Wer ist zu dick? Raten Sie mal ...

Wer ist nur übergewichtig und wer zu dick? Bei der Beurteilung von Körperbildern prägt uns unsere Umwelt, belegt eine Studie. Doch der Nutzen solcher Untersuchungen ist fragwürdig.

Wer ist zu dick? Rein von der Optik her nicht leicht zu beurteilen. Wenn viele Menschen um uns herum dick oder übergewichtig sind, nehmen wir das irgendwann nicht mehr wahr und halten ein höheres Körpergewicht für normal und gesund. Diese - bereits bekannte - These bestätigt jetzt eine Studie des Rush University Medical Center in Chicago. Dazu wurden 69 Afroamerikanerinnen rekrutiert. Diese Frauen gelten als Volksgruppe mit den höchsten Übergewichtsraten bezogen auf alle Amerikanerinnen. Die Frauen wiesen einen BMI von 32 auf, was bereits als adipös gilt (Normalgewicht: BMI von 18,5–24,9).

Die Aufgabe: Auf einer Skala mit gezeichneten Figuren sollten die Probandinnen die übergewichtigen, die adipösen und die schwer adipösiden identifizieren. Auch sollten sie angeben, welcher der Frauenkörper mit ihrem eigenen übereinstimmt.

Das Ergebnis: Nur die Figuren Nummer 8 und 9 wurden als "zu dick" empfunden und als ungesund eingestuft. Bei der Einordnung ihrer eigenen Körper lagen viele der Befragten daneben. Sie hielten sich nicht für übergewichtig, da ihrer Meinung nach Übergewicht erst bei einem BMI von etwa 35 beginnt.

Auflösung der Grafik: Normalgewichtig sind nur die Figuren Nummer 2, 3 und 4. Nummer 1 ist mit einem BMI von 16 untergewichtig. Nummer 5 ist übergewichtig, Nummer 6 und 7 gelten als adipös, 8 und 9 als schwer adipös.

Erst den Nachtisch essen hat Vorteile!

Was sagt uns diese Studie?

Wenig. Denn der BMI taugt nicht dazu herauszufinden, wer zu dick ist und ob die Gesundheit gefährdet ist. Anders ausgedrückt: Nicht jeder mit einem BMI ab 25 muss gleich zum Arzt. Wissenschaftler und Ärzte wissen schon lange, dass der BMI für bestimmte Menschen (sehr muskulöse, sehr große, sehr kleine) falsche Ergebnisse liefert. Hinzu kommt, dass zur Ermittlung des Gesundheitsrisikos nicht allein das Gewicht entscheidend ist, sondern auch der Taillenumfang. Ein dicker Bauch steigert das Risiko für Diabetes, Herz-Kreislauf- und andere Erkrankungen. Denn Fett am und vor allem im Bauch - rund um die Organe - ist gesundheitsschädlich. Daher gilt schon länger die Empfehlung, zusätzlich zum BMI auch den Taillenumfang zu messen. Er sollte bei Frauen nicht über 88 Zentimetern und bei Männern nicht über 102 Zentimetern liegen. Die typische weibliche Fettverteilung an Oberarmen, Oberschenkeln und Hüften hat dagegen keinen negativen Effekt auf die Gesundheit.

Zur Ermittlung des Diabetesrisikos hat sich auch die Waist-to-Height-Ratio (WHtR) bewährt. Dabei wird der Taillenumfang durch die Körpergröße dividiert. Bei Menschen unter 40 Jahren sollte diese WHtR 0,5, bei Älteren höchstens 0,6 betragen. Eine geringe Abweichung von diesen Werten ist noch okay, bei größeren Differenzen steigen gesundheitliche Risiken.

Nicht zuletzt gibt es fitte Dicke - Menschen, die sich regelmäßig bewegen, Sport treiben und dennoch nicht schlank sind. Erst die Summe verschiedener ungünstiger Faktoren (Rauchen, Stress, ungesunde Ernährung etc.) macht Übergewicht zum riskanten Körpergewicht.

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