17 Gründe, weniger Fleisch zu essen

Tiere leiden, das Grundwasser wird belastet, das Hungerproblem verschärft: Warum wir beim Fleischkonsum dringend umdenken müssen.

Das Buch "Tiere essen" des amerikanischen Autors Jonathan Safran Foer hat eine Debatte entfacht: Können wir in Zeiten von Massentierhaltung überhaupt noch mit gutem Gewissen Fleisch essen? Im Preiskampf setzen große Handelsketten die Erzeuger unter Druck, Fleisch immer billiger zu produzieren. Viele kleine, traditionelle Betriebe können da nicht mehr mithalten und geben auf. Gewinner sind die großen Agrarfabriken.

Dagegen gibt es nur eine Lösung: die Abstimmung der Verbraucher mit den Füßen. Wir sollten beim Fleisch auf Qualität achten, von regionalen Erzeugern oder Bio-Höfen kaufen. Weniger Fleisch essen und dafür pro Portion mehr ausgeben. Bei Luxusprodukten sind wir bereit, viele Euros für etwas Extravaganz zu bezahlen. Warum gönnen wir unserer Nutztieren nicht ein klein wenig davon?

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Um ein Kilo Steak zu erzeugen, müssen etwa zehn Kilo Getreide an ein Rind verfüttert werden. Mehr als 90 Prozent davon gehen für die Energie verloren, die das Tier zum Leben braucht. Würde dieses Getreide direkt gegessen (als Brot, Maisbrei), könnten davon Dutzende Kinder in armen Ländern satt werden.

Das wichtigste Futtergetreide der Welt ist Soja, das vorwiegend in Monokulturen in Südamerika angebaut wird. Mittlerweile werden fast ausschließlich Gen-manipulierte Pflanzen verwendet. Welche Auswirkungen das auf die Umwelt und die menschliche Gesundheit hat, ist unbekannt.

Um den Ertrag bei Futterpflanzen zu steigern, ist immer mehr Kunstdünger nötig. Dieser muss mithilfe von Erdöl oder Erdgas produziert werden: Eine einzige Tonne im Amerika produzierter Mais erfordert so 160 Liter Erdöl.

Selbst bei effizienter Nutzung werden die fruchtbaren Ackerflächen ab 2030 nicht mehr aus- reichen, um die wachsende Bevölkerung zu ernähren.

Ein Großteil des Tropenwaldes in Südamerika wird abgeholzt, um Weide- und Futtermittelflächen zu gewinnen.

Jeder zehnte Liter Süßwasser weltweit fließt in die Viehhaltung.

Von EU-Subventionen profitieren am stärksten große Agrarfabriken und Lebensmittelkonzerne. Bäuerliche Betriebe erhalten vergleichsweise wenig.

Viehhaltung ist weltweit für etwa ein Sechstel der Treibhausgas-Emissionen verantwortlich. Vor allem Rinder und Schafe produzieren bei der Verdauung Methan, das 21-mal so klimaschädlich ist wie CO2.

Bei der Produktion von einem Kilo Rindfleisch werden mehr als sechs Kilo CO2 freigesetzt, bei Schweine- und Hühnerfleisch nur ein Viertel davon, bei Obst und Gemüse sogar nur ein Zehntel.

Beispiele für Missstände, die in der Massentierhaltung gefunden werden: 30 Masthähnchen teilen sich einen Quadratmeter Boden, die Enge führt zu Aggressionen der Tiere bis hin zum Kannibalismus; Puten leiden durch viel zu schnelle Gewichtszunahme an Knochenschäden, in den letzten Wochen ihres Lebens können sie sich nicht mehr normal fortbewegen; der Platz für Muttersauen ist so eng, dass sich die Tiere nicht ohne Schmerzen hinlegen können.

Massentierhaltung begünstigt Tierseuchen wie BSE oder Schweinepest. Bei so genannten Keulungen werden dann Millionen Tiere getötet, das Fleisch vernichtet. Die Bekämpfung kostet außerdem viele Steuergelder: Innerhalb von zehn Jahren hat die EU eine Milliarde Euro aufgewendet.

In der Massentierhaltung werden große Mengen Antibiotika eingesetzt. Die Substanzen gelangen zum Beispiel über die Gülle in die Umwelt und damit in die Nahrungskette. Auch bei Menschen, die wenig oder kein Fleisch essen, können sich so Resistenzen gegen Antibiotika bilden.

Amerikaner konsumieren pro Kopf und Jahr 126 Kilo Fleisch, Deutsche 83 Kilo, Inder nur fünf Kilo.

Frauen essen im Schnitt nur halb so viel Fleisch wie Männer.

Die Deutschen verzehren so viel Fleisch zu so billigen Preisen wie noch nie. Beispiel: Um ein Kilo Hähnchenfleisch zu kaufen, musste man 1960 mehr als zwei Stunden arbeiten, heutzutage nur noch 13 Minuten. Insgesamt geben wir nur 11 Prozent unseres Einkommens für Lebensmittel aus.

Wir erzeugen in der EU viel mehr Fleisch, als wir brauchen. Das Fleisch wird deshalb in Kühlhäusern gelagert und dann mithilfe hoher Subventionen aus Steuermitteln exportiert. Durch diese künstlich niedrigen Preise werden teilweise Bauern in Entwicklungsländern ruiniert, die traditionelle Viehhaltung betreiben.

Kulturübergreifend gilt: je mehr Wohlstand, desto höher der Fleischverzehr. Es gibt aber keine einzige Studie, die belegt, dass der Verzehr von Fleisch umgekehrt auch mehr Lebensqualität bedeutet.

Text: Beate Koma Ein Artikel aus der BRIGITTE 18/10

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