Fertigprodukte in Bio-Qualität: Der feine Unterschied

Tiefkühlpizza, Fischstäbchen oder Frikadellen: Wenn es schnell gehen muss, sind Fertiggerichte die Retter in der Not. Es gibt sie immer häufiger auch in Bio-Qualität. Doch wo liegen die Unterschiede zu konventionellen Produkten?

Für die Produktion der Zutaten von Bio-Fertiggerichten gelten strenge Grundsätze: Spritzmittel und Einsatz von Gentechnik sind tabu, Tiere müssen artgerecht gehalten werden.

Ein weiterer Punkt, der vielen Verbrauchern wichtig ist: auf Zusatzstoffe wird bei Bio-Fertigprodukten weitestgehend verzichtet. Sie werden nur dann eingesetzt, wenn ein Produkt nicht anders hergestellt oder haltbar gemacht werden kann. Von den rund 350 Zusatzstoffen (Farbstoffe, Geschmacksverstärker, Konservierungsmittel), die in Deutschland zugelassen sind, dürfen die Bio-Hersteller nur 47 verwenden. Die einzelnen Anbauverbände haben noch strengere Regeln, so dürfen beispielsweise bei Naturland nur 30 Zusatzstoffe genutzt werden.

Wer zu Bio-Fertigprodukten greift, kann zum Beispiel sicher sein, dass darin kein Glutamat enthalten ist. "Der Geschmacksverstärker ist in Ökoprodukten unzulässig", erklärt Jochen Neuendorff. Als Vorstand der Konferenz der Kontrollstellen für den ökologischen Landbau sorgt er dafür, dass die Vorschriften eingehalten werden - und kennt sie deshalb ganz genau. Als weiteres Beispiel nennt er Benzoesäure, ein Konservierungsstoff, der häufig in konventionell hergestellten Feinkostsalaten oder Mayonnaisen eingesetzt wird - und in Bioprodukten tabu ist.

Auch die Verarbeitung läuft bei Bio-Produzenten oft anders, zum Beispiel bei Pommes Frites: "Isolierte Zuckerstoffe, die mancher Hersteller für eine stärkere Ausbräunung der Fritten aufbringt, gibt es bei uns nicht", sagt Demeter-Pressesprecherin Renée Herrnkind. Auf der Packung müssen diese Turbobräuner nicht deklariert werden, vielen Käufern ist daher gar nicht klar, dass sie kein naturbelassenes Produkt in Händen halten.

Zu den Tabus bei Bio-Herstellern gehören auch synthetische Konservierungsstoffe. Die Biobranche zeigt, dass es auch ohne diese Hilfsmittel geht: durch heißes Abfüllen in Gläser oder mit Hilfe von Zutaten wie Apfel- oder Zitronensäure.

Das klappt jedoch nicht immer so gut, wie in der konventionellen Produktion. Stiftung Warentest kam im vergangenen Herbst zu dem Ergebnis, dass Fertigprodukte in Bioqualität mit den konventionell hergestellten Pendants oft nicht mithalten können. Kritisiert wurde unter anderem, dass die angegebene Haltbarkeit bei Bioprodukten nicht immer eingehalten werden konnte. Auch die sensorische Qualität bewerteten die Tester teilweise als mangelhaft. Zum Beispiel empfanden sie beim Bio-Cappuccinopulver den Schaum ohne gehärtete Fette und Stabilisatoren als zu grobporig (siehe "Ist Bio wirklich besser?").

Öko-Befürworter wie Michael Wimmer, Geschäftsführer der Fördergemeinschaft Ökologischer Landbau Berlin-Brandenburg, fürchten, dass solche Ansprüche der Bio-Branche langfristig schaden könnten. Er hat Angst, dass sich die Hersteller biologischer Produkte künftig zu stark am Markt orientieren und als Folge davon auf hochveredelte Fertigprodukte setzen - was neben überflüssigem Verpackungsmüll und hohem Energieeinsatz auch eine Aufweichung bei der Nutzung von Zusatzstoffen zur Folge haben könnte. Er plädiert dafür, auch bei Fertigprodukten weiterhin auf so viel Natur wie möglich zu setzen.

Zum Weiterlesen

Info über Convenience-Produkte in Bio-Qualität, vom Aufback-Croissant bis zur fertigen Bolognese-Soße von der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung.

Sie haben beim Einkaufen einen Zusatzstoff in der Zutatenliste entdeckt und wollen wissen, was sich dahinter verbirgt? Hier können Sie Name oder E-Nummer eingeben und bekommen die wichtigsten Infos: www.zusatzstoffe-online.de.

Text: Monika Herbst Foto: Imago

Wer hier schreibt:

Monika Herbst

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