Alles Bio, oder was?

Wer besser essen will, muss mehr wissen: 7 erstaunliche Fakten über Butter, Obst & Co. - damit Sie ökologisch essen und Ihren Speiseplan bereichern.

Biologisch: Biologisch erzeugte Lebensmittel bieten gleich eine ganze Reihe an Vorteilen. Sie kommen ohne chemische Düngemittel und Pestizide aus. Und das wiederum sorgt für sauberes Grundwasser. Tiere vom Bio-Bauernhof werden artgerecht gehalten und Bio-Landbau ist klimaschonender als der konventioneller: Er verursacht nur drei Viertel bis halb so viel klimaschädliche Treibhausgase.

Regional: Lebensmittel aus Ihrer Region haben in der Regel einen kürzeren Transportweg hinter sich. Das macht in der Klimabilanz eine Menge aus: Lebensmittel, die mit dem Flugzeug transportiert werden, schneiden am schlechtesten ab. Diese Flüge belasten das Klima etwa 80 Mal stärker als ein Transport per Schiff und bis zu 300 Mal mehr als bei einem regionalen Verkauf.

Saisonal: Obst und Gemüse der Saison kann draußen wachsen und muss nicht im Gewächshaus gezüchtet werden. Das ist für das Klima optimal, denn im beheizten Unterglasanbau wird bis zu 60 Mal mehr Energie als im Freilandbau verbraucht. Außerdem haben die Lebensmittel aus dem Gewächshaus oftmals einen längeren Transport-Weg hinter sich. Somit belasten sie das Klima doppelt. Im Saisonkalender können Sie nachsehen, wann welches Obst und Gemüse gerade frisch auf dem Markt ist.

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Ist Bio gesünder? Diese logische Schlussfolgerung liegt nahe, ist aber nicht wissenschaftlich bewiesen. Ob ein Lebensmittel gesund ist oder nicht, hängt beispielsweise auch von der Sorte ab. Ein Braeburn-Apfel enthält immer mehr Vitamin C als ein Golden Delicious, egal ob er vom Bio-Baum gepflückt wurde oder nicht. Zudem glauben viele Menschen, dass Sie sich mit "Bio" automatisch gut ernähren. Doch wer den ganzen Tag Bio-Schokolade isst und abends zum Bio-Fleisch ganz viel Bio-Wein trinkt, hat sich definitiv schlechter ernährt als jemand, der mit konventioneller Ware ausgewogen isst. Richtig ist aber, dass Obst und Gemüse aus biologischem Anbau deutlich weniger Rückstände an chemischen Pflanzenmitteln enthalten. Das bedeutet nicht, dass Sie von den Rückständen aus dem konventionellen Anbau krank werden. Aber es bleibt ein besseres Gefühl und das ist ja auch schon gesund.

Schmeckt Bio besser? Dafür gibt es ebenfalls keinen wissenschaftlichen Beweis. Bio-Obst und -Gemüse enthält jedoch häufig weniger Wasser und ist deshalb fester. Das bedeutet, dass die Geschmacksstoffe konzentrierter sind, als bei konventioneller Ware. Doch Geschmack ist immer individuell und hängt nicht unbedingt an der besseren Qualität. Einigen schmeckt anscheinend auch das gute Gewissen besser. Wissenschaftler untersuchten bei Probanden, ob ihnen Bio- oder konventionelle Kost besser schmecke. Das erstaunliche Ergebnis: Sobald die Menschen dachten, sie probierten Bio-Lebensmittel, verbesserte sich ihre Bewertung. Auch wenn das Produkt gar nicht Bio war.

Butter und Käse

Butter und Käse sind fies zum Klima. Das ist erstaunlich, aber leider wahr. Um beispielsweise ein Kilo Käse herzustellen, braucht man bis zu 10 Liter Milch. Kühe sind Wiederkäuer, die unablässig Methangas von sich geben. Dieses Gas schädigt die Atmosphäre 23 Mal stärker als Kohlendioxid. Damit schneidet Käse noch schlechter ab als Schweinefleisch.

Je fetthaltiger das Milchprodukt ist, desto schlechter fällt die Bilanz aus, weil mehr Milch benötigt wird. Okay, aber die wenigsten möchten gern ganz auf Milchprodukte verzichten. Unser Tipp: Tun Sie der Umwelt zwischendurch einen Gefallen und greifen Sie statt zu festen Käsesorten und Butter auch mal zu Quark und Frischkäse.

Eier

Hühner aus ökologischer Haltung haben Auslauf ins Freie, ständig Frischluft und viel Tageslicht. Zudem bekommen die Hühner ökologisch erzeugtes Futter.

Wie Hühner gehalten werden, ist als Code auf jedem Ei gedruckt. O steht für Ökologische Erzeugung, 1 für Freilandhaltung, 2 für Bodenhaltung und 3 für Käfighaltung.

Fisch

Fisch ist gesund - am besten essen Sie zweimal pro Woche Meerestiere. Und das können Sie auch mit gutem Gewissen. Achten Sie nur darauf, welche Fischarten Sie auswählen, denn einige sind durch Überfischung vom Aussterben bedroht.

Wenn Sie auf Nummer sicher gehen wollen, kaufen Sie nur Fisch mit dem blauen Siegel des "Marine Stewardship Council". Karpfen, Seelachs, Hering und Makrele können Sie beispielsweise bedenkenlos essen.

Wenn Sie einen Überblick über alle "erlaubten" Fischsorten bekommen wollen, klicken Sie bei Greenpeace oder dem WWF rein.

Fleisch

"Ökologisch" bedeutet nicht automatisch "vegetarisch". Aber trotzdem gilt bei Fleisch: Weniger ist mehr. Wenn Sie nur ein bis zwei Mal pro Woche Fleisch in guter Qualität essen, haben Sie dem Klima bereits sehr geholfen.

Viehzucht verursacht rund ein Fünftel der klimaschädlichen Treibhausgase weltweit. Schuld daran ist vor allem die große Menge Dünger, die bei der Viehzucht anfällt. Die Bilanz fällt dabei für Rindfleisch am dramatischsten aus, für Geflügelfleisch vergleichsweise am besten.

Bio-Fleisch schneidet zwar etwas besser ab als konventionelles, ist aber immer noch weit entfernt von der Bezeichnung "klimafreundlich". Allerdings können Sie hier sicher sein, dass die Tiere artgerecht gehalten wurden.

Gemüse

Der große Gewinner beim ökologischem Essen ist Gemüse. Vor allem unter dem Aspekt Klimaschutz: Um ein Kilo Rindfleisch herzustellen, wird 43 Mal so viel Treibhausgas freigesetzt wie bei der Erzeugung von einem Kilo Gemüse.

Obst

Obst ist lecker und aus der eigenen Region eine optimale Wahl. Aber was macht man im Winter? Es gibt zwar deutsche Äpfel aus dem Lager, aber je länger diese in klimatisierten Räumen liegen, desto mehr Energie haben sie verbraucht.

Bis Ende Januar sind deutsche Äpfel klimafreundlicher als solche aus Übersee. Danach können Übersee-Äpfel durchaus auf eine bessere Klimabilanz kommen - zumindest, wenn sie per Schiff transportiert wurden und nicht per Flugzeug.

Fragen Sie am besten nach, wie die Äpfel transportiert wurden. Die Verkäuferin im Supermarkt wird das nicht unbedingt wissen, im Bioladen oder auf dem Wochenmarkt kann man Ihnen die Frage aber sicher beantworten.

Wasser

Beim Wasser bekommt das Wort "regional" eine völlig neue Dimension. Denn die ökologischste Variante bekommen Sie direkt aus Ihrem Wasserhahn. Sie sparen die Energie für die Abfüllung und den Transport, der bei Wasser in Flaschen anfällt.

Leitungswasser können Sie bedenkenlos trinken - in Deutschland muss es der Trinkwasserverordnung entsprechen. Gehen Sie nur bei Säuglingen auf Nummer sicher und verwenden Sie abgepacktes oder abgekochtes Wasser.

Eine kleine Einschränkung gibt es bei Leitungswasser noch: wenn in Ihrem Haus alte Blei- oder Kupferrohre installiert sind, können diese die Wasserqualität beeinträchtigen. Fragen Sie einfach Ihren Vermieter danach. Der ist dazu verpflichtet, alte Rohre auszutauschen.

Text: Bianka Echtermeyer/Beate Koma Foto: iStockphoto

Wer hier schreibt:

Beate Koma
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