Übergewichtig und gesund - ein Mythos?

Eine neue Studie stellt bisher Gültiges wieder infrage. Auch wer übergewichtig und gesund ist, sollte lieber abspecken, um seine Lebenszeit zu verlängern.

Sobald es um Übergewicht und Abnehmen geht, wird gefühlt wöchentlich eine neue Sau durchs Dorf getrieben. Wobei: Eigentlich sind es die immer gleichen Säue - sie wechseln sich nur ab. Hatten wir doch gerade erst darüber berichtet, dass Übergewichtige genau so lang und lustig leben können wie Normalgewichtige (Dicke Menschen leben länger), werden wir postwendend eines Besseren belehrt. Kanadische Wissenschaftler verkünden: Übergewichtig und gesund ist ein Mythos, Dicke leben nicht länger.

Unglaublich: Dieser Würfel hilft beim Abnehmen

Für ihre Erkenntnisse hatten die Forscher acht Studien mit insgesamt 61.386 Personen herangezogen. Anhand der Daten gab es in den ersten zehn Jahren keinen Unterschied in der Sterblichkeitsrate zwischen adipösen (fettsüchtigen) und normalgewichtigen Menschen. Doch anschließend sah das dann anders aus: Patienten mit einem BMI von 30 und höher hatten trotz normaler Blutwerte ein um 24 Prozent höheres Risiko, zu sterben oder einen Schlaganfall oder Herzinfarkt zu erleiden als Normalgewichtige. Der stoffwechselgesunde Übergewichtige sei ein Mythos, lautet das Fazit der kanadischen Wissenschaftler. Auch wer übergewichtig und gesund ist, sollte seine Lebensgewohnheiten überdenken, sich mehr bewegen und gesünder essen.

Das ist bitter für alle, die sich entspannt zurückgelehnt hatten, da doch zuletzt galt: Wer übergewichtig und gesund ist, braucht sich wegen eines möglichen frühzeitigen Todes nicht zu sorgen. Übergewicht sei ein "überschätztes Risiko", erklärte gar die Hamburger Gesundheitswissenschaftlerin Prof. Dr. Ingrid Mühlhauser. Die geringste Sterberate hätten demnach Menschen mit einem BMI von 27. Das entspricht einem Gewicht von 78 Kilogramm bei einer Größe von 1,70 Metern - und gilt nach der allgemeingültigen Gewichtsformel als übergewichtig.

Wer sich akzeptiert fühlt, nimmt leichter ab

Also alles auf Anfang? Wer übergewichtig ist, muss um jeden Preis abspecken? Eine Untersuchung der University of Waterloo könnte dies den Betroffenen zumindest etwas einfacher machen: Wer sich in seinem Aussehen von Familie und Freunden akzeptiert fühlt, nimmt leichter ab, so die Erkenntnis. Umgekehrt führt Kritik und Ablehnung der eigenen Figur durch Angehörige dazu, dass die Betroffenen noch mehr zulegen. Forscher hatten für die Studie 186 College-Studentinnen ausgewählt, die sich auf der Schwelle von Normal- zu Übergewicht befanden und mit ihrem Gewicht unzufrieden waren. Die Frauen sollten über ihre "Gewichtsnöte" mit Angehörigen und Freunden sprechen. Am Ende des Studienzeitraums von acht Monaten hatten die, die sich von ihren Lieben abgelehnt fühlten, im Schnitt 4,5 Pfund zugelegt. Die anderen hatten das Gewicht gehalten oder sogar abgenommen. Die Botschaft dahinter: Ablehnung vergrößert den Diätstress und macht noch dicker. Will man jemanden beim Abnehmen unterstützen, sollte man ihm sagen, wie gut er aussieht. "Aus vielen Forschungen ist bekannt, wie sehr soziale Akzeptanz die Gesundheit fördert", resümiert Studienleiterin Christine Logel vom Renison University College an der Universität Waterloo. Immerhin ein Lichtblick im ewigen Kampf um die Figur - bis wieder etwas anderes gilt.

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