BRIGITTE Expertentalk: "Bis zu fünf Erkältungen im Jahr sind normal"

Für unseren BRIGITTE Expertentalk lassen wir unsere User*innen in der Community jeden Monat Fragen zu gesundheitlichen Themen stellen. Im Februar beantwortet unsere Expertin Frau Dr. Miriam Ortiz alle Fragen rund um lästige Erkältungen.

Wir feiern das Jahr 2019 als Gesundheitsjahr! Deshalb präsentieren wir dir jetzt jeden Monat ein neues gesundheitliches Schwerpunktthema und bieten in unserer Community einen Expertentalk an: Unsere User*innen stellen Fragen zu einem gesundheitlichen Themenkomplex und unser Experte beantwortet sie. Diesmal beantwortet Frau Dr. med. Miriam Ortiz, Ärztin für Allgemeinmedizin, Naturheilverfahren, Akupunktur, Psychotherapie und wissenschaftliche Mitarbeiterin der Charité in Berlin alle Fragen zum Thema Erkältungen.

Frau Dr. Ortiz, was sind die genauen Unterschiede zwischen einer Erkältung und einer Grippe?

Dr. med. Miriam Ortiz, Ärztin für Allgemeinmedizin, Naturheilverfahren, Akupunktur, Psychotherapie und wissenschaftliche Mitarbeiterin des Charité in Berlin 

Dr. Miriam Ortiz: Erkältungen werden von unterschiedlichen Viren ausgelöst. Hauptsächlich sind Viren aus der Familie der sogenannte Rhinoviren beteiligt. Erkältungen sind für ansonsten gesunde Menschen selten gefährlich und dauern meistens nicht länger als 14 Tage. Bis zu fünf Erkältungen im Jahr gelten als normal für Erwachsene. Eine Grippe wird durch Influenzaviren hervorgerufen und verläuft oft mit deutlich stärkeren und länger anhaltenden Symptomen (z. B. Fieber und Gliederschmerzen) als eine Erkältung. 

Angenommen ich habe noch keine Symptome, kleide mich wettergerecht, wasche oft die Hände (und vermeide es, andere Hände zu schütteln) und trage einen Mundschutz. Reicht das zum Schutz vor Erkältungen oder kann ich noch mehr tun?

Die Voraussetzung für einen guten Schutz vor Viren ist ein gutes Immunsystem. Dazu gehören intakte Schleimhäute im Bereich der oberen Atemwege und funktionsfähige Abwehrzellen im Blut. Weitere Maßnahmen zum Schutz vor Viren außer Händedesinfektion und Mundschutz ist das Meiden von großen Menschenansammlungen (z.B. in öffentlichen Verkehrsmitteln) und von bereits infizierten Personen.

Bringt es überhaupt etwas, bei einer Erkältung Medikamente zu nehmen? Oder ist es ohnehin so, wie man früher immer sagte: Eine Woche kommt sie, eine Woche bleibt sie und eine Woche geht sie?

Medikamente, die zur Behandlung einer Erkältung gegeben werden, sollen vor allem Symptome wie eine verstopfte Nase oder Kopf- und Gliederschmerzen lindern. Das kann man teilweise auch mit naturheilkundlichen Heilmitteln wie Heilpflanzen, Inhalationen oder Wickeln erreichen. Die Dauer der Erkältung wird dadurch oft nicht beeinflusst. Die Behandlung mit Medikamenten, die die Viren direkt bekämpfen, ist nicht üblich und in ihrer Wirksamkeit umstritten.

Was kann man abgesehen von Nasenspülungen gegen Dauerschnupfen tun?

Um gut behandeln zu können, muss man die Ursache der Erkrankung kennen. Häufig wird ein Dauerschnupfen nicht durch einen Virus ausgelöst, sondern durch eine Allergie (z.B. gegen Milben/Hausstaub). Dagegen gibt es verschiedenste Behandlungsmöglichkeiten, die aber ganz anders sind als bei einer Erkältung. Manchmal sind die Nasenschleimhäute durch einen Infekt, der sehr lange angehalten hat, aber auch in einem Dauerreizzustand. Da hilft dann auch das Spülen nicht weiter, stattdessen setzt man besser auf eine vorübergehende entzündungshemmende Therapie mit entsprechenden Nasensprays.

Apfel und Meerrettich als ultimative Hausmittel-Geheimwaffe in der Erkältungszeit

Wie lange ist man mit einer klassischen Erkältung ansteckend? Und ist man schon ansteckend, ehe man selbst merkt, dass man krank ist?

Man ist schon etwa zwölf Stunden nach der Infektion ansteckend. Bis die ersten Symptome auftreten, dauert es aber ein paar Tage ("Inkubationszeit"). Da die Erkältungsviren sich im Speichel und in Sekreten der Atemwege vermehren, ist die Ansteckungsdauer abhängig von der Dauer der Erkältungssymptome. Erst wenn diese vollständig abgeklungen sind, ist man nicht mehr ansteckend. 

Welche Rolle spielt es, ob man bei einer normalen Erkältung Fieber hat oder nicht?

Das Fieber ist eine Abwehrreaktion des Körpers, das dabei hilft, die Vermehrung der Viren einzudämmen. Manchmal beeinflusst das den Verlauf der Erkältung.

Ich habe schon oft gelesen, dass eine Hühnersuppe bei Erkältung wirklich helfen soll. Warum ist das so?

Hühnersuppe findet traditionell Anwendung in der chinesischen Ernährungslehre zur Stärkung und wird als Hausmittel bei Erkältung genutzt. Eine wissenschaftliche Untersuchung der Wirkung von Hühnersuppe auf Erkältung beim Menschen fand bisher nicht statt, daher sind der Mechanismus und die Wirkung von Hühnersuppe bei Erkältung unklar. Warum also Hühnersuppe bei Erkältung? Die Zufuhr von heißer Flüssigkeit bei Erkältung tut einfach gut, verflüssigt etwas den Nasenschleim und ist im Fall der Hühnersuppe, wenn sie gut gemacht ist, auch sehr lecker und nahrhaft. 

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