes setzt mein Hirn aus. Oder: Die Kantine ist mein Tod! 

Beim Thema Diät läuft das genauso. Mir ist bewusst, dass Currywurst und Pommes eine gaaanz blöde Idee sind, wenn die Kilos in diesem Leben noch mal purzeln sollen. Mein Kopf weiß das, mein Hirn weiß das und mein Arsch weiß das sowieso. Und trotzdem habe ich mir mittags eine große Portion davon auftischen lassen. Warum? Na, weil es draußen genau 1,4 Grad kühler ist als angekündigt und mich schon den ganzen Morgen eine Wimper piekst. Dann ist das neue weiße Kleid irgendwie doch nicht so geil wie gedacht (Sehe ich darin fett aus?) und meine Schuhe sind auch plötzlich unbequem (Kann man an den Füßen zunehmen? BITTE NICHT!). Außerdem ist in China ein Sack Reis umgefallen und den Wayne interessiert's nicht. So! Wenn der Tag schon SO beginnt, kann man doch nicht auch noch von mir verlangen, dass ich mir mittags einen schnöden grünen Salat ohne Dressing esse, oder? Das wäre nun wirklich zu viel verlangt. Ihr versteht mein Dilemma? 

Zum Glück ist nicht alles schlecht 

Immerhin: Abends nähern Mister Low Carb und ich uns mittlerweile an. Dank meines ultimativen Diät-Tricks! Denn während ich in der Kantine quasi dazu gezwungen werde, Currywurst und Pommes zu essen, setze ich bei mir zu Hause einfach auf die klassische Vermeidungs-Strategie. Schnell in den Supermarkt um die Ecke sprinten, Augen fest zukneifen, dabei irgendwie alles, was gesund ist, in den Einkaufswagen packen, bezahlen und gaaanz schnell nach Hause. 

Dort kann ich dann heulen, wie ich will, denn was nicht da ist, ist eben nicht da. Pasta zum Abendessen? Ätschibätsch! Stattdessen stehen viel Fisch und frisches Gemüse auf dem Speiseplan – und das ist gar nicht mal so schlecht. Nicht nur, dass ich mir endlich wieder mehr Zeit zum Kochen nehme, seit ich mir Abends nicht die volle Dröhnung Kohlenhydrate gebe, schlafe ich tiefer und habe bessere Haut. Und jaaa, es schmeckt auch! Meine Lieblingsrezepte sind Garnelen in Tomatensauce mit frischem Rucola oder Gemüsesuppe mit ganz viel Zitrone. Dazu eine Schale Johannisbeeren zum Nachtisch – und schon habe ich das Gefühl, dass ich diese Diät doch noch irgendwie überleben werde. 

Jetzt muss ich nur noch die Bäckerei-Filiale in meinem Haus davon überzeugen, umzuziehen, damit ich mir nicht länger die Teilchen und Kuchen ansehen muss, sobald ich das Haus betrete oder verlasse ... 

Von meinem Zehn-Kilo-Ziel bin ich dank des Currywurst-Gates allerdings nach wie vor meilenweit entfernt. In meine alten Jeans würde ich nicht mal reinpassen, wenn ich einen Tannenbaumtrichter hätte, und meine Oberarme winken auch noch immer bei jeder Bewegung kräftig mit. Aber gut, es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Ich bleibe trotzdem dran und vielleicht läuft es nächste Woche ja schon besser? Ich werde diesen Artikel zur Sicherheit auch mal an die Kantinen-Leitung schicken. Vielleicht haben sie ja Mitleid und streichen die böse Currywurst aus dem Programm und erklären Pommes zum Food non grata. Ich werde natürlich berichten, ob es geklappt hat!

Woche: 2

Abgenommene Kilos: 1 (Jaaa, ich weiß, ich bin selber schuld ...)

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