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Samantha nahm 52 Kilo ab – doch ihr Weg zu mehr Selbstliebe war härter

Samantha nahm 50 Kilo ab: Samantha vor der Abnahme
© Samantha Gorson
Samantha war stark übergewichtig und drogenabhängig. Dank harter Arbeit verlor sie über 50 Kilo und wurde clean – doch es fiel ihr auch danach lange Zeit schwer, sich selbst zu lieben. 

Schon als Kind bewunderte Samantha Gorson Frauen wie Paris Hilton und Lindsay Lohan für ihre scheinbar perfekten Körper – und haderte gleichzeitig mit sich selbst. Sie war bereits als kleines Mädchen übergewichtig gewesen und schoss zudem in die Höhe: Mit 15 wog Samantha über 100 Kilo und war mit 1,74 Metern das größte Mädchen in der Schule. Die Jungs nannten sie höhnisch "Das große Mädchen" und sie war sicher, dass sie für immer Single und Jungfrau bleiben würde, wie sie dem Portal "lovewhatmatters" erzählte.

Mein Gewicht kontrollierte jeden meiner Schritte, jeden meiner Gedanken, einfach alles. Ich war unsicher, dauerhaft peinlich berührt von mir selbst und hatte das Gefühl, nirgendwo hinzupassen – weder physisch noch emotional. – Samantha Gorson

Samanthas Gewicht war immer ein Thema

Während andere Mädchen aus ihrer Klasse auf Dates gingen, ihren ersten Kuss hatten und ihre Körper mit kurzen Tops und Shorts zur Schau stellten, blieb Samantha allein. Sie trug übergroße T-Shirts und versuchte, sich darin förmlich zu verstecken. Dazu kamen familiäre Probleme: Ihr Vater hatte schon als sie noch klein war ihr Gewicht zum Thema gemacht, er schlug ihr beispielsweise vor, beim Fernsehen Sit-ups zu machen oder bemerkte beim Essen, dass sie nun wirklich keine zweite Portion bräuchte. 

Zugleich war Samanthas Vater aber auch öfter tagelang nicht zuhause – und sie nutzte das Essen dafür, ihre Gedanken und ihren Schmerz darüber zu betäuben. Samantha nahm immer weiter zu, zahlreiche Abnehmversuche brachten wenn überhaupt nur kurzfristig Erfolg.

Als sie 15 und gerade in die High School gekommen war, starb Samanthas Vater. Sie betäubte ihren Schmerz weiterhin – jetzt nicht mehr nur mit dauerhaftem Essen, sondern zusätzlich mit Drogen. Sieben Jahre bestimmte beides ihren Alltag, ihr Gewicht kletterte in dieser Zeit auf fast 118 Kilo. Gleichzeitig tat Samantha alles, um irgendwie dazu zu gehören und ein Teil von etwas zu sein: Wenige Monate nach dem Tod ihres Vaters schenkte sie ihre Jungfräulichkeit einem Mann, der am nächsten Tag ihre Telefonnummer blockierte. "Ich verwechselte Sex mit Liebe und Menschen, die nur meine Drogen und das, was ich besaß haben wollten, mit sozialer Akzeptanz", so Samantha.

Schlank sein als ultimativer Problemlöser?

Samantha war sich sicher, dass Menschen sie besser behandeln würden, wenn sie nur schlank wäre. Mit 22 erreichte sie den Punkt, der den Start in ein neues Leben ermöglichen sollte: Sie entschloss sich dazu, Hilfe zu suchen und machte einen Drogenentzug. Zum ersten Mal in ihrem Leben dachte sie nicht mehr nur konstant an ihr Gewicht – und erlaubte sich, einfach ein bisschen glücklich zu sein. Als sie 23 wurde und ihre Mutter ihr von einer Frau erzählte, die mithilfe einer Operation über 50 Kilo abgenommen hatte, wurde sie dennoch neugierig, recherchierte – und entschied sich schließlich für eine Magenverkleinerung.

Samantha betont, dass diese Operation nicht der "einfache Ausweg" war, wie ihr teilweise sogar aus ihrem eigenen Freundeskreis vorgeworfen wurde. Denn sie hat ihr Leben nach der Operation vollständig umgekrempelt, verzichtete auf Brot, Pasta, Softdrinks, sämtliche Snacks und Süßigkeiten. Samantha verlor rapide an Gewicht – und musste einsehen, dass auch das ein Grund für andere Menschen war, über sie zu tuscheln. Ein Professor fragte sie, ob sie wieder drogenabhängig sei, eine Bekannte vermutete, sie sei essgestört. 

Samantha nahm 50 Kilo ab: Samantha heute
Heute wiegt Samantha nicht nur 52 Kilo weniger, sie ist auch endlich glücklich

Endlich schlank – doch es folgte die Identitätskrise

Samantha hatte geglaubt, dass die Gewichtsabnahme die Antwort auf all ihre Probleme sein würde. Aber all die neue Aufmerksamkeit stürzte sie nur in noch mehr Verwirrung darüber, wer sie eigentlich war: Ihr ganzes Leben lang war das Übergewicht ihre Identität gewesen, die Ausrede, warum sie sich immerzu schlecht fühlte. Sie war immer so sehr auf ihren Körper fixiert gewesen, dass sie ihren Geist völlig vergessen hatte. Also fing sie an, sich mit ihrer Seele zu beschäftigen – und begann langsam, sich selbst zu akzeptieren und zu lieben.

Nachdem ich 52 Kilo abgenommen hatte, wurde mir klar, dass ich mich selbst immer noch nicht wirklich mochte. Also begann ich, nach innen zu sehen. Ich arbeitete an meinem Geist, meiner Seele, meinem inneren Kind und daran, mich selbst zu lieben, egal, welche Kleidergröße ich hatte.

Samantha ist es wichtig, zu betonen, wie viel Arbeit in ihrer Verwandlung steckt – innerlich und äußerlich. Mittlerweile ist sie seit viereinhalb Jahren clean und möchte anderen Menschen helfen, zu sich selbst zu finden. Sie bereut nichts an ihrer langen Reise und möchte erreichen, dass alle Frauen sich weniger Sorgen um ihre Kleidergröße machen und mehr darum, ob sie ein guter Mensch sind: "Die Welt braucht gute Menschen, die Tragödien überstanden haben, Menschen, die am tiefsten Punkt angelangt sind und sich wieder gefangen haben. Menschen, die darüber sprechen, was sie durchgemacht haben und anderen so helfen." Über ihre Erfahrungen berichtet Samantha auf ihrem Blog und bei Instagram.


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