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Ernährungsmythen Was wirklich gesund ist

Ernährungsmythen: Frau mit Gemüse in der Hand
© everst / Shutterstock
Roggenvollkornbrot ist gesünder als Baguette und Saft besser als Limo? Nicht unbedingt – weil jeder Mensch anders tickt. Darm, Gene und Stoffwechsel bestimmen mit, welches Essen zu uns passt. Unsere Redakteurinnen Daniela Stohn und Andrea Hacke haben den Test gemacht. 
Ich will mehr Energie!

Ernährungsredakteurin Daniela Stohn hat mit der App "Millionfriends" ihre Darmbakterien und Stoffwechselreaktionen getestet. 

Darum geht’s: Die App "Millionfriends" wurde von Ärzten am Institut für Ernährungsmedizin der Universität Lübeck entwickelt. Dahinter steckt die Idee, über die Analyse der Darmbakterien und das Messen des Blutzuckerspiegels herauszufinden, wie der Körper auf welche Lebensmittel reagiert und was das Energielevel konstant hält. Das Versprechen: die Mahlzeiten zu ermitteln, die mir nicht guttun, und dann je nach Ziel gesünder zu essen oder abzunehmen. Mein Ziel steht fest: Ich will mehr Energie, ohne Mittagslöcher und Konzentrationstiefs. Auf der Website www.millionfriends.de kaufe ich das Testkit für 349 Euro und bekomme ein Paket mit Lebensmittelwaage, Blutzuckersensor plus Messgerät und Röhrchen für die Stuhlprobe zugeschickt. Die Probe geht direkt in ein Labor zur Mikrobiom-Analyse. So war’s: zwei Wochen lang ziemlich anstrengend!

Ich muss genau aufpassen, dass ich die Pausen von mindestens zwei Stunden zwischen den Mahlzeiten, aber auch zwischen Sport und Essen einhalte, damit die Ergebnisse nicht verfälscht werden. Super: Ich darf essen, was ich möchte. Was nervt: Jede Mahlzeit wiege ich ab und trage sie in die App ein, immer wieder muss ich das Messgerät an den Sensor halten. Dazu kommen verschiedene Challenges, die ich extra absolvieren soll, wie Kartoffeln oder Brot pur essen oder eine Traubenzuckerlösung trinken – davon muss ich mich fast übergeben. Nach den zwei Testwochen schicke ich den Sensor ein und bekomme vier Wochen später meine Auswertung direkt in der App. Dort sind meine Top- und meine Flopmahlzeiten aufgelistet – super, dass mein Lieblingsfrühstück mit Birchermüsli und Joghurt auf der Topliste auftaucht! Auch gut: Schokolade mag mein Blutzucker lieber als Gummibärchen, Pasta lieber als Kartoffeln – genau wie ich. Nicht so toll: Hefeweizen trinken und morgens Vollkornbrötchen essen. Hmmm.

Die Diversität meiner Darmbakterien ist prima, etwas mehr Ballaststoffe dürfen es sein. Eine Woche später telefoniere ich fürs Abschlussgespräch mit Annabelle, meiner Ernährungsberaterin. Sie rät mir, Kohlenhydrate immer mit Fetten und Proteinen zu kombinieren, also Müsli mit Nüssen und Joghurt oder Brot mit Butter und Käse. Ich bin nämlich ein Fett-Eiweiß-Mischtyp. Und morgens sei tatsächlich ein Baguette besser für mich als ein Vollkornbrötchen. Echt jetzt? Zumindest von meiner Blutzuckerreaktion her, erklärt Annabelle. Heißt: Ich bleibe länger satt. Ballaststoffe müsse ich dann allerdings über andere Quellen zu mir nehmen. Und nun? Ich achte stärker darauf, womit ich meine Kohlenhydrate kombiniere, und esse auch mal ein Ciabattabrötchen zum Frühstück. Meine Darmbakterien füttere ich jetzt regelmäßig mit Joghurt, Nüssen und Hülsenfrüchten, damit sie sich vermehren. Und ganz verrückt: Ich habe den Eindruck, meinen Körper besser zu kennen als vorher. Fühlt sich irgendwie gut an.

Ich will gesünder essen!

BRIGITTE-Redakteurin Andrea Hacke hat ihr Erbgut analysieren lassen und genbasierte Ernährungstipps ausprobiert. 

Darum geht’s: "Nutrilite MyBody.ID" ist ein personalisiertes Programm zum Abnehmen oder zur Förderung eines gesunden Lebensstils. Als Basis dient ein DNA-Speicheltest. Der zeigt nach Herstellerangaben, welche Nährstoffe ich am besten verstoffwechseln kann und wie viele Proteine, Kohlenhydrate, Zucker, Fette und Ballaststoffe ich pro Tag essen sollte. Entwickelt wurde das Programm von dem US-Unternehmen Amway. So war’s: Im Testkit für 590 Euro befindet sich das Röhrchen für die Speichelprobe, die ich gleich ins Labor schicke zur Analyse. Über einen Fragebogen auf dem Onlineportal https://nutrilitemybodyid.de/start-today muss ich Auskunft geben über mein Gewicht, meine Vorlieben, mein Bewegungsverhalten, den Schlaf. Nach etwa zwei Wochen kommt die DNA-Auswertung per Mail, und es kann endlich losgehen.

Was ich zuerst eintrage: mein Ziel, nämlich mich gesünder zu ernähren. Die erste Überraschung: Ich darf viel mehr essen als bisher! Statt meiner bisher üblichen zwei Mahlzeiten in Form von Frühstück und Abendessen sollen es nun drei Mahlzeiten sein und noch Snacks dazu. Himmel, was wird die Waage nach drei Wochen sagen? Die App gibt mir vor, wie viel Nährstoffe ich für den Tag noch brauche. Um das einzuhalten, beginne ich also damit, jeden Butter-Krümel abzuwiegen und einzutragen – wie auch alles sonst. Das ewige Eintippen nervt, bringt aber überraschende Erkenntnisse. Selbst nach drei Scheiben Vollkornbrot morgens, mittags Obstsalat und später Pasta habe ich noch Kohlenhydrate für den Tag übrig. Wo hakt’s also? Laut App bräuchte ich deutlich mehr Proteine und Ballaststoffe, um den Stoffwechsel anzukurbeln. Ich suche also proteinreiche Rezepte, haue mir Extra-Ballaststoffe in Form von Hülsenfrüchten und Nüssen rein.

Dann: Bauchschmerzen! Irritiert rufe ich die zuständige Beraterin an, die mir erklärt, dass ich nicht plötzlich unter einer Eiweißallergie leide, sondern mein Darm endlich richtig funktioniere und der Körper sich daran gewöhnen müsse. Ich bleibe am Ball, esse, bis meine App täglich grünes Licht zeigt. An sich sollte das Programm meine Energie pushen, doch ich bin in Woche drei immer um zehn Uhr abends müde statt um Mitternacht. Andererseits: Schlaf ist ja gesund. Und die Waage? Zeigt tatsächlich drei Kilo weniger. Und nun? Mein Learning: Ich muss für einen gesünderen Lebensstil nicht die Menge meines Essens reduzieren, sondern schlicht anders essen. Das tue ich auch weiterhin, dadurch habe ich nie Hunger und fühle mich wohler in meinem Körper. Ob ich dazu einen Gentest gebraucht hätte? Ja, denn ich weiß erst jetzt genau, wie sich meine Nahrung zusammensetzen sollte. Ich bleibe dran.

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