Wow! So hat Kalynn 44 Kilo abgenommen

Das dicke Mädchen – so hat Kalynn Knaub sich selbst über viele Jahre wahrgenommen. Mit einer Operation hat sie es geschafft, 44 Kilo abzunehmen – und musste sich dann anhören, sie hätte es sich zu leicht gemacht.

Kalynn Knaub fiel schon immer auf: Selbst in ihrer Kindheit wurde sie nie als "klein" wahrgenommen, weil sie stets breiter gebaut war als jedes andere Kind. Ständig machten die Menschen um sie herum Kommentare über ihren Körperumfang. Sie gewöhnte sich in gewisser Weise daran, schließlich aß sie auch gern – aber als Kalynn schließlich aufs College ging, lief ihr Essverhalten aus dem Ruder.

Mein Badeanzug für das Schwimmteam musste immer extra bestellt werden. Es war entsetzlich.

Du hast ein hübsches Gesicht, aber...

Beim nächtlichen Pauken verdrückte sie problemlos eine Packung Kekse, eine Pizza und eine Nudelbox. Trost fand sie im Binge Eating – gleichzeitig nahm sie sich die vielen Kommentare zu ihrem Äußeren sehr zu Herzen, wie sie bei "lovewhatmatters" erzählt: "Mir wurde ständig gesagt, ich wäre für ein dickes Mädchen hübsch, oder dass ich ein hübsches Gesicht hätte, aber noch viel schöner wäre, wenn ich abnehmen würde." 

Kalynn begriff irgendwann, dass sie so oder so immer nur als "das dicke Mädchen" wahrgenommen wurde und fing an, die Bezeichnung wie ein Label zu tragen: Sie machte sich selbst darüber lustig, obwohl es sie insgeheim verletzte. Sie wollte, dass ihr Umfeld sie für ihre Persönlichkeit wahrnahm und nicht für ihr Gewicht.

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Zu einem zweiten Date kam es nie

Die Augen davor verschließen konnte sie jedoch nicht. Jedes Mal, wenn sie neue Kleidung kaufte, brauchte sie eine größere Größe. Ein junger Mann, den sie online auf einer Datingseite kennengelernt hatte, sagte beim ersten Treffen zu ihr, dass er sich niemals mit ihr verabredet hätte, wenn er gewusst hätte, wie dick sie war. Kalynn fiel in ein tiefes Loch: Sie ging nicht mehr aus, wollte ihre Freunde nicht mehr sehen und sich nur noch Zuhause verkriechen. Zahllose erfolglose Diätversuche und abgebrochene Sportkurse deprimierten sie zusätzlich.

Ich wollte mich verstecken – vor mir selbst und vor allen anderen.

Als sie schließlich fast 130 Kilo wog – bei einer Körpergröße von nur 1,56 Meter – fing Kalynn an, sich über mögliche operative Methoden zu informieren – und entschied sich für den sogenannten Schlauchmagen. Bei dem Verfahren entfernen Ärzte einen großen Teil des Magens – in Kalynns Fall waren das 75 Prozent –, sodass dieser ein wesentlich geringeres Fassungsvermögen besitzt. Patienten können dadurch nur noch sehr kleine Portionen essen. Nur ihren Eltern und ihren engsten Freunden teilte sie ihren Entschluss mit. 

Endlich Hilfe oder doch ein großer Fehler?

Noch am Tag der OP fragte sie sich, ob sie wohl den größten Fehler ihres Lebens machte, denn in den letzten zwei Wochen vor dem Termin hatte sie bereits eine spezielle Diät einhalten müssen, die vor allem aus Proteinshakes und Joghurts bestand und die sie gehasst hatte. Die OP an sich verlief gut, allerdings litt Kalynn in den folgenden Tagen an großen Schmerzen und ständiger Übelkeit, durch die sie nur klare Flüssigkeit zu sich nehmen konnte. Zusätzlich bekam sie eine postoperative allergische Reaktion mit juckendem Ausschlag, den sie aber mit ärztlicher Hilfe in den Griff bekam.

Mittlerweile hat Kalynn 44 Kilo abgenommen und arbeitet weiter an ihrem Gewicht

Sechs Wochen später ging Kalynn wieder zur Arbeit – sie ist als Krankenschwester tätig und fürchtete das Gerede ihrer vielen Kolleginnen. Eine sagte, mit der Operation hätte Kalynn es sich ja leicht gemacht, was sie unheimlich verletzte. Mithilfe einer selbstbewussten Freundin wurde ihr aber klar, dass es ihr egal sein konnte, was die anderen sagten: "Ja, ich hatte eine OP, aber ich musste trotzdem hart an mir arbeiten." Kalynn fing an, ihre Mahlzeiten zuhause vorzubereiten, ihr Essen abzuwiegen und aufzuschreiben, was sie alles aß. Zusätzlich ging sie jeden Tag acht Kilometer zu Fuß.

44 Kilo sind schon weg

Während die Kilos purzelten, fing sie an, offen zu der Operation zu stehen und ist mittlerweile stolz darauf, dass sie den Eingriff durchgezogen hat. Inzwischen hat Kalynn 44 Kilo abgenommen und endlich auch ihr Selbstbewusstsein wiedergefunden: "Von der Person, die ich geworden bin, hätte ich früher nie zu träumen gewagt. Sie ist jemand, vom dem ich glaubte, er würde nie existieren." Und sie möchte anderen mit ihrer Geschichte Mut machen und teilt sie daher auf Instagram. Kalynns Rat: Jeder hat die Möglichkeit, sein Leben zu verändern. Es ist hart und vielleicht sind nicht immer alle mit deinen Entscheidungen einverstanden, aber es lohnt sich – denn es geht um dich.

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