Vegane Kochbücher: Von Hausmannskost bis zu wirklich neuer Küche

Vegan essen kann extrem köstlich sein. Das wissen wir, seit es Attila Hildmann gibt. Jetzt kommen die Frauen! Drei tolle vegane Kochbücher, die BRIGITTE-Redakteurin Susanne Gerlach und BRIGITTE.de-Redakteurin Monika Herbst überzeugt haben.

Nicole Just: vegane Hausmannskost

Nicole Just liebte einst blutige Steaks

Immer mehr vegane Kochbücher kommen auf den Markt. Besonders gut gefällt uns das von Nicole Just: "La Veganista". Die 30-jährige ist die weibliche Antwort auf den veganen Kultkoch Attila Hildmann. Und ihre Geschichte ist mindestens so abenteuerlich: Der Opa ist Metzger und sie liebt blutige Steaks. Bis sie 2009 den Veganismus entdeckt. Seither entwickelt sie Rezepte, leitet Kochkurse und führt mit einer Freundin den veganen Supper Club Mund Art Berlin (man isst gemeinsam an einer großen Tafel, lernt Leute kennen, inspiriert und vernetzt sich). Und sie wird nicht müde, für die vegane Sache zu trommeln. Weniger mit Worten, als mit Taten: "Ich stecke meinen Kollegen, Freunden und allen, die nicht schnell genug weglaufen können, ein Stück veganen Käsekuchen in den Mund." Das scheint zu überzeugen.

Kann auch uns der "Käsekuchen" überzeugen?

Sieht doch aus wie echt! Veganer Käsekuchen

Als Nicoles Käsekuchen aus dem Ofen kommt, die erste Überraschung: sieht super aus, wie in echt. Beim Anschneiden die nächste: sieht immer noch super aus, wie in echt. Der erste Happs wandert in den Mund ... schmeckt super - wenn auch nicht nach Quark. Der Boden schön knusprig, die Tofu-Füllung saftig und weich. Und mit den Früchten auf dem Tortenboden – ganz besonders lecker. Test bestanden. Einziger Kritikpunkt: Jedes Tortenstück hat stolze 500 Kilokalorien!

Sie möchten selbst mal probieren? Hier geht es zum Rezept Käsekuchen mit Obst.

Wie schmecken wohl die Pizzaknödel?

Pizzaknödel - mit Speckgeschmack

Nächste Kostprobe: Pizzaknödel mit Fenchel-Tomaten-Sauce. Sie finden unseren ungeteilten Beifall. Die Knödel sind herrlich würzig dank mediterraner Kräuter und Hefeflocken. Und schmecken sogar nach Speck. Das liegt am Räuchertofu, "der Speck der Veganista" wie Nicole Just schreibt. Dazu die Fenchel-Tomatensauce mit Pflanzensahne, herrlich sämig-sahnig. Zum Rezept Pizzaknödel.

Fazit: Auch Nicht-Veganer dürften richtig Spaß haben, in diesem Kochbuch zu stöbern und das eine oder andere auszuprobieren.

Was Sie in dem Kochbuch erwartet

Nicole Just interpretiert traditionelle Rezepte ihrer Familie und Klassiker aus der Fleischküche vegan. Das Angebot ist sehr breit aufgestellt, und man findet Soljanka, Gulasch und Schmalzbrot genauso wie Pizza, Burger, Pastagerichte, Kuchen und Desserts. Und weil das Einkaufen nicht immer so ganz einfach ist - wo, bitte gibt's Kudzu, Kala Namak oder vegane Margarine? - werden diese Zutaten ausführlich erklärt und Hinweise gegeben, wo man sie bekommt.

Das Buch gibt es auch als E-Book fürs iPad (16,99 Euro). Mit Videos und Step-by-step-Fotos. Das ist nicht nur hilfreich sondern auch sympathisch. Nicole Just hantiert in ihrer Küche, und das sieht nett privat aus und senkt die Hemmschwelle: Auch Menschen mit Küchen wie du und ich schaffen das.

"La Veganista" (Gräfe und Unzer Verlag, 16,99 Euro); seit 5. August 2013 im Buchhandel: "Vegan Backen" von Nicole Just.

Wer Nicole Just live erleben möchte: In der "Kochschule Berlin" finden vegane Kochkurse statt. Infos und Anmeldung unter www.kochschule-berlin.de.

Mehr über Nicole Just in ihrem Blog vegan sein

Josita Hartanto: die neue Küche

Die Berliner haben es gut: Sie können einfach mal in Josita Hartantos Restaurant Lucky Leek in Prenzlauer Berg essen gehen. Auf der wöchentlich wechselnden Karte lebt Chefin Josita, 31, ihre Kreativität aus. Die Basis: hunderte loser Zettel, auf die sie ihre Rezepte geschrieben hatte. Als Verlegerin Kristina Ungerweger mit Freunden in Jositas Restaurant essen war, hörte sie von der Zettelsammlung und kam auf die Idee mit dem Kochbuch. Josita machte mit. Die Köchin mit indonesischen Wurzeln ist in Berlin aufgewachsen und hat ihren Job von der Pike auf gelernt - in einem renommierten Berliner Hotel. Nach einem schockierenden Bericht über Tierhaltung fing sie an, Sojamilch und Tofu in ihre Gerichte zu schmuggeln. Später wurde sie Küchenchefin im ersten veganen Restaurant in Berlin, im April 2011 eröffnete sie das Lucky Leek.

Was Sie in dem Kochbuch erwartet

Das Wort "vegan" hat für viele einen unangenehmen Beigeschmack. Sie assoziieren es mit Strenge, einseitigem, geschmacklosem Essen, hohem Zubereitungsaufwand und komplizierten Zutaten. Vielleicht auch deshalb spricht Josita lieber von gesunder und abwechslungsreicher Gemüseküche als von veganer Ernährung. Und schon ist ein anderes Bild in unseren Köpfen: farbenfroh, leicht, vitaminreich. Es geht ihr nicht darum, Omas alte Rezepte zu veganisieren, sie möchte eine neue Küche schaffen. Man merkt den Rezepten den gehobenen Anspruch der Fachfrau an. Die Gerichte sind auffällig schön angerichtet, es gibt im Kochbuch sogar Empfehlungen für Küchenausrüstung, die man beim Garnieren benötigt, wie Spritzbeutel oder Servierringe. Aber bloß keine Hemmungen: Das Buch richtet sich nicht an Kochprofis, sondern ausdrücklich auch an Kochanfänger. Deshalb verwendet sie bewusst (fast) nur Zutaten, die man ganz normal im Supermarkt kaufen kann. Das hat auch einen Nachteil: Wer keinen Tofu mag, sollte dieses Buch lieber nicht kaufen. Ab und zu haben sich kleine Rechtschreibfehler eingeschmuggelt. Aber das verzeiht man dem liebevoll zusammengestellten Kochbuch gerne.

"Vegan genial" von Josita Hartanto (Neun Zehn Verlag, Walter Unterweger, 19,95 Euro)

Zucchini-Aprikosen-Köfte mit weißem Bohnen-Hummus und Tomaten-Bulgur

Wow, man merkt, dass dieses Rezept von einem Profi stammt. Die Zutaten sind perfekt aufeinander abgestimmt, alle wichtigen Nährstoffe sind enthalten und das Wichtigste: Es schmeckt großartig. Selbst eingeschworene Fleischesser werden hier nicht das Gefühl haben, dass da "etwas fehlt". Unbedingt probieren!

Zum Rezept für die Zucchini-Aprikosen-Köfte

Sauerkraut-Hotdog-Quiche

Josita Hartanto kennt auch schnelle und unkomplizierte Gerichte, wie diese Sauerkraut-Hotdog-Quiche. Perfekt, wenn Sie mal ein schnelles Party-Mitbringsel brauchen.

Zum Rezept für die Sauerkraut-Hotdog-Quiche

Ilka Irle: Alltagstaugliche Familienküche

Was macht man, wenn die Tochter beschließt, nur noch vegan zu essen? Ilka Irle, 47, kennt die Situation: Seit drei Jahren kocht sie für ihre inzwischen 21-jährige Tochter ausschließlich vegan - und findet das überhaupt nicht schlimm. Im Gegenteil, sie sieht es als Bereicherung und hat dadurch ihren eigenen Konsum an tierischen Produkten enorm reduziert. Und an Abwechslung beim Essen mangelt es trotzdem nicht. Zum einen, weil viele Alltagsgerichte ohnehin vegan sind (z. B. Salate mit Essig-Öl-Dressing oder Nudeln mit Tomatensoße) und zum anderen, weil Ilka Irle Sahne und Eier einfach ersetzt - und damit Hunderte von Rezepten ganz unkompliziert umwandeln kann. Statt Sahne gibt es Hafer-, Soja-, oder Reiscuisine und statt der Eier je nach Einsatzzweck z. B. Agar-Agar, Ei-Ersatzpulver, Apfelmus oder Banane.

Was Sie in dem Kochbuch erwartet

Eine alltagstaugliche Rezeptsammlung mit einigen Besonderheiten, wie Rezepte für selbst gemachten veganen Parmesan oder veganen Mozzarella. Zusätzlich gibt es eine Liste mit veganen Alternativen, z. B. das Gewürz "Smoked Spanish Paprika" (geräuchertes Paprikapulver) als Ersatz für Speckgeschmack und ein Kapitel "Vorsicht, getarnt!", in dem man z. B. erfährt, dass nicht-vegane Margarine meistens tierisches Fett enthält, und Bier, Wein und klare Säfte oft mit Hilfe tierischer Produkte geklärt werden. Die Rezepte sind perfekt auf den Familienalltag abgestimmt - mit Aufläufen, Pizza und Pasta und unkomplizierten Blitzrezepten wie Bruschetta, Tomatensuppe, veganes Gyros oder Nudelsalat mit veganen Würstchen.

"Lecker, leicht, vegan: Herrliche Rezepte für jeden Tag", von Ilka Irle (Cadmos Verlag, 19,99 Euro)

Überbackene Enchiladas

Wer Lust hat, kann bei diesem Rezept auch mal veganen Joghurt und Käse ausprobieren (gibt es online z. B. über www.alles-vegetarisch.de). Aber auch mit ganz normalen Milchprodukten gelingen die Enchiladas problemlos - ein tolles Essen, das auch Teenies mögen.

Zum Rezept für die überbackenen Enchiladas

Bärlauchpizza

Die etwas andere Pizza: Wieso nicht mal eine vegetarische-vegane Pizza mit Bärlauch belegen - statt immer nur mit Pilzen, Zucchini oder Auberginen. Wer den intensiven Bärlauch-Geschmack mag, wird hier eine neue Lieblingspizza finden.

Zum Rezept für Bärlauchpizza

Auf ein weiches Ei zum Frühstück und das Käsebrot abends würde BRIGITTE-Redakteurin Susanne Gerlach höchst ungern verzichten. Aber vegan zu mittag - wo ist das Problem?

BRIGITTE.de-Redakteurin Monika Herbst liebt vegetarisches und veganes Essen und probiert gern neue Zutaten aus. Was sie überhaupt nicht mag: Reines "Beilagen essen". Umso mehr hat sie sich über diese Rezepte gefreut.

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