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Experteninterview: Prävention durch Impfung

Dr. med. Ingke Hagemann ist ärztliche Leiterin einer Dysplasie-Einheit in Kiel und eines zytologischen Labors. Im Interview beantwortet sie die wichtigsten Fragen zu Humanen Papillomviren

Unsere Expertin Dr. med. Ingke Hagemann

Unsere Expertin Dr. med. Ingke Hagemann

Was genau passiert im Körper bei einer HPV-Infektion?

„Die meisten Menschen infizieren sich mindestens einmal im Leben mit Humanen Papillomviren. Wir kennen mittlerweile über 200 verschiedene Papillomvirustypen. Einige können die äußere Haut, andere die Schleimhäute der Genital- und Analregion, aber auch des Mund-, Rachen- und Halsraumes infizieren. Man unterscheidet Hochrisiko- und Niedrigrisiko-Viren. Hochrisiko-Viren können zu Krebs führen, während Niedrigrisiko-Viren für die Entstehung von Genitalwarzen verantwortlich sind. Bei einer HPV-Infektion wird die Haut oder Schleimhaut lokal infiziert. Normalerweise erkennt unser Immunsystem die Viren und bekämpft sie, sodass eine Infektion meist unbemerkt verläuft. Wenn nicht, können sie sich in der Schleimhaut festsetzen und fortbestehen. So können sie nach Jahren über Krebsvorstufen zu bestimmten Krebsarten führen. Der häufigste durch bestimmte HPV- Typen ausgelöste Krebs betrifft den Gebärmutterhals. Aber auch Scheiden-, Schamlippen- und Analkrebs können durch bestimmte HPV-Typen verursacht werden.“

Wie wird HPV übertragen?

„Die HPV-Infektion ist eine Kontaktinfektion. Sie wird von Mensch zu Mensch übertragen - genau genommen über einen direkten Schleimhautkontakt. Hauptsächlich findet eine Übertragung über intime Hautkontakte statt.“

Wer gut informiert ist, kann gute Entscheidungen treffen

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Ist die Nutzung von Kondomen eine Alternative zur Impfung?

„Nein, das ist sie nicht. Die Nutzung von Kondomen minimiert das Ansteckungsrisiko, kann es aber nicht ganz ausschließen, denn es findet ja trotzdem ein Schleimhautkontakt statt.“

Ist ein Test auf das Vorliegen eine HPV-Infektion vor einer Impfung sinnvoll?

„Ein Test ist vor einer Impfung nicht sinnvoll. Die zur Verfügung stehenden Impfstoffe richten sich nämlich nicht nur gegen einen Virustyp, sondern gegen mehrere Hochrisiko- Virustypen. Wir wissen, dass wohl 12 unterschiedliche HPV-Hochrisiko-Typen für die Entstehung bestimmter Krebsarten verantwortlich sein können. Sehr selten trägt man alle diese Viren in sich. Auch wenn schon eine Infektion mit HPV vorliegt, kann die Impfung dennoch Schutz gegen diejenigen in dem Impfstoff enthaltenen HPV-Typen verleihen, mit denen man nicht infiziert ist. Auch wenn man bereits eine HPV-Infektion hatte oder eine Operation wegen einer Krebsvorstufe hinter sich hat, macht die Impfung Sinn. Sie kann vor einer erneuten Ansteckung mit demselben Virustyp und vor der Ansteckung mit allen im Impfstoff vorhandenen Virustypen schützen.“

Gibt es schon Studien, die gezeigt haben, dass die HPV-Impfung bestimmte HPV-bedingte Krebsarten verhindern kann?

„Ja, die gibt es. Sogar ziemlich viele. Eine Auswertung von 26 Studien hat gezeigt, dass durch eine HPV-Impfung Krebsvorstufen bei jungen Frauen vorgebeugt werden kann. Man weiß, dass es im Schnitt bis zu 30 Jahre dauern kann, bis sich nach einer HPV-Infektion über die Bildung von Krebsvorstufen bestimmte Krebsarten wie z. B. Gebärmutterhalskrebs entwickeln. So lange gibt es die Impfstoffe jedoch noch gar nicht. Daher konnte die Wirksamkeit der Impfung gegen den eigentlichen Krebs bisher nur vermutet werden. Die Wirksamkeit der HPV-Impfung konnte in einer Studie aus Finnland nachgewiesen werden. Die Erkenntnisse zeigen, dass in einer ungeimpften Gruppe von Frauen mehrere Gebärmutterhalskrebserkrankungen, aber auch bestimmte andere HPV-Krebsarten auftraten. Bei der geimpften Gruppe gab es keine Erkrankungen.“

Warum soll ich mich impfen lassen, wenn ich regelmäßig zur (Gebärmutterhalskrebs-) Vorsorge gehe?

„Weil Impfen eine sogenannte primäre Prävention ist und die Vorsorge erst die zweite Präventionsmöglichkeit. Das heißt, durch eine Impfung kann ich mich vor dem Auslöser einer Erkrankung, wie z. B. der HPV-Infektion, schützen. Die Gebärmutterhalskrebsvorsorge zielt auf die Erkennung von Krebsvorstufen ab, die bereits durch eine HPV-Infektion entstanden sind. Da die HPV-Impfstoffe zu fast 100 Prozent vor einer Infektion mit in den Impfstoffen enthaltenen HPV-Typen schützen können, können sie wahrscheinlich nicht nur die Entstehung von Gebärmutterhalskrebs, sondern auch die Entstehung bestimmter anderer durch HPV ausgelöster Krebsarten wie z. B. Anal- oder Vulvakrebs verhindern, für die es keine Vorsorgeprogramme gibt.“

Wir danken herzlich für das aufschlussreiche Gespräch!

Weitere Informationen gibt’s unter: www.entschiedengegenkrebs.de