Pflaster gegen Heißhunger?

Schön wär's ja: Man klebt sich morgens ein Pflaster auf die Haut und hat tagsüber keinen Heißhunger mehr auf Süßigkeiten. Funktioniert das?

Heißhunger-Stopp per Aromapflaster - das versprechen die Anbieter von "SweetControl". Funktionieren soll die Appetitbremse über Duft- und Aromastoffe, die eingeatmet werden und dem Gehirn eine Übersättigung signalisieren.

Können Aromen tatsächlich Heißhunger dämpfen? Prinzipiell ist das möglich - das haben US-Wissenschaftler um den Neurologen Dr. Alan Hirsch in einer Studie mit 3200 Versuchspersonen herausgefunden. Der Geruch von grünen Äpfeln, Pfefferminz und Banane unterdrückte bei den Teilnehmern erfolgreich den Appetit. Eine britische Studie bestätigte zudem, dass auch Vanilleduft den Heißhunger auf Schokolade, nicht aber auf Fettiges und Alkohol, dämpfen kann - Vanillin gehört zu den Inhaltsstoffen des Aromapflasters.

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Das sagt die Expertin:

Wir haben die Ernährungswissenschaftlerin Angela Clausen um eine Einschätzung gebeten. Sie ist bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen für Schlankheitsmittel zuständig. Ihr Fazit zum Aromapflaster: "Es kann dem einen oder anderen vielleicht helfen - das Mittel zum Abnehmen ist es aber sicher nicht".

Ein Grund: Eine langfristige Änderung des Essverhaltens kann und will das Aromapflaster nicht erreichen. Es soll lediglich als mehrwöchige Kur angewandt werden, unter Umständen auch mehrmals: "Nach drei oder sechs Wochen kann das Pflaster abgesetzt werden, um zu überprüfen, ob auch ohne Unterstützung der Willenskraft durch das Pflaster auf den übermäßigen Genuss von Süßigkeiten verzichtet werden kann", schreibt uns Norbert Hoenzelaer, Geschäftsführer der Firma Kompas International, die das Produkt herstellt.

Expertin Angela Clausen ist skeptisch. Ihr fehlen überzeugende Studien, die die Wirksamkeit des Pflasters belegen. Nach Angaben des Herstellers wurde eine Studie mit 150 Personen durchgeführt - 80 Prozent der Teilnehmer gaben an, ihr Verlangen nach Süßigkeiten sei nach einigen Tagen verschwunden. Die Studie wurde nicht veröffentlicht. Warum? Das Pflaster wurde als Kosmetikartikel auf den Markt gebracht, wie beispielsweise Parfum. Bei Kosmetikartikeln sind veröffentlichte Wirksamkeitsstudien nicht vorgeschrieben - im Gegensatz etwa zu Arzneimitteln.

"Wilde" Wirkstoffkombination

Die Versuchspersonen wussten, dass das Pflaster, das sie testeten, das Verlangen nach Süßigkeiten eindämmen oder beseitigen sollte. Hier setzt die Kritik der unabhängigen Expertin an: "Um einen Placebo-Effekt auszuschließen, dürfen die Probanden vorher nicht wissen, was das Pflaster bewirken soll und ob sie selber ein wirksames Produkt testen", sagt Angela Clausen. Für einen wirklichen Nachweis sei eine Doppelblindstudie erforderlich - dabei erhält ein Teil der Testpersonen ein Placebo und ein anderer Teil den tatsächlichen Wirkstoff - weder die Testpersonen noch die betreuenden Ärzte wissen, wer was bekommt.

Skeptisch macht Angela Clausen auch die "wilde Kombination" aus über 40 verschiedenen Wirkstoffen, zu denen unter anderem Vanillin, Limone und Baummoosextrakte, alles typische Parfum-Bausteine, gehören. Der Grund: "Man weiß gar nicht, welche Synergieeffekte die einzelnen Stoffe vielleicht haben oder wie sie sich gegenseitig blockieren." Vor allem beim Vanillin fürchtet sie, dass es auch einen gegenteiligen Effekt haben könnte. Eigentlich gilt Vanille nämlich auch als appetitanregend, aber eben auch als nervenberuhigend.

Auch Allergikern rät die Expertin zur Vorsicht: Da lediglich der Pflasterklebstoff auf Allergien getestet wurde, nicht jedoch die Wirkstoffe, kann es zu Reaktionen der Haut kommen.

Vanilleöl als Alternative

Sie wollen versuchen, mit Hilfe von Vanillearoma den Heißhunger auf Süßigkeiten zu zügeln? Versuchen Sie es doch mit ein paar Tropfen Vanilleöl auf der Haut oder mit einer Duftlampe - beides preiswerte Alternativen zu den Aromapflastern (21 Stück kosten 39,90 Euro). Auch das Riechen an Pfefferminzöl hilft Vielen bei Heißhungerattacken.

Text und Foto: Monika Herbst

Wer hier schreibt:

Monika Herbst
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