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HCG Diät Sinnvoll oder gefährlich?

HCG Diät: Pille auf Teller
© narcisopa
Bei der HCG-Diät wird das Hormon hCG gespritzt oder anders aufgenommen. Außerdem werden nur 500 Kalorien täglich gegessen. Aber kann das gesund sein?

HCG-Diät: Was ist das?

HCG steht für "humanes Choriongonadotropin" und ist ein Schwangerschaftshormon. Das Hormon hat die interessante Eigenschaft, bei schwangeren Frauen Fettzellen anzuzapfen, wenn das ungeborene Kind nicht ausreichend über die Ernährung der Frau versorgt ist. Der britische Arzt Dr. Albert Simeons hat sich diese Wirkung für die HCG-Diät zunutze gemacht, indem er abnehmwilligen Frauen HCG in Form von Spritzen verabreichte. Ziel ist es, durch das Hormon den Stoffwechsel anzukurbeln und auch ohne Kind im Bauch dem Körper das Signal zu geben, Fettzellen anzuzapfen.

Wie entstand die HCG-Diät?

Simeons beobachtete 1954 bei schwangeren Inderinnen eine hohe Leistungsfähigkeit trotz sehr geringer Energiezufuhr. Außerdem verloren die Frauen mehr Fett als Muskeln. Als Grund dafür machte der Arzt eine erhöhte Konzentration des Hormons hCG bei den Schwangeren verantwortlich. Also führte er Untersuchungen an seinen eigenen Patienten durch und stellte fest, dass diese mehr Gewicht verloren, wenn sie neben einer stark reduzierten Kalorienaufnahme (maximal 500 Kalorien täglich) zusätzlich hCG-Injektionen bekamen. Mittlerweile sind je nach Anbieter bei der HCG-Diät zwischen 500 und 800 Kalorien pro Tag erlaubt.

HCG Diät – eine Stoffwechselkur 

Die HCG-Diät ist damit eine spezielle Stoffwechselkur und als solche ziemlich umstritten. HCG muss mittlerweile übrigens nicht mehr gespritzt werden, sondern ist auch in Form von Tropfen oder Globuli konsumierbar. Frauen sollen laut Fürsprechern der Diät am ersten Tag der Periode beginnen, damit das Hormon optimal in den Zyklus eingebunden werden kann.

Wie läuft die HCG-Diät ab?

Die Diät ist in verschiedene Phasen eingeteilt. Dabei nimmst du nicht die ganze Zeit das Hormon hCG (z.B. als Tropfen) zu dir. Während du zum Start der Diät, in der sogenannten Ladephase, noch Reserven aufbauen und dafür kalorien- und fetthaltiges Essen verzehren musst, sind während der Diätphase fast nur noch Eiweiß und Gemüse erlaubt.

Was darf man bei der HCG-Diät essen?

So startest du die ersten zwei Tage (Ladephase) in die Diät:

  • Fetthaltiges Essen aufnehmen (Reserven aufbauen)
  • Bis zu 4000 Kalorien aufnehmen pro Tag
  • Kein Alkohol
  • Viel Wasser trinken (drei bis vier Liter)
  • Drei Mal pro Tag zwölf Tropfen oder Globuli (davor und danach mindestens 15 Minuten nichts essen)

HCG Diät: Die Diätphase 

Jetzt geht es ans Eingemachte. Für 21 Tage (Stoffwechselkur 21), also drei Wochen lang, stehen vor allem Eiweiß und Gemüse auf der Ernährungsliste.

Folgende Lebensmitteldarfst du essen: 

  • Fisch
  • Mageres Fleisch
  • Tofu
  • Eier
  • Gemüse
  • Zuckerarmes Obst (z.B. Äpfel)
  • Als Snacks Omelett, Rührei oder Eiweiß-Shakes (zum Frühstück)

Durch das Eiweiß sollen eine sättigende Wirkung erzielt und die Muskelmasse zum Großteil erhalten bleiben. Insgesamt gibt es in der Ladephase für drei Wochen jeden Tag nur 500 bis 800 Kalorien, sodass die Diät stark unterkalorisch abläuft. Die hCG-Tropfen oder Globuli nimmst du weiterhin täglich zu dir. Auf folgende Lebensmittel solltest du in der Diätphase unbedingt verzichten: 

  • Milchprodukte
  • Nudeln, Reis, Kartoffeln, Brot (Kohlenhydrate)
  • Öle und Fette
  • Alkohol
  • Zucker

HCG-Diät: Stabilisierungsphase 

Die Stabilisierungsphase der Stoffwechselkur 21 dauert wieder drei Wochen. In dieser Phase geht es darum, mit einer angemessenen Ernährung den verpönten Jojo-Effekt zu umgehen. Ab jetzt erhöhst du Tag für Tag deine Kalorien um etwa 100. Dadurch gibst du dem Körper Zeit, sich an die angepasste Ernährung zu gewöhnen und nicht sofort wieder alles zu speichern. Ziel ist es, am Ende der Phase ein gesundes Kalorienniveau zu erreichen bei reduziertem Gewicht.

Dr. Simeons empfiehlt, während der Stabilisierungsphase auf Fett und Zucker in großen Mengen zu verzichten. Ansonsten hast du jedoch weiter freie Hand bei deiner Ernährung.

Wie gefährlich ist die HCG-Diät?

Wissenschaftlich lassen sich die Effekte von hCG auf das Abnehmen nicht nachweisen, wie laut der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) in einer Metaanalyse aller verfügbaren Studien bereits 1995 festgestellt wurde. Tatsächlich wird das Konzept von vielen Experten kritisiert. Schon 1976 erklärte die U. S. Food and Drug Administration, dass hCG-Injektionen weder sicher noch effektiv seien, wenn man abnehmen möchte. Es gebe keine Belege dafür, dass das Hormon bei einer stark energiereduzierten Diät den Abnehmerfolg tatsächlich verbessert oder auch nur Hunger verhindert.

Der Gewichtsverlust in der Diätphase sei durch die geringe Kalorienzufuhr (500 bis 800 Kalorien) völlig logisch. Wer kaum etwas isst, kann natürlich auch abnehmen, unabhängig von der Einnahme vom hCG-Hormon. Durch das starke Kaloriendefizit ist der Jojo-Effekt wahrscheinlich und es können zudem Nebenwirkungen aufgrund der Einnahme von hCG auftreten.

Potenzielle Nebenwirkungen der Stoffwechselkur 21 sind:

  • Kopfschmerzen
  • Menstruationsstörungen
  • Verhütung nicht mehr richtig wirksam
  • Brustschmerzen und Thrombosen bei Männern

Fazit der HCG-Diät 

Wir können die HCG-Diät aus gesundheitlichen Aspekten nicht empfehlen. Gerade in der Diätphase kommt es zu einem Nährstoffmangel, der sich auch mit vielen Nahrungsergänzungsmitteln nur schwer kompensieren lässt. Eine Diät, die unter Einnahme von externen Hormonen abläuft, ist zudem sehr kurzfristig ausgelegt und der Jojo-Effekt lässt grüßen. Zumal es über die Wirksamkeit der hCG Tropfen keine wissenschaftlichen Nachweise gibt. 

Wenn du abnehmen möchtest, setze lieber auf eine gesunde, ausgewogene Ernährung mit einem leichten Kaloriendefizit. Wie du einen Ernährungsplan erstellen kannst, erfährst du hier. Du stehst auf verrückte Diäten? Dann schau dir mal die New York Diät an. 

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Quellen

Hild, Anne: Die hCG Diät: Das geheime Wissen der Reichen, Schönen & Prominenten. Aurum Verlag, 2012.

Rabe, T., et al. Risiko-Nutzen-Analyse einer hCG-500-kcal-Reduktionsdiät (Cura romana) bei Frauen. Geburtshilfe und Frauenheilkunde 47.05 (1987): 297-307.

DGE: hCG-Diät


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