"Faul", "lustig", "unästhetisch": Wie Dicke bei uns ausgegrenzt werden

Fettleibige Menschen werden in Deutschland häufig stigmatisiert und ausgegrenzt. Das zeigt der „XXL-Report“ der DAK. 

Fettleibige Menschen haben in Deutschland mit Ausgrenzung und Stigmatisierung zu kämpfen. Fast drei Viertel der Bevölkerung finden stark Übergewichtige unästhetisch, jeder achte vermeidet sogar bewusst den Kontakt zu Betroffenen. Das zeigt die Studie „XXL-Report: Meinungen und Einschätzungen zu Übergewicht und Fettleibigkeit“ der DAK.

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Nach der repräsentativen Forsa-Umfrage im Auftrag der Krankenkasse glaubt die Mehrheit der Befragten auch, dass Fettleibige selbst schuld an ihrem Gewicht und nur zu faul zum Abnehmen seien. 

Übergewichtige gelten als "lustig"

Zwar wird leichtes Übergewicht in unserer Gesellschaft meist noch akzeptiert und zum Teil sogar positiv bewertet. Ganz anders sieht es bei Fettleibigkeit aus: 71 Prozent der Deutschen finden fettleibige Menschen unästhetisch. Von dicken Menschen sagen das „nur“ 38 Prozent. Übergewichtige gelten oft auch als lustig (35 Prozent). Findet noch fast jeder Zweite (43 Prozent) dicke Menschen "gesellig", trifft das auf Adipöse nur mit 13 Prozent zu. Und: Jeder Achte (15 Prozent) vermeidet sogar bewusst den Kontakt zu ihnen.

„Adipöse Menschen haben in unserer Gesellschaft ein schweres Los. Sie kämpfen gegen Pfunde und Vorurteile“, sagte DAK-Vorstand Thomas Bodmer.

Selber schuld!?

Deutlich werden Vorurteile auch, wenn es um mögliche Gründe für das starke Übergewicht geht. Fast jeder Zweite (47 Prozent) meint, dass Bewegungsmangel und vieles Sitzen schuld daran seien. 33 Prozent gaben falsche oder ungesunde Ernährung an. Auch Fast Food (31 Prozent), Fertigprodukte (23 Prozent) sowie Zeitmangel und Bequemlichkeit (20 Prozent) gelten bei vielen als Auslöser von Adipositas. Gesundheitliche Gründe wie Stoffwechselstörungen oder genetische Disposition scheinen in der Öffentlichkeit keine Rolle zu spielen. 

Ausgrenzung kann das Problem verstärken 

Claudia Luck-Sikorski, Professorin für Psychische Gesundheit und Psychotherapie an der Hochschule für Gesundheit in Gera, unterstützt die DAK-Studie und unterstreicht: „Ausgrenzung und Stigmatisierung verschlimmern die Lage der Betroffenen. Sie können wie ein chronischer Stressor wirken, der krank machen kann.“

Tipp: Die Fotoausstellung „schwere(s)los“ auf Tour

Die Ergebnisse der Studie sind auch Grundlage für die Kampagne „schwere(s)los“ mit Fotoausstellung. Sie soll bundesweit über Adipositas aufklären und Vorurteile entkräften. Die Wanderausstellung wirft auf die Betroffenen ein neues Licht: als schwerelos Schwimmende  oder im eigenen Körper Gefangene, die nicht aus ihrer Haut können. Weitere Infos zur Aktion unter www.aktion-schwereslos.de.

Hintergrund: In Deutschland ist jeder vierte Erwachsene zwischen 18 und 79 Jahren adipös. Das sind 16 Millionen Menschen. Frauen und Männer sind gleichermaßen betroffen. Der Anteil der Patienten mit extremer Adipositas (BMI über 40) hat sich im Zeitraum 1999 bis 2013 mehr als verdoppelt. 

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