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Noom Wir testen die Trend-App zum Abnehmen

Noom: Frau hat ihr Handy in der Hand
© Pormezz / Adobe Stock
Mit dem Konzept von Noom sollen wir auf gesunde Art Gewicht verlieren können. Unsere Autorin hat den zweimonatigen Selbsttest gemacht!

Inhaltsverzeichnis

Mir geht es wahrscheinlich wie vielen anderen Menschen: Selbstliebe hin oder her, irgendwann starre ich skeptisch auf meine Waage und nehme mir vor, doch mal ein paar Pfunde abzuspecken. Aber da kurzfristige Diäten nun einmal wenig sinnvoll sind, kam mir das Angebot, die Abnehm-App Noom redaktionell zu testen, natürlich gerade recht. Denn das Konzept setzt auf eine Ernährungsumstellung, die langfristig erfolgreich sein soll.

Was kann Noom?

Noom legt den Fokus auf einen individualisierten Ernährungsplan. Wer sich die App herunterlädt, muss also erst einmal einen ausführlichen Fragebogen beantworten, der die eigenen Gewohnheiten in Sachen Essen bewertet. Anhand dessen wird dann der individuelle tägliche Kalorienbedarf berechnet. Alle Lebensmittel sortiert Noom anhand ihrer Kaloriendichte: Gemüse beispielsweise hat eine geringe Kaloriendichte, die entsprechenden Lebensmittel werden in grün dargestellt. Süßigkeiten hingegen haben eine hohe Kaloriendichte und werden in rot angezeigt – hiervon sollte man also am wenigsten essen. So weit, so logisch. Zusätzlich konnte ich beispielsweise eintragen, wie viele Schritte ich pro Tag laufe und wie viele Gläser Wasser ich trinke. Des Weiteren gewährt die App Zugriff auf eine Rezeptdatenbank.

Lektionen, Lektionen, Lektionen!

Warum fällt es uns so schwer, Gewohnheiten zu ändern? Und was sind sogenannte Trigger beim Essverhalten? Noom macht es sich zur Aufgabe, die Psychologie hinter unserem Essverhalten zu erklären. Dafür muss man täglich Leselektionen abschließen. Dazu konnte ich angeben, wie viele Minuten ich am Tag mit diesen Kursen verbringen möchte. Ich habe motiviert zehn Minuten ausgewählt – diese Motivation ließ dann aber doch recht schnell nach. Denn wer schon mal versucht hat, langfristig abzunehmen, wird sich mit den meisten der angesprochenen Themen wohl bereits beschäftigt haben und erlebt daher beim Lesen nur selten noch einen Aha-Moment.

Gleichzeitig fanden die Lektionen aber leider auch einfach kein Ende. Nach zwei Wochen allabendlicher Lektüre hatte ich noch nicht einmal die Hälfte des Leseplans geschafft und ehrlicherweise auch schlichtweg keine Lust mehr, weil für mich nicht viel Neues dabei war. Durch regelmäßige Quiz-Einheiten versucht die App, das Erlernte abzufragen. Obwohl aber so manches Quiz tatsächlich bestanden werden muss, um die nächste Lektion freischalten zu können, gibt es auch immer Quatsch-Antworten, die man auswählen kann. Ich hatte den Eindruck, dass sich die App-Macher:innen an dieser Stelle selbst nicht entscheiden konnten, ob sie mit dem Quiz nun ernsthaft das frische Wissen abfragen oder doch eher nur unterhalten möchten.

Die blöde Waage

Ich gebe zu: Die Waage ist quasi mein persönlicher Feind. Noom empfiehlt, sich täglich zu wiegen und das Gewicht in der App einzutragen. So soll zum einen die Angst vor der Waage nachlassen, zum anderen zeigen aber auch tatsächlich einige Untersuchungen, dass tägliches Wiegen beim langfristigen Gewichtsabbau helfen kann. Für mich persönlich ist das allerdings leider nichts – ich kämpfe schon mein Leben lang mit lästigen Wassereinlagerungen. Das tägliche Wiegen hat mir außer Frust nicht viel gebracht, da ich mich eigentlich nur über meine Gewichtsschwankungen geärgert habe. Ich bin deshalb darauf umgestiegen, mich zweimal pro Woche zu wiegen und komme damit auch gut zurecht.

Guides als Berater:innen

Auch die persönliche Betreuung schreibt sich Noom auf die Fahne. Jedes Mitglied bekommt sogenannte Noom Guides, die über private Nachrichten Fragen zur App und zum Programm beantworten. So ganz persönlich scheint mir diese Betreuung dann aber doch nicht zu sein, denn irgendwann bekam ich eine Text-Antwort auf eine Frage, die ich nie gestellt hatte. Ob das nur ein Versehen war oder hinter den Guides doch eher eine Art Chatbot steckt, kann ich nicht eindeutig sagen. Wenn ich aber tatsächlich mal Fragen hatte, wurden sie in der Regel zeitnah und zufriedenstellend beantwortet.

Wo bitte geht es hier zu meiner Noom-Gruppe?

Zusätzlich zu den Guides wurde ich nach ein paar Tagen automatisch einer Noom-Gruppe mit anderen Anfänger:innen hinzugefügt. Eine solche Gruppe wird von einem sogenannten Coach geleitet. Der Austausch war freundlich, ich hatte hiermit aber zwei Probleme: Zum einen interessieren mich eher die Erfahrungen und vor allem natürlich die Erfolge von Nutzer:innen, die das Programm schon länger machen. Ich habe aber keine Möglichkeit gefunden, mit anderen User:innen außerhalb meiner Anfängergruppe in Kontakt zu treten.

Zum zweiten wird man automatisch nach einer Weile aus der Gruppe entfernt, wenn man sich nicht beteiligt. Mir ist das versehentlich passiert – ich war im Testzeitraum eine Woche im Urlaub und habe die App in der Zeit nicht benutzt. Danach konnte ich nicht mehr auf die Gruppe zugreifen oder auch nur den Coach erreichen, um mich wieder hinzufügen zu lassen. Ich finde diese Beschränkungen, was den Kontakt mit anderen Nutzer:innen angeht, unnötig und verbesserungswürdig. Eine offene Community, bei der man jederzeit andere User:in anschreiben oder sich an Themen beteiligen kann, liegt mir einfach mehr.

Abnehmen mit Noom: Mein Fazit

Insgesamt habe ich Noom etwa zwei Monate getestet. Zum Teil unter schwersten Bedingungen, nämlich im Dezember, der für mich ja eher zu den Schlemmer-Monaten zählt. Und ich gestehe: Immer habe ich mich nicht an meinen Kalorienplan gehalten, der innere Schweinehund war einfach zu groß. In den ersten zwei Wochen passierte auf der Waage außer den für mich typischen Schwankungen nicht viel, nach der dritten Woche hatte ich ein Kilo zugenommen. Laut meinem Coach war das aber wohl nicht ungewöhnlich. Und auch andere Anfänger:innen aus meiner Gruppe berichteten von einer Gewichtszunahme kurz nach dem Start.

Letztendlich zeigte meine Waage nach den zwei Monaten zwei Kilo weniger Gewicht an. Wäre ich ein wenig strenger mit mir gewesen, wäre es aber sicher mehr geworden. Generell kann man also sagen: Das Konzept funktioniert und kann dabei helfen, langfristig abzunehmen – solange man halt dran bleibt. Und das ist sicher das wichtigste. Für mich persönlich gibt es aber auch einige kleine Kritikpunkte, an denen die Noom-Macher:innen arbeiten sollten. Vor allem die irgendwann wirklich ermüdenden Lektionen und die nur eingeschränkten Kontaktmöglichkeiten zu anderen User:innen innerhalb der App haben mich gestört.

Des Weiteren empfinde ich Noom als recht teuer: Aktuell kostet ein Monat im Abo mit einer zweiwöchigen Testphase 49 Euro, zwei Monate 79 Euro und vier Monate stolze 109 Euro. Zum Vergleich: Die dreimonatige Standardmitgliedschaft bei der App von WW kostet aktuell 25 Euro, die Premiumversion mit persönlicher Beratung 43 Euro.

Apropos: Wie das Abnehmen mit WW funktioniert, habe ich in diesem Artikel getestet.

Hinweis: Die App wurde der Redaktion für den Test kostenlos zur Verfügung gestellt.

Quellen: Noom.com, App

Brigitte

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