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Eier von glücklichen Hühnern - woran erkenne ich sie?

Eier von glücklichen Hühnern - woran erkenne ich sie?: Korb mit Eiern
© rawpixel.com / Shutterstock
Auf Eier-Verpackungen sehen wir Hühner, die auf grünen Wiesen rumpicken. Passiert in Wahrheit leider fast nie. Aber es gibt Eier von glücklichen Tieren und es lohnt sich, danach zu suchen.

Ab und zu ein gekochtes Frühstücksei, ein Omelett mit Pilzen oder knusprige Pfannkuchen – es gibt viele leckere Gerichte, in denen Eier vorkommen. Rund zwölf Milliarden werden in Deutschland pro Jahr produziert. Was auch daran liegt, dass Eier heute gesundheitlich als weitgehend unbedenklich gelten, während man früher dachte, Eier würden das böse Cholesterin erhöhen. Für eine sehr lange Zeit, als Hühner noch auf Höfen im Freien herumliefen, bevor sie geschlachtet wurden, machte sich kaum jemand Gedanken über das Federvieh und den Genuss von Eiern.

Hühner als Industrieprodukt

In Zeiten der Massentierhaltung ist das Thema kompliziert geworden. Wir kennen alle die Bilder von Legehennen, die in zu großen Herden, auf zu engem Raum gehalten werden. Dazu stehen auf unserer Abwägungsskala heute die rund 42 Millionen männlichen Küken, die pro Jahr getötet werden - eine ethisch unhaltbare Praxis, die das Bundesverwaltungsgericht auch noch verlängert hat. Kurzum: Aus den Hühnern vom Bauernhof ist ein Industrieprodukt geworden - auch wenn uns die idyllischen Bildern auf den Verpackungen noch etwas anderes einreden wollen. Stefanie Pöpken vom Verein Provieh: "Das Leben von Nutztieren hat einen geringen Stellenwert. Es wird dem Haltungssystem untergeordnet."

Wir verdrängen das gerne beim Einkaufen, aber Tatsache ist: Die großen Mengen Eier, die ein Supermarkt oder Discounter so günstig verkauft, können nur in Großbetrieben produziert werden. Dabei wünschen wir uns doch eigentlich eine andere, eine tierfreundlichere Landwirtschaft. Und Eier, die wir mit gutem Gewissen essen können. Die gute Nachricht: Es gibt sie noch. Aber: Wir müssen ein bisschen suchen. 

Vorweg: Die Ökobilanz

Etwa ein Fünftel der weltweiten Treibhausgas-Emissionen geht auf die Landwirtschaft zurück, dazu zwei Drittel des Wasserverbrauchs und rund 40 Prozent der Landnutzung. Eine aktuelle Untersuchung des landwirtschaftlichen Forschungsinstituts Agroscope in der Schweiz hat die Umwelteinwirkungen einzelner Produkte wie Käse, Rindfleisch, Eier, Kartoffeln oder Äpfel miteinander verglichen. Das wenig überraschend Ergebnis: Tierische Produkte haben einen deutlich negativeren Einfluss auf die Umwelt als pflanzliche.

"Eier, Milchprodukte, Huhn- oder Schweinefleisch belasten die Umwelt drei- bis sechsmal so stark wie pflanzlichen Lebensmittel mit dem gleichen Ernährungswert, Rindfleisch bis zu zehnmal", bestätigt Dr. Guido Reinhardt vom Institut für Energie- und Umweltforschung in Heidelberg. Sein Institut hat auch die Ökobilanz von Eiern berechnet. Das Ergebnis ist frustrierend, denn das Futter, das die Hühner bekommen, schadet der Umwelt enorm. Wenn nämlich das Futter Sojaschrot enthält, werden dafür in Anbauländern wie Brasilien Regenwälder abgeholzt, Artenvielfalt geht verloren, Bodenfruchtbarkeit wird zerstört und Kohlendioxid freigesetzt.

Reinhardt kommt deshalb zu dem Fazit: "Wir empfehlen als Eiweißquellen statt tierischer Produkte pflanzliche Alternativen wie Linsen, Tofu oder Lupinen." Aber natürlich möchte ab sofort nicht jeder vegan leben. Wozu also greifen?

Adieu Bodenhaltung!

Auf deutschen Tellern landen laut Statistischem Bundesamt immer noch zu 63 Prozent Eier, die aus Bodenhaltung stammen. Was nett klingt, bedeutet in Wahrheit: Die Legehennen haben nicht mal Auslauf. Hin also zum Bio-Ei, das grundsätzlich immer die bessere Wahl ist. "Deren Umweltbilanz fällt günstiger aus", sagt Reinhardt. Das liegt vor allem daran, dass die Tiere statt mit Sojaschrot aus Übersee mit Eiweiß aus heimischem Raps oder Lupinen gefüttert werden. Bei Bio-Haltung haben die Legehennen außerdem mehr Platz: Im Stall teilen sich sechs Tiere einen Quadratmeter, dazu kommen vier Quadratmeter Auslauf pro Huhn.

Aber reicht Bio?

Wer bio kauft, fördert die artgerechte Haltung. Aber: Die Küken stammen bis auf wenige Ausnahmen aus Brütereien, in denen die männlichen Tiere vergast werden. Der Grund: Sie können keine Eier legen, setzen aber auch kaum Fleisch an, sodass es sich finanziell nicht lohnt, sie zu mästen. Eine Maßnahme dagegen ist das Bruderhahn-Projekt, bei dem auch die männlichen Küken aufgezogen werden, bevor man sie schlachtet und ihr Fleisch in den Verkauf kommt. Das dauert je nach Betrieb zwischen vierzehn und 20 Wochen Aufzucht. Finanziert wird das Ganze über einen höheren Eierpreis. Viele Bio- und Supermärkte bieten die Bruderhahn-Eier inzwischen an. 

Langfristig arbeiten Öko-Betriebe auch daran, Zweinutzungshühner einzusetzen. Diese legen nicht nur Eier, sondern produzieren auch Fleisch – beides freilich in geringeren Mengen als die ausschließlichen Lege - oder Masthühner der gängigen Hochleistungsrassen. "Zweinutzungs-Hühner bedeuten mehr Tierwohl und ein Ende des Kükentötens", sagt Inga Günther, Geschäftsführerin der gemeinnützigen Gesellschaft Ökologische Tierzucht. Im Umkehrschluss bedeutet das aber auch: "Wer Eier essen will, müsste auch Fleisch essen, sonst funktioniert das System für die Landwirte nicht", so Günther. Die Expertin rechnet vor, dass eine Zweinutzungs-Henne vielleicht 230 Eier pro Jahr legt (bei Hochleistungsrassen sind es ca. 300). Deshalb wäre es wichtig, auch mal ein Suppenhuhn zu kaufen.

Der Trend zum eigenen Huhn

Wer einen Garten hat, kann Hühnern auch ein eigenes Zuhause geben – und das liegt gerade im Trend. Katrin Juliane Schiffer, Autorin des Buches "Hühner halten" (Franckh Kosmos), hält etwa die Bjurholmshöns, eine alte Rasse. Sie brüten zuverlässig und kümmern sich rührend um ihren Nachwuchs. Diese tollen Brut- und Muttereigenschaften wurden sonst meist zugunsten der Legeleistung weggezüchtet. 

Eigene Hühner zu halten, ist gar nicht aufwendig. Man muss nur die Tiere täglich füttern und die frischen Eier einsammeln. Eine Henne braucht etwa 15 Quadratmeter Lebensraum. Ideal sind Landrassen wie Bergische Schlotterkämme, Vorwerkhühner, Australorps, Deutsche Lachshühner – sie legen etwa 160 bis 200 Eier pro Jahr.

Hier geht es zu den guten Eiern

Wo kaufe ich sie am besten?

Eigene Hühner halten

  • Hühner kaufen, für die keine Küken getötet wurden: z.B. über die Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen (g-e-h.de) oder den Bund Deutscher Rassegeflügelzüchter (bdrg.de).
  • Die Tierschutzorganisation Rettet das Huhn e.V. vermittelt Legehennen aus Massentierhaltung (rettet-das-huhn.de).
  • Rent a Huhn: Hühner für eine oder mehrere Wochen gegen Gebühr leihen, mitsamt Stall, Steckzaun und Futter: z.B. hühnerhof-lüft.de/rent-a-huhn.html oder mieteeinhuhn.de

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