E-Zigaretten: Rauchst du noch oder dampfst du schon?!

Im Vergleich zu Nikotin gelten E-Zigaretten als harmlos. Bedeutet das für alle Raucher endlich schamloses Paffen?! Auch vor Kindern?! Ganz so einfach ist es nicht, die Risiken sind ungeklärt.

So richtig leicht hatte sie es nicht: Weit entfernt von Marlboro-Coolness kommt sie eher wie ein unförmiger Kugelschreiber daher. Aber mittlerweile sieht man an fast jeder Ecke Shops, in denen E-Zigaretten samt Zubehör verkauft werden, und vor allem: großformatige Werbeplakate fürs "Dampfen".

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Einer aktuellen Umfrage zufolge hat fast jeder sechste Bundesbürger zwischen 20 und 40 E-Zigaretten bereits probiert. Schätzungsweise eine Million nutzt sie regelmäßig. Dabei halten zwei von drei Befragten E-Zigaretten für genauso gefährlich oder sogar gefährlicher als normales Rauchen. In Großbritannien dampft man dagegen mit amtlichem Segen. Public Health England, eine Unterbehörde des britischen Gesundheitsministeriums, geht davon aus, dass elektronische Zigaretten nur fünf Prozent des gesundheitlichen Schadens verursachen, der vom Rauchen ausgeht.

Und: Der Umstieg auf E-Zigaretten sei für starke Raucher endlich eine Chance, das Qualmen aufzugeben. Denn mit Nikotinkaugummis und -pflastern ist die Rückfallquote — teilweise über 90 Prozent — praktisch genauso hoch wie beim kalten Entzug ohne Nikotinersatz. Pluspunkt der E-Zigarette: Mit ihr lässt sich auch der Plausch in der Raucherecke beibehalten.

Welche Risiken haben "Passivdampfer"?

Tatsächlich ist jedoch noch gar nicht belegt, dass der Rauchstopp so wirklich besser gelingt. Rund 70 Prozent der Nutzer konsumieren herkömmliche und elektronische Zigaretten gleichzeitig. Auch bei uns gibt es ein Gutachten des Bundesinstituts für Risikobewertung, dass E-Zigaretten weniger schädlich sind. Denn der Dampf enthält nicht die teils krebserregenden Substanzen des Tabakrauchs wie Teer, Kohlenmonoxid oder Blausäure.

Doch dafür atmet man andere Stoffe ein. Eindeutige Antworten, ob diese gesundheitsschädlich sind, werden wohl erst die Studien der nächsten zehn bis 20 Jahre ergeben "Bisher liegen auch keine aussagekräftigen Studien vor, um mögliche Gesundheitsgefahren für ‘Passivdampfer’ zu beurteilen", so Dr. Katrin Schaller von der Stabsstelle Krebsprävention am Deutschen Krebsforschungszentrum.

Deshalb gibt es noch keine deutschlandweite Regelung, die ein "Dampfverbot" nach dem Bundesnichtraucherschutzgesetz regelt. Verbote sind Ländersache oder werden von Privatunternehmen verhängt. So verbietet die Deutsche Bahn E-Zigaretten genauso wie herkömmliche Zigaretten in den Zügen und außerhalb der ausgewiesenen Raucherbereiche am Bahnhof.

E-Zigarette: Das geringere Übel!

Zumindest das Jugendschutzgesetz berücksichtigt seit April 2016 die E-Zigaretten: Seitdem dürfen sie nicht mehr an Menschen unter 18 verkauft werden. Katrin Schaller gibt zu bedenken: "E-Zigaretten sind nach bisherigen Erkenntnissen zwar deutlich weniger schädlich als herkömmliche Zigaretten, aber eben auch kein harmloses Lifestyle-Produkt. Es ist auch noch nicht geklärt, ob sie Jugendlichen den Einstieg ins Tabakrauchen ebnen." Klar ist also bisher nur: Das geringere Übel ist das Dampfen wohl allemal, verglichen mit dem Rauchen. 

Hintergrundwissen:

Wie funktioniert die E-Zigarette und was ist drin?

  • Eine nikotinhaltige Flüssigkeit wird mit einer batterie- oder akkubetriebenen Heizspirale erhitzt.
  • Das Liquid besteht vor allem aus Propylenglykol und Glycerin, die auch Hauptbestandteile von Bühnennebel sind und zumindest als Lebensmittelzusatzstoffe als unbedenklich gelten. Der Dampf wird dann tief inhaliert oder auch nur gepafft.
  • Dem Liquid können verschiedene Aromastoffe zugesetzt werden. Es gibt außerdem nikotinfreie E-Zigaretten, die nur Aromen enthalten. 
BRIGITTE 15/2017

Wer hier schreibt:

Sabine Thor-Wiedemann
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