Eine Woche Essen ohne tierische Produkte

Seit 16 Jahren isst unsere Autorin Veronika kein Fleisch. Aber ganz auf tierische Produkte verzichten? Sie hat es ausprobiert und sich eine Woche lang vegan ernährt.

"Na dann kannst du ja gleich in eine Hütte im Wald ziehen und Beeren und Wurzeln essen!" Das sagte mein Großvater, als ich ihm erzählte, dass ich eine Woche auf tierische Produkte verzichten will. Dann zitierte er viel, was ihm recht geben sollte: Ärzte, Ernährungswissenschaftler, Statistiken. Vegan essen, so klang das, sei wenig besser als das Höllenfeuer.

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Der Tex Mex Burger mit roter Salsa und Guacamole schmeckt großartig

Trotzdem: Ich wollte es ausprobieren. Mein ganz persönlicher Grund war ein Beitrag in der ARD über Milchkühe. Natürlich wusste ich schon vorher, dass selbst das Prädikat "Bio" keine artgerechte Haltung garantiert. Aber in welchem Maße Kühe gedopte Hochleistungs-Milchmaschinen sind, war mir nicht bewusst. Eine Wald-und-Wiesen-Kuh beispielsweise gibt etwa acht Liter Milch am Tag für ihr Kälbchen, eine Hochleistungskuh soll laut Beitrag bis zu 50 Liter am Tag produzieren. Für mich ein guter Grund, zumindest sehr viel bewusster mit tierischen Produkten umzugehen. Ich ernähre mich zwar seit 16 Jahren vegetarisch. Aber so richtig klar war mir nicht, wie ich ein Leben mit weniger Eiern, Milch und Honig angehen sollte. Deshalb entschied ich mich, eine Woche vegan zu essen, um herauszufinden, in wievielen Produkten meines täglichen Bedarfs tatsächlich tierische Produkte enthalten waren. Ich war gespannt, wie schwer mir eine Umstellung fallen würde.

Der erste Tag begann ganz prima: Im Coffeeshop gab's meinen Café Latte auch mit Soja-Milch, und dazu leckere Bio-Brötchen, deren Zutaten dem Verkäufer tatsächlich bekannt waren. Und auch mein mittäglicher Salat schmeckte ohne Ei und French-Dressing mindestens genauso gut wie mit. Am Abend ging ich einkaufen: Vegane Brotaufstriche, Soja-Joghurt, Räuchertofu, ganz viel Gemüse und noch mehr Obst wanderten in meinen Einkaufswagen.

Soweit, so einfach. Doch welche Margarine durfte ich jetzt noch essen? Was sind eigentlich "Spuren von Ei" und auf welche Fachwörter musste ich achten? Ich war überfordert und entschied, den Brotaufstrich ohne Margarine zu essen und keine Produkte zu kaufen, in denen entweder Spuren tierischer Produkte sein könnten oder deren Inhaltsstoffe sich wie eine Packungsbeilage lasen. Für den Moment eine gute Idee - doch, sollte ich mich weiterhin vegan ernähren wollen, würde ich nicht umhin kommen, mich mit diesen Fragen zu beschäftigen.

Nach dem Einkaufen wagte ich mich an die Kochtöpfe. Das erste Gericht, das ich ausprobierte - Glasnudeln mit Chinakohl-Gemüse und Räuchertofu-Spießen - schmeckte ausgezeichnet. Und auch der Tex Mex Burger (Tag 2) und die Curry-Gemüsesuppe (Tag 3) waren super - und ich hatte alle Zutaten ganz bequem im Supermarkt gefunden. So verbrachte ich drei leckere vegane Tage, in denen ich nicht das Gefühl hatte, auf etwas verzichten oder mich besonders anstrengen zu müssen. Allein meine Geschirrspülmaschine musste sich erst einmal an die allabendlichen Koch-Aktionen gewöhnen.

Süßes muss sein: Die veganen "Spicy Chewy Gingersnaps" schmecken mindestens genauso gut wie das Original

Alles lief gut. Bis zum Nachmittag des vierten Tages. Denn plötzlich war sie da, die Herausforderung, vor der ich mich gefürchtet hatte: Sie war klein und rund, kam an einem Stiel daher und duftete herrlich süß: Cake Pops mit Vollmilchschokoladen-Glasur! Ich! Liebe! Schokolade! Und Kuchen. Und Desserts. Und Eis. Und Cake Pops. Eben einfach alles, das aus Butter, Zucker, Sahne und Schokolade gemacht ist - und das ab sofort tabu war. Jetzt hatte ich nur noch Hunger. Und schlechte Laune. Ich brauchte was zu Naschen.

Am Abend hetzte ich in den Supermarkt. Dunkle Schokolade wird doch wohl ohne Milch auskommen? Tatsächlich stand ich eine halbe Stunde vor dem Süßwaren-Regal, nur um dann enttäuscht festzustellen, dass es keine einzige Schokolade gab, die nicht wenigstens Spuren von tierischen Produkten enthielt. Enttäuscht ging ich zum Bäcker, um mir ein Vollkornbrötchen zu kaufen. Als ich die Verkäuferin fragte, ob das Brötchen Ei oder Milch enthielte, schlug sie kurzerhand einen Katalog auf und sagte, es sei mit Butter gebacken. Auf meine Frage, ob sie denn in ihrem Sortiment gar nichts ohne tierische Produkte hätte, antwortete sie - eigentlich schrie sie es eher: "Wir haben hier nichts Veganes!"

Ich ging nach Hause und später hungrig ins Bett. Doch so schnell wollte ich mich nicht geschlagen geben. Zum Glück war bald Wochenende, und am Samstag fuhr ich zu allererst in ein Reformhaus, um mir - neben noch mehr veganen Brotaufstrichen und Soja-Joghurt - vegane Margarine, Ei-Ersatz und (endlich!) ganz viel Schokolade zu kaufen. Am Nachmittag backte ich drei Bleche meiner Lieblingskekse (Cynthia Barcomis "Spicy Chewy Gingersnaps"). Und stellte fest: Sie schmeckten mindestens genauso gut wie das Original. Meine Laune besserte sich schlagartig.

Nach sieben Tagen zog ich Bilanz: Ich fühlte mich super! Und bildete mir sogar ein, dass meine Haut besser war und ich gesünder aussah. Und nun? Ende des Experiments? Nein! Ich beschloss, aus sieben 28 Tage zu machen. Und mich noch besser über vegane Lebensmittel zu informieren - ganz egal, was mein Großvater dazu sagen würde.

Sehr wahrscheinlich werde ich nach Ablauf der vier Wochen ab und zu wieder mal ein Stück guten Käse essen und beim Bauern im Alten Land Eier kaufen. Aber zumindest mache ich es dann bewusst - und wenn ich möchte, kann ich mir den Hühnerstall angucken. Und mein nächstes Projekt habe ich auch schon gefunden: Ich werde meine Kosmetika peu à peu gegen Naturkosmetikprodukte austauschen. Aber das ist ein anderes Kapitel...

Vegane Ernährung für Einsteiger

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Fotos: vz, Susanne Lange

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