Bio-Lebensmittel: Ist "Bio" wirklich besser?

Ist "Bio" wirklich gesund oder nur eine gute Verkaufsstrategie? Schwedische Forscher haben mit einer Familie einen Test durchgeführt - mit verblüffendem Ergebnis.

Regionale und biologisch angebaute Nahrungsmittel stehen hoch im Kurs. Sie sollen nicht nur weniger Schadstoffe, sondern auch mehr gesundheitsfördernde Stoffe enthalten. Doch ist "Bio" wirklich besser als herkömmliche Lebensmittel? Die schwedische Supermarktkette Coop wollte es genau wissen und beauftragte ein Forscher-Team des "Swedish Environmental Research Institute" für eine Studie.

Zuckerverzicht: So einfach geht's!

Testergebnis verblüfft Forscher

Eine fünfköpfige Familie, die sich zuvor konventionell ernährte, hat 14 Tage lang ausschließlich "Bio" gegessen. Mittels Urinproben untersuchten die Wissenschaftler während der zwei Testwochen die Rückstände von Pflanzenschutzmitteln im Körper.

In den Proben aller Familienmitglieder wurden vor Beginn der Studie Insektizide, Pestizide und Wachstumsregulatoren nachgewiesen. Doch wie die Forscher im Abschlussprotokoll berichteten, waren bei allen Familienmitgliedern nach zwei Wochen die Pestizidwerte gen Null gesunken.

"Vor dem Test fanden wir in allen Proben Insektizide, Pilzbekämpfungsmittel und Pflanzenwachstumsmittel", berichtete Forscher Jörgen Magner dem Schweizer Nachrichtenportal 20Minuten.ch. "Doch die Auswirkungen der Bio-Lebensmittel auf den Körper waren immens."

Ist "Bio" wirklich besser?

"Bio-Lebensmittel sind in Bezug auf die Belastung mit chemisch-synthetischen Pestiziden um Größenordnungen besser. Konventionelle Ware ist durchschnittlich 180 mal stärker mit diesen Rückständen belastet", sagt Armin Valet von der Verbraucherzentrale Hamburg e.V.. "Auch in Bezug auf den Einsatz von Zusatzstoffen (E-Nummern) schneiden Bio-Lebensmittel deutlich besser ab als konventionelle Fertig-Lebensmittel."

"Ebenso dürfte die Antibiotika-Belastung bei Bio-Fleischprodukten deutlich niedriger sein", so Valet weiter. Wie die Stiftung Warentest ermittelt hat, liegt die Bio-Landwirtschaft auch in Sachen artgerechter Tierhaltung und nachhaltiger Landwirtschaft weit vorne.

Kritikpunkte gibt es am Geschmack und am Zucker- und Fettgehalt von Bio-Fertignahrung. Hier müssen "fertige Bio-Lebensmittel nicht besser abschneiden als konventionelle." Keine prinzipiellen Unterschiede zwischen "Bio" und "Nicht-Bio" gibt es bei den sogenannten Kontaminanten wie Dioxin oder Schwermetallen. Diese Belastungen sind abhängig vom Standort oder von der Kontaminierung der Futtermittel bei tierischen Lebensmitteln. Und auch Bio-Produkte sind nicht gefeit vor Weichmachern aus Flaschendeckeln, Schimmelpilzgiften im Brot oder Acrylamid, das durch hohes Erhitzen beim Backen oder Frittieren im Lebensmittel entsteht.

Welche Auswirkungen haben Pestizide auf unseren Körper?

Bisher ist nicht eindeutig geklärt, welche Auswirkungen Pflanzenschutzmittel langfristig auf den Körper haben. Mediziner vermuten, dass Pestizide krebserregend und ein möglicher Auslöser für Parkinson und Alzheimer sind. Außerdem können sie unser Hormon- und Immunsystem schädigen.

Das Forscher-Team des "Swedish Environmental Research Institute" ist sich jedoch sicher: Die Gefahr von Langzeitschäden ist umso größer, je mehr Kombinationen von Schadstoffen aufgenommen werden. Deshalb solle man immer kritisch prüfen, welche Nahrungsmittel man zu sich nimmt.

KG
Themen in diesem Artikel
Brigitte-Newsletter

Brigitte-Newsletter

Trends und Tipps aus den Bereichen Mode & Beauty, Reise, Liebe und Kochen - lies zum Wochenstart das Beste von Brigitte.

Neuer Inhalt