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Männergrippe Was ist dran am Mythos?

Männergrippe: Mann mit Decke und Tee
© Africa Studio / Shutterstock
Laut der sogenannten Männergrippe leiden Männer stärker an Erkältungen als Frauen. Wir erklären, was hinter dem Mythos wirklich steckt.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Männergrippe?

Eigentlich ist der Begriff Männergrippe etwas irreführend. Denn er beschreibt etwas ironisch die verbreitete Annahme, dass Männer häufiger und stärker unter Erkältungen und deren Symptomen leiden als Frauen. Das Stichwort ist hier der Begriff Erkältung. Denn: Mit einer richtigen Grippe ist tatsächlich nicht zu spaßen. Diese sorgt neben klassischen Symptomen wie Husten und Schnupfen unter anderem nämlich auch für Fieber von bis zu 40 Grad und für ein sehr starkes Krankheitsgefühl. Bis die Grippe auskuriert ist, können bis zu drei Wochen vergehen, während eine Erkältung meist schon nach einer Woche ausgestanden ist.

Vier Gründe, warum Männer oft mehr leiden als Frauen

Ganz von der Hand weisen kann man den Mythos Männergrippe aber nicht – Name hin oder her. Denn es gibt tatsächlich einige geschlechtsspezifische Faktoren, die für mehr Leid durch den lästigen Männerschnupfen sorgen.

1. Unterschiede beim Immunsystem

Das Immunsystem von Frauen und Männern funktioniert bei der Abwehr von Krankheitserregern unterschiedlich. Dringen Viren oder Bakterien in den Körper ein, agiert das Immunsystem über zwei verschiedene Systeme:

  • Unspezifisches Abwehrsystem: Darunter versteht man die angeborene Immunreaktion, die recht allgemein ausfällt und sich nicht gezielt gegen einen bestimmten Erreger richtet.
  • Spezifisches Abwehrsystem: Hier bildet der Körper spezielle Abwehrzellen gegen bestimmte Krankheitserreger. Die Abwehrzellen vermehren sich aber erst bei einer akuten Infektion und greifen die Viren und Bakterien dann an.

Dass die Immunreaktion bei Frauen und Männern oft unterschiedlich ausfällt, liegt an der Verteilung des Sexualhormons Östrogen. Dieses bei Frauen stärker vorhandene Hormon regt die Produktion der spezifischen Abwehrzellen an, weshalb das weibliche Immunsystem schneller und härter gegen Krankheitserreger vorgeht als das von Männern. Auch der bei Männern erhöhte Testosteronspiegel spielt eine Rolle bei der Männergrippe. Denn: Je mehr Testosteron, desto weniger Östrogen ist vorhanden und damit auch weniger Antikörper. Das macht Männer generell tatsächlich anfälliger für Infekte und sorgt auch dafür, dass es häufig länger dauert, bis die Erkrankung ausgestanden ist. Außerdem ist es beispielsweise auch ein Grund dafür, dass Männer nach einer Grippeimpfung weniger Antikörper entwickeln als Frauen.

2. Genetische Unterschiede

Auch die männlichen Gene sorgen dafür, dass die Immunabwehr bei Männern nicht immer ganz rund läuft. Frauen haben zwei X-Chromosomen, auf denen besonders viele Gene liegen, die die Abwehrprozesse im Körper regulieren. Männer haben stattdessen ein X- und ein Y-Chromosom und dementsprechend weniger abwehrfördernde Gene.

3. Frauen sind schmerzerprobt – aber auch schmerzempfindlicher

Immunreaktionen fallen bei Frauen laut Studienergebnissen in der Regel stärker aus als bei Männern, was sie generell eigentlich schmerzempfindlicher macht. Aber: Jeden Monat Beschwerden bei der Menstruation, schmerzhafte Geburten – Frauen müssen so oder so ganz schön viel aushalten. Gerade das härtet sie etwas ab, sodass sie ihren Beschwerden meist weniger Aufmerksamkeit schenken. Männer hingegen konzentrieren sich bei der Männergrippe schneller auf einzelne Symptome und leiden deshalb mehr.

4. Das Gesundheitsbewusstsein bei Frauen ist größer

Untersuchungen belegen: Frauen verhalten sich oft deutlich gesundheitsbewusster als Männer. So achten sie beispielsweise eher auf eine gesunde Ernährung und auf einen ausreichenden Impfschutz. Aber auch einfachen Tipps zum Schutz vor einer Infektion kommen Frauen häufiger nach – sie waschen sich beispielsweise dreimal so oft am Tag die Hände wie Männer.

Dein Partner hat die Männergrippe? Diese Tipps helfen!

Wenn dein Partner gerade den bösen Männerschnupfen hat, setzt du am besten auf ein paar Hausmittel. Dazu zählen beispielsweise:

  • Die klassische Hühnersuppe – sie enthält viel Eiweiß, was Entzündungsreaktionen im Körper vermindern kann.
  • Warmhalten, beispielsweise durch eine Wärmflasche im Rücken oder mit einer Kuscheldecke auf der Couch.
  • Auch Tee zu trinken ist immer eine gute Idee – Kamille beispielsweise wirkt entzündungshemmend, Thymian hilft gegen Husten.

Noch mehr Tipps bekommst du im Artikel Hausmittel gegen Erkältung.

Vorbeugende Maßnahmen gegen die Männergrippe

Zwar lassen sich nicht alle Faktoren, die die Männergrippe begünstigen, ausschalten, es gibt aber doch ein paar generelle Gesundheitstipps, mit denen auch Männer eher gesund bleiben:

  • Mehrmals täglich die Hände waschen – mindestens aber nach jedem Toilettengang.
  • Täglicher Verzehr von Obst und Gemüse.
  • Ausreichend lüften: Dreimal täglich etwa fünf bis zehn Minuten die Fenster ganz öffnen, sodass ein Durchzug entsteht.
  • Regelmäßige Bewegung, das heißt mindestens dreimal pro Woche für mindestens 30 Minuten, stärkt das Immunsystem. Es kann auch ein ausgedehnter Spaziergang oder eine Radtour sein.

Lesetipps: Hier erfährst du noch mehr über Hausmittel gegen Husten und Hausmittel gegen Schnupfen. Auch die Wim Hof Methode härtet ab!

Quellen

Herold, G. et al.: Innere Medizin, Eigenverlag, 2021

Mayer, J.G. et al.: Handbuch der Klosterheilkunde, Zabert Sandmann Verlag, 10. Auflage, 2006

Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE): Gemüse und Obst – Multitalente in Sachen Gesundheitsschutz

Brigitte

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