Dicke Menschen leben länger

Wer übergewichtig ist, wird leichter krank und stirbt eher, heißt es. Die Wissenschaftsdoku "Dicke leben länger" auf 3sat tritt den Gegenbeweis an.

Wer dick ist, muss abnehmen, so die landläufige Meinung. In der TV Sendung Dicke leben länger auf 3sat kamen Wissenschaftler zu Wort, deren Forschungen und Erkenntnisse dafür sprechen, dass nicht jeder Dicke automatisch krank wird und abnehmen muss.

Unglaublich: Dieser Würfel hilft beim Abnehmen

Die These

Übergewicht macht krank. Beschwerden wie Diabetes, Bluthochdruck, Herzinfarkt seien die Folge. Deshalb sollen dicke Menschen abnehmen. Der Königsweg: ausgewogene Ernährung und Sport.

Die Gegenargumente

Ein niedriger Body-Mass-Index (BMI) bedeutet nicht zwangsläufig eine niedrige Sterberate. Das fand Ingrid Mühlhauser, Gesundheitswissenschaftlerin an der Universität Hamburg, anhand zahlreicher Studien heraus. Die geringste Sterberate haben demnach Menschen mit einem BMI von 27. Das entspricht einem Gewicht von 78 Kilogramm bei einer Größe von 1,70 Metern – und gilt als übergewichtig.

Der Tübinger Diabetologe Norbert Stefan weiß aufgrund einer über zehn Jahre laufenden Studie, dass es sogenannte Happy Obese gibt, dicke Gesunde, die 25 Prozent der Übergewichtigen ausmachen. Sie können allerdings viele Jahre später noch krank werden. Daher ist es wichtig, dass sie auf einen gesunden Lebensstil achten und sich bewegen. Aber auch schlanke Menschen haben die Gesundheit nicht auf Dauer gepachtet. Es gibt normalgewichtige Menschen, die sich täglich bewegen müssen, um nicht etwa an Diabetes zu erkranken.

Die Erkenntnisse

Der Internist und Endokrinologe Matthias Blüher vom Uniklinikum Leipzig betreibt eine der größten Fettgewebsbanken Europas. Seine Erkenntnis aus der Fettgewebsforschung: Krank macht das sogenannte viszerale Fett, das Fett, das am Rücken und im Bauchraum um die Organe herum sitzt. Es fördert Entzündungen, und daraus können Krankheiten entstehen. Es gibt Dicke, die kein viszerales Fett haben. Hingegen können Schlanke mit einem BMI unter 25 diese Fettansammlungen im Körper haben. Die Gründe dafür vermutet Blüher in der Genetik.

Der Lübecker Hirnforscher Achim Peters (Das egoistische Gehirn) meint, dass wir keine Übergewichtsepidemie haben, sondern eine Stressepidemie. Angst um den Arbeitsplatz, aber vor allem Einsamkeit sind die Stressfaktoren in unserer heutigen Zeit. Menschen lagern Fett ein, als Schutzmechanismus gegen permanenten Stress. Diese Fetteinlagerung wird durch das Gehirn gefördert, weil es in Stresssituationen permanent Nahrung fordert.

Das Fazit

Dick ist nicht gleich krank und dünn nicht gleich gesund. Und: Der BMI taugt nicht, um das Gesundheitsrisiko von Menschen zu bestimmen. Es zählen die inneren Werte. Daher messen viele Mediziner lieber den Bauchumfang ihrer Patienten, um deren Gesundheitsrisiko einschätzen zu können. Am Ende gilt: Jeder hat ein individuelles Risiko für Krankheiten, unabhängig von seinem BMI. Und: Viel Bewegung erhält gesund.

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