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Die Zukunft unserer Ernährung

Die Zukunft unserer Ernährung
BSE, Gammelfleisch und jetzt der Dioxinskandal - sieht so die Zukunft unserer Ernährung aus? Oder schaffen wir eine Wende zum Besseren? Die Trendforscher sind optimistisch.

 

Präsidentengattin Michelle Obama beim Gärtnern
Präsidentengattin Michelle Obama beim Gärtnern

Die Kameras waren auf sie gerichtet: Kurz nach der Amtseinführung ihres Ehemanns, US-Präsident Barack Obama, trat dessen Frau Michelle Obama in Gummistiefeln und mit Spaten in der Hand vor die Presse. Die stets schick gekleidete Präsidentengattin hatte einen guten Grund für ihr praktisches Schuhwerk: Sie legte hinter dem Weißen Haus einen Gemüsegarten an - vielleicht ein Symbol für eine Trendwende in der Ernährung, im Fastfood-Land Amerika genauso wie bei uns.

Und tatsächlich: Es gibt Grund zu Optimismus, das zeigen viele Beispiele aus dem Buch "Food Change. 7 Leitideen für eine neue Esskultur" von Trendforscherin Hanni Rützler und Publizist Wolfgang Reiter. Auch wenn im Moment in unserer Ernährung einiges schief läuft (siehe "So essen wir wirklich!") - der Blick in die Zukunft ist positiv. So prognostizieren die Autoren, dass umwelt-, sozial- und gesundheitsverträgliche Produkte künftig mehr gefragt sein werden.

Retro-Trend in der Werbung zeigt, wonach wir uns sehnen

Es gibt eine klare Bewegung zurück zu lokaler und damit umweltfreundlicherer Ernährung, zurück zum Ursprünglichen. Wonach wir uns sehnen zeigt die Werbung: Dort gibt es einen klaren Retro-Trend, mit karierten Stoffen auf dem Marmeladenglas oder Etiketten, die wie von Hand beschriftet aussehen. Gefragt sind echter Geschmack statt Zusatzstoffe, Qualität statt Massenware. Kein Wunder, dass sich Existenzgründer heute gerne mit dem Wort "Manufaktur" schmücken, das für überwiegend handgefertigte Produkte steht und mit dem wir Qualität und Regionalität verbinden.

hat auch bei uns viele Nachahmer gefunden: in Großstädten ist es hipp, zu gärtnern, die Absatzzahlen für Gemüse- und Salatsamen steigen und für Garten-Anfänger gibt es Initiativen wie www.meine-ernte.de, bei denen sie von Profis unterstützt werden. Supermärkte setzen verstärkt auf regionale Marken wie "Unser Norden" oder "Unsere Heimat - echt & gut". In den USA boomen "Local Food Restaurants", die vor allem auf Produzenten vor Ort setzen, ein Trend, auf den auch bei uns erste Spitzenköche wie Frank Buchholz setzen.

Wir haben keine Lust mehr, ständig zwischendurch, nebenher und unterwegs zu essen, wie wir es noch viel zu häufig tun. Kochen ist vor allem bei jüngeren Menschen wieder in. Das Internet ist voll mit privaten Koch-Blogs und -Seiten und bei den Smartphone-Apps gehören Jamie Oliver & Co. zu den Rennern.

Auch das Zeitalter des Fleisches ist vorbei. Die Köche der Spitzengastronomie setzen immer häufiger ausschließlich auf Gemüse. Ein Trend, der von den gehobenen Restaurants ausgehend auch die privaten Haushalte erreichen wird. Vor allem Menschen mit überdurchschnittlicher Bildung sind Vegetarier. Fast jeder fünfte Studierende in den USA lebt vegetarisch - und damit die Elite von morgen.

Wir wollen Genuss und Gesundheit

Zunehmend gefragt sind Lebensmittel, die Genuss und Gesundheit verbinden, wie Smoothies oder alkoholfreies Bier. Nährstoffreiche und qualitativ hochwertige Lebensmittel werden aus Zeitgründen auch fertig gekauft. So wie bei der New Yorker Bio-Produktlinie Kidfresh, die zusammen mit Designern, Kinderärzten und Ernährungswissenschaftlern entwickelt wurde und die Müsli, Salate oder Sandwiches in Bärenform anbietet. Convenient (bequem) darf es gerne sein, aber nicht in Form von Fertigprodukten mit langen Zusatzstoff-Listen.

Wir können uns also freuen auf die Ernährung der Zukunft: Unser Essen wird hochwertiger, natürlicher und im positiven Sinn ursprünglicher. Wie Sie jetzt schon besser essen können, lesen Sie hier:

 

Buchtipps zum Thema

Die Zukunft unserer Ernährung
  • Tanja Busse: Die Ernährungsdiktatur. Warum wir nicht länger essen dürfen, was uns die Industrie auftischt (16,95 Euro, 2010)
  • Was ist falsch daran, wie wir essen? Sollte Sie das jemand fragen, dann drücken Sie ihm dieses Buch in die Hand. Tanja Busse hat die wichtigsten Fakten zusammengetragen und anschaulich beschrieben - zur Ernährung der Welt genauso wie zur Industrialisierung der Landwirtschaft bei uns. Wer danach nicht anders isst, dem ist nicht mehr zu helfen.
Die Zukunft unserer Ernährung

Karen Duve: Anständig essen: Ein Selbstversuch (19,95 Euro, 2010) Roman-Autorin und Fertiggerichte-Fan Karen Duve versucht sich als Vegetarierin, Veganerin und Frutarierin. Das ist nicht nur richtig witzig, sondern auch sehr informativ. Die Bio-Hühnerfarm, in die sie nachts eindringt, hätte man sich jedenfalls idyllischer vorgestellt.

Die Zukunft unserer Ernährung

Michael Pollan: Lebensmittel. Eine Verteidigung gegen die industrielle Nahrung und den Diätenwahn (7,95 Euro, 2009) Seine Ernährungstipps sind die einfachsten und die besten. Wer genug von Chemie in Lebensmitteln und angeblich gesunden Produkten hat und zurück zu den Ursprüngen will, erfährt vom US-Journalisten Michael Pollan, wie es geht.

Die Zukunft unserer Ernährung

Hanni Rützler und Wolfgang Reiter: Food Change. 7 Leitideen für eine neue Esskultur (19,95 Euro, 2010) Wie werden wir in Zukunft essen? Besser statt mehr, natürlich gesund... Die Autoren zeigen in ihren Trendprognosen, wohin die kulinarische Reise geht, unterfüttert mit ausführlichen Belegen. Sie zeigen, was die neue Esskultur bedeutet, für Verbraucher wie für Hersteller und Händler.

Text: Monika Herbst Fotos: Actionpress, Corbis

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