Fit Kids statt dicke Kinder

Sie sind zu dick. Sie bewegen sich zu wenig, essen zu viel und meistens auch noch das Falsche, nämlich zu süß und zu fett. Das Ergebnis ist erschreckend: Immer mehr Kinder und Jugendliche haben Übergewicht. Mit alarmierenden Folgen.

Fast Food, Pizza, Chips und Cola und dazu ein Leben zwischen Fernseher und Computer - kein Wunder, das mittlerweile jedes fünfte Kind und jeder dritte Jugendliche zu dick ist. Höchste Zeit, das zu ändern. Denn dicke Kinder werden oft auch dicke Erwachsene und wenn der Trend anhält, wird nach Schätzungen von Ernährungs-Experten in 40 Jahren jeder zweite Erwachsene adipös, also fettleibig sein.

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Der Preis ist hoch

Das Verbraucherministerium hat deshalb das Thema "Kinder und Ernährung" zum Aktionsschwerpunkt gemacht. "Jedes Kind sollte frühzeitig lernen, kenntnisreich mit der Ernährung und dem eigenen Körper umzugehen. Hierbei geht es nicht um Schönheitsideale, sondern um Bildungsauftrag und Krankheitsprävention", sagte Ministerin Renate Künast auf ihrer Eröffnungsrede beim Kongress "Kinder und Ernährung" im Juli in Berlin. Tatsächlich sind die Folgekosten von Übergewicht enorm: Schon jetzt werden bereits bis zu einem Drittel der Gesamtkosten im Gesundheitswesen durch ernährungsmitbedingte Krankheiten verursacht.

Klar ist: die Verpflegung von Kindern muss sich ändern, ebenso wie die Ernährungserziehung. Und wenn es darum geht, gesundes Essverhalten zu lehren, sind alle gefragt: Eltern, Erzieher und Lehrer in Kindergärten und Schulen. Gerade den Kindergärten und Schulen kommt neben den Eltern eine wichtige Vermittlungs- und Vorbildfunktion zu. In den rund 10 000 neu einzurichtenden Ganztagsschulen, für die die Bundesregierung jetzt 4 Milliarden Euro bereitgestellt hat, soll Ernährungserziehung deshalb eine wichtige Aufgabe werden.

Alle an einen Tisch

Zusammen mit Eltern, Wissenschaftlern und Vertretern der Lebensmittelwirtschaft sollen jetzt Lösungen für die zunehmenden Gewichtsprobleme junger Menschen erarbeitet werden: Vier Arbeitsgruppen kümmern sich seit dem Kongress ebenso um Themen wie Lebensmittelkennzeichnung oder Medien. Denn auch die Werbung spielt bei der Ernährungserziehung eine Rolle: Nichts ist bei den Jugendlichen so "out" wie gesundes Essen, und von der Lebensmittelwerbung wird diese Einstellung sogar noch unterstützt. Kein Wunder, dass Kids, die viel fernsehen, davon überzeugt sind, dass Lebensmittel aus der Werbung gut und gesund seien, während sie in Wahrheit oft viel zu süß und zu fettreich sind. Da muss zum einen eine bessere Lebensmittelkennzeichnung her. Und zum anderen: "Könnte man nicht auch gesunden Lebensmitteln, richtiger Ernährung und viel Bewegung zu einem "coolen" Image verhelfen?", fragte die Ministerin.

Aktion "Fit Kid"

Kinder essen auf Dauer aber nur das, was ihnen auch schmeckt. Wenn ihnen Lust auf gesunde Ernährung und Bewegung gemacht werden soll, dann geht das nicht mit Verboten. Aber vielleicht mit einem guten Speiseplan, der sowohl an die Bedürfnisse der Kinder angepasst, als auch gesund, abwechslungsreich und schmackhaft ist. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) führt im Rahmen der Kampagne "Fit Kid: Die Gesund-Essen-Aktion für Kitas" einen Beratungsservice für Kindertagesstätten durch. In bundesweiten Schulungen erfahren Erzieher und Küchenpersonal, wie sie eine vollwertige Ernährung in die Praxis umsetzen können. Info-Adresse: Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. Alexandra Hirschmüller, Godesberger Allee 18, 53175 Bonn, Tel.: 0228/3776-652, Fax: 0228/3776-800, .

Therapieprogramme für übergewichtige Kinder

  • "PowerKids", heißt das Abnehmprogramm das in Teamarbeit von Ärzten, Psychologen und Ernährungswissenschaftlern entwickelt wurde und in Kooperation mit der Stiftung Kindergesundheit und der AOK angeboten wird. Mit dem Trainingsprogramm lernen acht- bis zwölfjährige Kinder spielerisch, ihre Essgewohnheiten langfristig umzustellen und sich mehr zu bewegen. Den PowerKids-Koffer kann man in jeder AOK-Geschäftsstelle, beim AOK-Verlag, Postfach 1120, 53423 Remagen, oder unter www.powerkids.de für 30,90 Euro bestellen.
  • Hilfe für übergewichtige Kinder gibt es auch bei "Moby Dick". Dort machen die Kids ebenfalls keine Hungerkuren, sondern lernen, wie sie ihr Gewicht langfristig halten können. Durch gemeinsames Kochen und Essen wird ein gesundes Essverhalten entwickelt. Infos unter www.mobydickhamburg.de.
  • Das ambulante Schulungsprogramm "Obeldicks" wurde an der Vestischen Kinderklinik in Datteln in Kooperation mit dem Forschungsinstitut für Kinderernährung in Dortmund (FKE) und der Arbeitsgemeinschaft der Krankenkassen der Region entwickelt. Das einjährige Programm richtet sich an adipöse Kinder und Jugendliche von 6 bis 15 Jahren.
  • Adresse: Obeldicks-Adipositasschulung,
  • Vestische Kinderklinik Universität Witten/Herdecke
  • Dr. Thomas Reinehr, Dr. Friedrich-Steiner-Str. 5
  • 45711 Datteln oder
  • www.kinderklinik-datteln.de.
  • Das Freiburger Interventions Programm FITOC (Freiburg Intervention Trial for Obese Children) wurde an der Uni Freiburg entwickelt und richtet sich an übergewichtige 8- bis 11-jährige Kinder. Adresse:
  • Medizinische Universitätsklinik Freiburg,
  • Frau Dr. Ulrike Korsten-Reck,
  • Abt. Rehabilitative und Präventive Sportmedizin
  • Hugstetter Str. 55, 79106 Freiburg oder
  • www.fitoc.de/el>.
  • Eine Liste der aktuellen Therapie-Programme gibt es bei der Deutschen Gesellschaft für Ernährung unter
  • Aktuelles.
Uta Bangert
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