Zink bei Erkältung - hilft das wirklich?

Zink bei Erkältung: Kann man die Dauer des lästigen Infekts tatsächlich durch die Einnahme des Mineralstoffes verkürzen? Wir machen den Faktencheck!

Sobald der Kopf brummt, Schnupfen nervt und das Immunsystem auf Hochtouren arbeiten muss, nehmen viele Leute plötzlich Zink. Nicht weil sie an einem Zinkmangel leiden, sondern weil angenommen wird, dass der Zink bei Erkältung hilft. Aber kann Zink Erkältungssymptome wirklich lindern? 

Zink bei Erkältung –  ja oder nein? 

Die Antwort: Jein! Es gibt vom renommierten Cochrane-Institut zwar tatsächlich eine große Auswertung mehrerer Studien, die zeigen soll, dass Zinkzufuhr Dauer und Schwere von Erkältungen um bis zu einen Tag reduzieren kann. Vorausgesetzt, man beginnt mit der Einnahme von 75 Milligramm innerhalb von 24 Stunden, nachdem die ersten Beschwerden aufgetreten sind. Außerdem hatten Kinder, die den Mineralstoff über ein halbes Jahr lang einnahmen, weniger Erkältungen und mussten auch seltener Antibiotika verordnet bekommen. 

Zinkzufuhr ohne Zinkmangel 

Es gibt an der Metaanalyse allerdings mehr als nur einen Haken: Zum einen unterscheiden sich die Ergebnisse der Studien trotzdem teilweise deutlich. Zum anderen wurden einige der Untersuchungen von Herstellern für Zink-Lutschtabletten finanziert. Und noch etwas gibt Experten zu denken: Die benötigte Dosis von 75 Milligramm Zinkaufnahme sei viel zu hoch. Das Bundesinstitut von Risikobewertung empfiehlt eine maximale Tagesdosis von 25 Milligramm – andernfalls seien Nebenwirkungen zu befürchten. 

Trotzdem sprachen die Forscher anhand der Cochrane-Auswertung eine Empfehlung zur Einnahme von Zink bei Erkältung aus, egal ob ein Zinkmangel vorliegt oder nicht – ein Mythos war geboren. Dabei kann niemand genaue Empfehlungen geben, wie lange, in welcher Dosis und in welcher Form (Lutschtabletten, Kapseln oder Saft) Zink denn nun am besten wirkt, damit es am besten vom Körper aufgenommen wird ("Bioverfügbarkeit"). 

Wann ist Zink bioverfügbar?

Die Bioverfügbarkeit bestimmt letztendlich, wie der Zink-Speicher tatsächlich aufgefüllt wird. Pflanzliche Nahrung beispielsweise enthält viel Zink – gut aufnehmen kann der Körper es aber nicht, weil es in den Pflanzen mit der sogenannten Phytinsäure unlösliche Komplexe bildet.

Nebenwirkungen der Zinkaufnahme

Mehr als 100 Milligramm Zink pro Tag können zu Erbrechen und Durchfall führen. Der Mineralstoff hinterlässt einen unangenehmen Geschmack im Mund. Und wer die getestete Dosis von 75 Milligramm täglich längerfristig einnimmt, kann nachhaltig den Abwehrkräften des Immunsystems schaden. 

Zink beseitigt die Viren – und alles andere 

Von der Verwendung abraten würden auch Virologen. In einem Test wurde die Wirkung von Zink auf eine Zellkultur mit Grippe-Viren mit der 75 Milligramm-Dosis untersucht. Das Ergebnis: Die Grippe-Viren sind abgestorben – aber auch alle Zellen. Zwar ist auch ein Test in der Petrischale allein nicht aussagekräftig genug, um eine endgültige Entscheidung darüber zu treffen, ob Zink bei Erkältung hilft. Aber es ist mehr als fraglich, ob die Nebenwirkungen den vielleicht um einen Tag verkürzten Infekt wirklich wert sind. 

Statt Zinktabletten zu nehmen ist es wahrscheinlich besser, auf Hausmittel gegen Erkältung, Hausmittel gegen Husten und Hausmittel gegen Halsschmerzen zu setzen, um die Symptome zu lindern. Eine gesunde Ernährung mit Vitamin C, Vitamin A, Ballaststoffen sowie Obst und Gemüse sind ebenfalls bessere Methoden, als Schnupfen und Husten durch eine erhöhte Zinkaufnahme zu bekämpfen.

Videotipp: Fünf wirksame Hausmittel und Naturheilmittel gegen Halsschmerzen

Frau hält sich den Hals
Text: Antje Kunstmann

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Antje Kunstmann
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