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Dr. Verena Buchinger-Kähler Die besten Fasten-Facts und Food-Tipps der Expertin

Dr. Verena Buchinger-Kähler
Fasten-Expertin Dr. Verena Buchinger-Kähler
© Patrick Ludolph/BUCHINGER Klinik
Als Inhaberin einer Heilfasten-Klinik kennt Dr. Verena Buchinger-Kähler die Vorteile des Nahrungsverzichts nur allzu gut. Zweimal im Jahr fastet sie selbst. Dass es ihr dabei nicht nur um das Loswerden von körperlichem Ballast geht und was eine gesunde Psyche damit zu tun hat, verrät die Medizinerin im Brigitte-Interview.

Fasten wird immer beliebter: Längst sind es nicht nur die Stars, die sich mit dem Nahrungsverzicht in eine freiwillige Askese geben – vielmehr ist das Fasten fest in den Alltag vieler Menschen integriert. Dem Trend des Intervallfastens folgt eine neue Welle an Fastenden, die es in ihrer Urlaubszeit weder an den Strand noch in die Berge, sondern in den sogenannten Health Holiday zieht. Einem Urlaub, der sich voll und ganz auf das körperliche und seelische Wohlbefinden fokussiert.

Zu solch einem Pilgerort zählt auch die Buchinger Heilfasten Klinik in Bad Pyrmont. Inhaberin Dr. Verena Buchinger-Kähler beschäftigt sich dort tagtäglich mit Fastenden und ist die erste Frau, die in die Fußstapfen ihres Urgroßvaters Dr. Otto Buchinger – dem Gründer der Buchinger Fastenmethode – tritt. Im Interview mit Brigitte spricht sie über die Bedeutung des Fastens, gibt praktische Tipps für den Nahrungsverzicht und verrät uns ihre TOP-3-Lebensmittel für einen gesunden Alltag.

Dr. Verena Buchinger-Kähler im Brigitte-Interview

Brigitte: Fasten wird immer beliebter – ist der Nahrungsverzicht für den Menschen essentiell?
Dr. Verena Buchinger-Kähler: Gerade für die Gesunden ist Fasten etwas sehr Schönes, denn das geistige und spirituelle Erlebnis des Nahrungsverzichts ist unglaublich wertschätzend. Wir alle haben Schlüsselmomente im Leben, wo sich etwas ändert. Wo wir Entscheidungen treffen, kurz zurückblicken können und sagen: Irgendwas ist in einem bestimmten Moment schiefgelaufen oder da ist irgendwas, wo ich mich nicht wohlfühle. Fasten hilft dabei, genau diese Dinge aufzuarbeiten. Es ist wie eine Atempause, in der kurz innegehalten wird, wo alles einmal stillsteht und zur Ruhe kommt und wir von Neuem loslegen können.

Wie lange sollte gefastet werden, um von den gesundheitsfördernden Effekten zu profitieren?
Das kommt ganz darauf an: Wenn es um Erkrankungen wie Bluthochdruck oder Diabetes mellitus Typ 2 geht, ist es sinnvoll, eine längere Fastenphase einzuplanen. Ich empfehle hier mindestens 14 Tage – besser sogar drei Wochen. Hinzu kommt nämlich noch ein Entlastungstag vorab, an dem der Körper auf den bevorstehenden Nahrungsverzicht vorbereitet wird. Nach dem Fasten folgt eine Phase des sukzessiven Kostaufbaus. Das ist wichtig, damit der gefürchtete Jo-Jo-Effekt nicht einsetzt. Je länger gefastet wurde, desto länger dauert der Aufbau.

Wie sieht ein typischer Fasten-Ernährungsplan aus?
Um Kopf und Kreislauf in Schwung zu bringen, darf es morgens gerne eine Tasse grüner oder schwarzer Tee mit einem halben Teelöffel, maximal 20 Gramm, Honig sein. Am Mittag gibt es einen Gemüse-Obst-Saft: In der Buchinger Heilfasten Klinik in Bad Pyrmont versuchen wir, diesen saisonal zu halten. Ein weiterer Tee folgt am Nachmittag.

Abends wird eine Gemüsebrühe serviert und der Fastentag mit einem Tee zur Nacht abgeschlossen. Den mögen viele unserer Gäste, um etwas herunterzukommen. Insgesamt besteht der Fasten-Ernährungsplan aus viel Flüssigkeit, Kräutertees und einem Saft – insgesamt etwa 250 Kilokalorien. In der Klinik substituieren immer noch etwas Elektrolyte: Damit ermöglichen wir die Leistungsfähigkeit.

Wie bleibt der Kreislauf während des Fastens stabil?
Durch das Fasten wird eine metabolische Flexibilität geschult. Viel trinken begünstigt einen stabilen Kreislauf während des Fastens. Und wenn das Gefühl da ist, dass der Blutdruck zu niedrig ist, gerne auf einen grünen oder schwarzen Tee am Morgen zurückgreifen. Trotz allem sollten Fastende unbedingt auf ihren Körper hören und nicht verbissen an vorab zu hoch gesteckten Zielen festhalten.

Welche Risiken birgt das Fasten?
Fasten ist ein unheimliches Power-Tool, was Entgiftungen, Ausleitung und Autophagie anbelangt. Es ist bei so vielen Erkrankungen etwas ganz Tolles – aber was solch eine Power hat, birgt natürlich auch Risiken.

Wer sich für das Fasten entscheidet, sollte dies immer unter ärztlicher Aufsicht tun!

Zu ihnen gehören beispielsweise der Kreislaufzusammenbruch und ein stark abfallender Natriumspiegel. Bei Schwindel, flauem Magen und Erbrechen sollten bei jedem Fastenden die Alarmglocken schrillen. Vor dem Fasten sollte immer ein Blutbild gemacht und nach Nieren-, Leber- und Harnsäurewerten geschaut werden.

Abseits der Fastenzeit: Was sind Ihre TOP-3-Lebensmittel für jeden Tag?

Ich bin ein riesiger Fan von Beeren jeglicher Art: Heidelbeeren, Brombeeren, Erdbeeren, Himbeeren, Stachelbeeren. Sie sind von Natur aus zucker- sowie fettarm und wiederum reich an zellschützenden Antioxidantien. Hülsenfrüchte wie Bohnen und Linsen gehören zu meinen TOP-3-Lebensmitteln, da sie für mich zu den tollsten Proteinquellen zählen. Dann kommen für mich die Nüsse: Die Walnuss ist meine absolute Lieblingsnuss, da das Verhältnis von Omega-3- zu Omega-6-Fettsäuren unglaublich gut ist. Dieses Trio versorgt den Körper täglich mit einigen der besten Nährstoffen.

Verwendete Quellen: eigenes Experten-Interview, buchinger.de

Brigitte

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