Gefahr durch Lebensmittel aus Japan?

Sushi, Sojasoße, Shiitake – können wir Lebensmittel aus Japan noch bedenkenlos essen? Was Sie wissen sollten.

Wie ist die Situation vor Ort und bei uns?

Der Unglücksreaktor im japanischen Fukushima hält die Welt weiter in Atem. Die Katastrophe wird inzwischen als genau so schwer eingestuft wie die Explosion des Reaktors in Tschernobyl. Allerdings ist im Gegensatz zu dem russischen GAU deutlich weniger Radioaktivität in die Umwelt gelangt. In Japan sind radioaktives Iod und Cäsium sowohl in die Luft gelangt als auch in Form stark kontaminierten Wassers in den Pazifik geflossen. Mit radioaktiv belastetem Fisch aus dem Nordwestpazifik muss gerechnet werden, so Silke Schwartau von der Verbraucherzentral Hamburg.

Laut einer Pressemitteilung des Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz vom 13. April ist bislang keine erhöhte Strahlenbelastung bei Lebensmittelimporten aus Japan festgestellt worden. Generell importieren wir aus Japan nur sehr wenige Lebensmittel. Seit dem 26. März gelten in der EU spezielle Schutzstandards bei Importen von Lebensmitteln und Futtermitteln aus Japan: Alle Lieferungen aus Japan werden an den Außenkontrollstellen der EU angehalten und überprüft. Waren aus den betroffenen Regionen dürfen nur eingeführt werden, wenn ein Zertifikat aus dem Herkunftsland Japan bescheinigt, dass keine erhöhte radioaktive Belastung vorliegt. Zusätzlich wird ein Teil dieser Sendungen von den Überwachungsbehörden im Labor analysiert. Um lückenlose Kontrollen zu gewährleisten und längere Wartezeiten zu vermeiden, müssen sämtliche Lieferungen aus Japan mindestens zwei Tage vor ihrer Ankunft an den EU-Außenkontrollstellen angemeldet werden. Bis auf weiteres dürfen Lebensmittel aus Japan nur über wenige, ausgewählte Kontrollstellen in die EU eingeführt werden und nur dann, wenn die festgelegten Grenzwerte eingehalten werden. Diese Grenzwerte hat die EU mit Wirkung ab 13. April heruntergesetzt.

Welche Lebensmittel aus Japan bei uns überhaupt eine Rolle spielen, lesen Sie auf den nächsten Seiten.

Kaum japanischer Fisch bei uns im Angebot

Aus Japan selbst importieren wir nur wenig Fisch und Meeresfrüchte. Das meiste, was wir bei uns kaufen können, kommt aus dem Nordostatlantik. Der Alaska-Seelachs, eine der für uns wichtigsten Fischarten aus dem Pazifik, wird mehr als 2500 Kilometer von Fukushima entfernt in der Beringsee gefangen - das sind die Fanggebiete 61 und 67. Alaska Seelachs sowie Alaska-Wildlachs (Fanggebiet 67), Rogen von Wildlachs, Flusskrebse aus China oder Garnelen aus Thailand wiesen bisher noch kein radioaktives Cäsium auf. Der Bundesverband Fisch wird die Messungen fortsetzen und jeweils aktuell über die Ergebnisse informieren. Die Code-Nummern der Fischfanggebiete sind meist auf den Verpackungen von Fisch und Fischerzeugnissen meist angegeben sind. Code 61 steht für den Nordwestpazifik - das am stärksten betroffene Gebiet. Im direkten Bereich der Ostküste Japans ist damit zu rechnen, dass Fische erhöhte Strahlenwerte aufweisen können, erklären Wissenschaftler des Johann Heinrich von Thünen-Instituts (vTI), möglicherweise auch oberhalb der in Japan und der EU geltenden Grenzwerte. Es sei davon auszugehen, dass die Kontamination mit zunehmender Entfernung von der Küste deutlich abnimmt, so die vTI-Experten. Allerdings lasse sich derzeit nicht sagen, ab welcher Entfernung keine erhöhten Werte mehr zu erwarten seien.

Der größte Fischmarkt in Deutschland ist der Frankfurter Flughafen, hier landet Ware aus aller Welt. Die Lebensmittelüberwachung kontrolliert dort verstärkt. Für Fischimporte aus den von der Katastrophe betroffenen Gebieten gelten die Schutzbestimmungen der EU - siehe vorige Seite.

Über die aktuelle Situation bei Fisch sowie über Fanggebiete können Sie sich auf der Website des vTI informieren. Mögliche Auswirkungen des Reaktorunfalls in Fukushima auf das Meeres-Ökosystem und den dort gefangenen Fisch werden außerdem in der Rubrik Fragen und Antworten" des vTI erläutert.

Und was ist mit Sushi und Wasabi?

Der Fisch für Sushi kommt in der Regel nicht aus Japan (siehe "Fisch"), schon aber die Nori-Alge, die für den Reissnack verwendet wird. Algen sind sehr stoffwechselaktiv, nehmen schnell Schadstoffe auf. Da Sushi-Anbieter Nori-Algen getrocknet beziehen, sind oft Vorräte vorhanden, die noch für Monate reichen können. Am besten fragen, woher die Algen kommen - manche stammen aus anderen asiatischen Ländern. Japanische Algenprodukte, wie zum Beispiel tiefgekühlter Wakame-Salat, stammen meist aus älteren Beständen. Im Zweifel den Hersteller oder Händler nach der Herkunft fragen.

Scharfe grüne Wasabi-Paste oder Wasabi-Knabbergebäck unterliegen den verschärften Einfuhrbestimmungen, sofern die Produkte aus Japan kommen. Da kommen sie aber nicht zwangsläufig her. Denn in der Regel ist das, was wir bei uns als Wasabi kaufen, nicht aus der echten Wasabiknolle hergestellt. Der japanischer Meerrettich gedeiht in Japan nur in wenigen Bergtälern, ist rar und teuer, daher findet man echte Wasabiprodukte hierzulande kaum. Was in den Sushi-Läden oder im Handel als Wasabipaste angeboten wird, ist meist eine Mischung aus Meerrettich und Senf, gefärbt mit Chlorophyll oder Spirulina-Alge. Manchmal wird eine Miniprise echter Wasabi zugefügt, um das Produkt am Ende auch so nennen zu dürfen.

Ist japanische Sojasauce bedenklich?

Zumindest nicht die vom Hersteller Kikkoman. Der sitzt in Düsseldorf und braut seine Saucen nach japanischer Rezeptur in den Niederlanden; die Zutaten dafür kommen aus Europa bzw. Südamerika. Andere japanische Sojasaucen können aus Lagerbeständen stammen. Generell ist Sojasauce überall herstellbar, man ist nicht auf Japan angewiesen.

Entwarnung für Shiitake-Pilze

Shiitake Pilze kommen nicht aus Japan, sie wären viel zu teuer. 90 Prozent der Shiitake-Pilze, die wir hier kaufen können, werden in Deutschland kultiviert, der Rest stammt aus China.

Für getrocknete Pilze aus Japan gibt es allerdings keine Entwarnung, sie könnten belastet sein, unterliegen aber wie alle Importe aus den betroffenen Gebieten den aktuellen Schutzstandards der EU.

Tee nur ein kleiner Markt

Generell kommt nur sehr wenig Tee aus Japan zu uns, die Japaner sind selber Großverbraucher. Durch die Katastrophe ist auch das Teegeschäft zum Erliegen gekommen. Der Bio-Tee-Anbieter Heuschrecke gibt einen Zwischenbericht zur Situation in Japan, Japan Tee und Grenzwertdiskussionen. Etwa Ende Mai beginnt die nächste Ernte, danach dauert es erfahrungsgemäß einige Wochen, bis die Ware bei uns ist. Doch zuvor lassen hiesige Tee-Importeure die neue Ware auf Unbedenklichkeit prüfen. Übrigens: Typisch japanische Tees wie zum Beispiel "Sencha" kommen oft aus China, dann steht "Sencha, japanische Art" auf der Packung.

Die Verbraucherzentrale Hamburg bietet auf Ihrer Website laufend aktuelle Informationen zu Radioaktivität in Lebensmitteln.

Text: Susanne Gerlach Foto: iStockphoto

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