Ist Milch nun schädlich oder gesund?

An der Milch scheiden sich die Geister: Früher galt sie als unverzichtbar, heute wird sie vielfach verteufelt. Was ist dran an der Angst vor Kuhmilch? 7 Fragen an die Expertin.

Milch, das weiße Gift?

Lange Zeit galt Milch nicht nur als gesund, sondern als lebensnotwendig. Aus der Kindheit nicht wegzudenken, mit Keks oder gesüßt mit Kakao, bei Erkältung mit Honig getrunken. "Die Milch macht’s!" und "Milch macht müde Männer munter!", tönte es aus den Fernsehapparaten.

Doch in Zeiten, in denen Lebensmittelintoleranzen Hochkonjunktur haben, Veganismus en vogue ist und milchfreie Paleo-Rezepte zunehmend Anhänger finden, wird das weiße Lebensmittel zum Gefahrenstoff stilisiert: Sie sei für Kälber und nicht für Menschen geeignet, fördere Krebs und Herzkreislauf-Erkrankungen. Und der darin enthaltene Milchzucker Laktose sei für den menschlichen Verdauungsapparat schlicht unverträglich.

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Was ist dran? 7 Fragen an Diplom-Ökotrophologin Antje Gahl von der "Deutschen Gesellschaft für Ernährung" (DGE)

BRIGITTE.de: Ist Milch gesund oder ungesund?

Antje Gahl: Milch ist eine erstklassige Kalziumquelle. Deshalb befürworten wir ihren Verzehr in jedem Alter für den Aufbau und Erhalt stabiler Knochen. Für die optimale Kalziumzufuhr empfehlen wir täglich 200 bis 250 Gramm fettarme Milch oder Milchprodukte.

Was ist denn noch so an Gesundem drin?

Fettlösliche Vitamine wie D, E und K, vor allem aber Vitamin A und B-Vitamine. Außerdem Mineralstoffe wie Zink, Phosphor und Jod. Und natürlich Proteine.

Immer mehr Leute greifen zu laktosefreier Milch oder gleich zu Alternativen wie Reis-, Soja-, oder Mandelmilch. Gibt es wirklich mehr Menschen, die Milchzucker nicht verdauen können?

15 bis 20 Prozent der Deutschen sind von einer Laktoseintoleranz betroffen, daran hat sich in den letzten Jahren nicht viel geändert.

Woher kommt dann der Trend zur laktosefreien Milch? Alles ein Trick der Industrie, die ihre teuren laktosefreien Produkte verkaufen will?

Das wüssten wir auch gern! Klar ist: Das Bewusstsein für Lebensmittelunverträglichkeiten ist gewachsen. Außerdem gibt es inzwischen einfache Diagnoseverfahren wie den Wasserstoff-Atemtest. Vielleicht liegt es auch ein bisschen an unserer Kaffeekultur. In so einem Milchkaffee ist ja ein ganzes Glas Milch drin! Da kann es schon ein, dass mehr Menschen merken: Das vertrage ich gar nicht so gut. Außerdem sind laktosefreie Produkte heutzutage überall leicht verfügbar.

Ist laktosefreie Milch genauso wertvoll wie herkömmliche Milch?

Ja. Der Milch wird nur ein Enzym zugeführt, das die Laktose aufspaltet.

Milchgegner machen Kuhmilch sogar für Krebs, Herz-Kreislauferkrankungen und Schlaganfälle verantwortlich. Ist da was dran?

Nein. Man hat sogar festgestellt, dass Milch und Milchprodukte das Risiko, an Dickdarmkrebs zu erkranken, leicht verringern. Man vermutet lediglich, dass ein sehr hoher Milchkonsum bei Männern das Risiko für Prostatakrebs erhöhen kann. Das gilt aber nur bei einem Verzehr von mehr als einem Liter pro Tag.

Wenn ich keine Milch mag – wie komme ich trotzdem an mein Kalzium?

Kalzium steckt auch in grünem Gemüse wie Brokkoli oder Spinat, in Hülsenfrüchten, Samen und Nüssen. 20 Gramm Haselnüsse enthalten zum Beispiel 30 Milligramm Kalzium. Und man kann zusätzlich kalziumreiches Mineralwasser trinken.

sar
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