Brustkrebs: Die Zukunft im Zelltest

Eine neuer Gentest stürzt Frauen mit Brustkrebs in neue Konflikte.

Frauen, die an Brustkrebs erkranken, haben heute bessere Chancen: Rund 80 Prozent überleben. Frauen mit Brustkrebs müssen allerdings mehr denn je zu Expertinnen in eigener Sache werden, um die bestmögliche Therapie zu bekommen. Denn ob Chemo, Strahlen, Hormontherapie, Herceptin oder nichts von alledem nach der OP sinnvoll ist - das ist in jedem Einzelfall anders zu bewerten. Und der wissenschaftliche Fortschritt entwickelt sich heute oft schneller als die Kenntnisse der Ärzte, die im städtischen Krankenhaus behandeln. Wer über den Umgang mit der Krankheit und seinem Körper mit entscheiden will, muss deshalb viel wissen.

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BRIGITTE-Autorin Irene Stratenwerth

Neuerdings auch über ein Testangebot, das unter der Bezeichnung MammaPrint vermarktet wird. "Das Testergebnis gibt dem Arzt eine wesentliche Entscheidungshilfe bei der individuellen Therapieplanung des Patienten", lesen wir in einem PR-Text des Herstellers. Moment, denken wir, geht es nicht fast ausschließlich um Frauen? Und sollten die über ihre Behandlung nicht mitentscheiden, statt sich dem Therapieplan eines Arztes unterordnen?

Umso ärgerlicher sind solche Formulierungen angesichts der Tatsache, dass die Patientinnen für diese Entscheidungshilfe bis auf weiteres selbst zahlen sollen: Rund 900 Euro werden für den Gentest fällig. Als Gegenwert gibt es eine Aussage darüber, ob das Risiko einer Metastasenbildung in den nächsten zehn Jahren "niedrig" oder "hoch" ist. Aber keine verlässliche Prognose für den Einzelfall.

Das Bamberger Klinikum zum Beispiel, das den Test schon anbietet, wirbt damit, dass Patientinnen mit einer guten Prognose künftig keine Chemotherapie mehr auf sich nehmen müssten. Und das spare ja letztlich auch Kosten.

Doch kein Wort darüber, was solche Testergebnisse für die Psyche der Frauen bedeuten. Wie fühlt sich eine Patientin, die eine "schlechte" Prognose bekommt und nun noch dazu eine Chemotherapie durchstehen soll? Kein Wort auch dazu, wie man Frauen dazu berät, ob sie diesen Test machen sollen oder nicht - falls sie ihn sich überhaupt leisten können. Die Krankenkassen dürfen sich indessen schon mal auf die Einsparungen freuen, wenn überflüssige Therapien wegfallen.

Mal ganz im Ernst: So könnt Ihr mit krebskranken Frauen nicht umgehen! Es ist schon schlimm genug, mit dem Schock der Diagnose fertig zu werden. In so einer Situation brauchen wir Ärzte und Krankenkassen, die uns die notwendige und sinnvolle Diagnostik anbieten. Und uns nicht in absurde Konflikte und Kosten stürzen.

Wenn dieser Test wirklich so toll ist, wie jetzt behauptet wird, dann sollte er so schnell wie möglich allen Patientinnen zur Verfügung gestellt werden. Einschließlich einer sensiblen Beratung, wie sie vor HIV- oder anderen Gentests heute selbstverständlich ist. So lange all das aber nicht geklärt ist, sollten öffentliche Kliniken ihre Patientinnen mit solchen Selbstzahler-Zumutungen bitte verschonen.

Gentest fürs Metastasen-Risiko: Finden Sie das sinnvoll - oder bringt es nur zusätzliche Verunsicherung? Schreiben Sie es uns in den Kommentaren!

Text: Irene Stratenwerth Illustration: Tim Möller-Kaya Foto: Silke Goes

Wer hier schreibt:

Irene Stratenwerth
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