Das Zucker-Experiment: 60 Tage lang 40 Teelöffel Zucker

Joghurt, Müsli und Smoothies sind gesund – oder etwa nicht? Der Film "Voll verzuckert" hält uns schonungslos vor Augen, wo überall Zucker drin steckt und was dieser mit unserem Körper macht.

Was macht der Zucker mit unserem Körper?

40 Teelöffel Zucker am Tag? Das schafft doch keiner, glaubte ich noch zu Beginn des Dokumentarfilms "Voll verzuckert". Die Realität ist jedoch, dass diese Menge dem australischen Durchschnittswert an Zuckerverbrauch entspricht. Der tägliche Konsum schnellt allein schon durch vermeintlich "gesunde" Lebensmittel in die Höhe.

Wie viel Zucker wir wirklich aufnehmen und welche Auswirkungen das auf unseren Körper hat, zeigt Regisseur und Protagonist Damon Gameau anhand eines Selbstexperiments. 40 Teelöffel Zucker an insgesamt 60 Tagen – versteckt in fettreduzierten Lebensmitteln wie Joghurt, Frühstücksflocken oder Säften. Die Industrie ersetzt hier unerwünschtes Fett häufig durch Zucker.

Vor dem Experiment lebt der Australier zuckerfrei, seine Werte liegen noch unter dem des Durchschnitts. 76 Kilogramm Gewicht, 84 Zentimeter Bauchumfang, ein Blutdruck von 121 zu 79. Nach zwei Monaten Zuckerkonsum ändert sich das jedoch schlagartig. Das Ergebnis: 8,5 Kilo Gewichtszunahme, zehn Zentimeter mehr Bauchumfang, eine beginnende Fettleber und die Vorstufe von Insulinresistenz.

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Die bittere Seite der Zuckerindustrie

Neben diesem Selbstversuch geht der Film den Zuckerproblemen in Australien und Amerika auf den Grund. Damon Gameau besucht ein Aborigines-Dorf, in dem es aufgrund des enormen Zuckerkonsums zu etlichen Diabetes-Erkrankungen kam. Und das, obwohl die Bewohner noch vor einigen Jahrzehnten gänzlich ohne Zucker auskamen. Noch erschreckender ist ein Besuch in einer Kleinstadt in Kentucky, wo bereits Dreijährige in ihrem Fläschchen die stark koffeinhaltige Limonade Mountain Dew zu sich nehmen. Das Ergebnis: Dem 17-jährigen Larry wurden alle Zähne gezogen. Er trinkt trotzdem weiterhin Mountain Dew.

"Voll verzuckert" überspitzt, klagt an, polarisiert. Für meinen Geschmack übertreibt es der Film an mancher Stelle mit seinen knallbunten Animationen, die den Protagonisten in seinen zuckergeplagten Körper führen. Infotainment lautet das Schlüsselwort. Und auch mit manchen Aussagen wie "Wer das Leben nur so kennt, weiß nicht, was es heißt, wirklich zu leben" schießt der Australier ein wenig übers Ziel hinaus.

Dennoch muss man diesem Film eines lassen: So anschaulich wurde der übermäßige Zuckerkonsum in unserer Gesellschaft wohl selten in Szene gesetzt. Auch wenn die wissenschaftlichen Erkenntnisse eher dünn bleiben.

Was tun gegen die Zucker-Überdosis?

Dass 40 Teelöffel Zucker dem täglichen Durchschnittswert in Australien entsprechen, macht nachdenklich. Doch was kann man gegen den übermäßigen Zuckerkonsum tun? Zunächst ist es sinnvoll, seine Lebensmittel mal genauer unter die Lupe zu nehmen. Ich selbst war überrascht, worin überall das "weiße Gold" steckt.

Den Zuckerkonsum komplett auf null zu schrauben, ist leichter gesagt als getan. Das muss aber auch gar nicht sein: Wer gesund leben möchte, sollte laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) höchstens zehn Prozent seiner täglichen Kalorien in Form von Zucker aufnehmen. Oder gleich auf fünf Prozent reduzieren, also höchstens 25 Gramm. Diese Menge entspricht etwa sechs Teelöffeln am Tag.

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