Vitamin-Pillen im Test

Vitamine und Mineralstoffe in Pillenform sind beliebt. Mindestens jeder dritte Deutsche schluckt so genannte Nahrungsergänzungsmittel. Die Zeitschrift Öko-Test hat in ihrem neuem Kompakt-Heft "Vitamine" verschiedene Präparate getestet. Das Fazit: "Teures Geld für wenig Nutzen".

Die Tester haben festgestellt: vor allem Menschen, die sich bewusst und gesund ernähren, schätzen synthetisch hergestellte Vitamine und Mineralstoffe. Und gerade sie brauchen die zusätzliche Nährstoffe am wenigsten.

Trotzdem ist die Nachfrage hoch: In der Erkältungszeit ist vor allem Vitamin C gefragt. Viele hoffen, dass ihr Immunsystem gestärkt wird, wenn sie synthetisch hergestelltes Vitamin C einnehmen. Dabei versorgt uns eine ausgewogene Ernährung völlig ausreichend: Selbst wer nicht die empfohlenen fünf Portionen Obst und Gemüse am Tag schafft, leidet in der Regel nicht unter Vitamin-C-Mangel. Empfohlen werden für Erwachsene 100 mg Vitamin C, für Schwangere, Stillende, Raucher und Sportler 150 mg. In 100 Gramm Paprikaschote sind bereits 140 mg Vitamin C enthalten.

"Sie können eine Erkältung weder verkürzen noch verhindern, indem Sie zusätzlich große Mengen an synthetisch hergestelltem Vitamin C zu sich nehmen", sagt Annette Dohrmann, Redakteurin bei Öko-Test und verantwortlich für die Vitamin-Tests. Eine Extraportion Vitamin C empfiehlt sie lediglich für extreme Ausdauer-Sportler, wie Marathonläufer und für Menschen, die sich viel draußen in der Kälte bewegen. Allerdings nur natürliches Vitamin C.

Schadet die Vitamin-C-Pille?

Warum nur natürliches Vitamin C? Abgesehen davon, dass man sie selten benötigt - spricht sonst noch etwas gegen synthetisch hergestellte Präparate? "Man kann noch nicht absehen, wie diese isolierten künstlich hergestellten Vitamine auf Dauer auf das Regelwerk des Körpers wirken", sagt Annette Dohrmann.

Professor Hans Konrad Biesalski widerspricht. Der geschäftsführender Direktor des Instituts für Biologische Chemie und Ernährungswissenschaft der Uni Hohenheim (Stuttgart) und Autor zahlreicher Publikationen zum Thema Vitamine, sagt: "Der Körper unterscheidet nicht zwischen synthetisch hergestellten und natürlichen Vitaminen. Ihm ist es egal, ob die Vitamine von BASF kommen oder aus einer Paprika. Die chemische Struktur ist dieselbe". Professor Biesalski beteiligte sich nach eigenen Angaben auch an Projekten, die von der Pharmaindustrie finanziert wurden. Trotzdem sieht er sich als unabhängigen Wissenschaftler.

Wie schneiden Multivitamin-Präparate im Test ab?

Er stimmt mit der Öko-Test-Redakteurin darin überein, dass Paprika oder Äpfel neben Vitamin C noch andere wertvolle sekundäre Pflanzenstoffe enthalten - im Gegensatz zu Nahrungsergänzungsmitteln. Zusätzliches Vitamin C in Pillenform empfiehlt er daher nur für Menschen, die durch ihre Ernährung nicht genügend davon aufnehmen können; zum Beispiel ältere Leute, die nur wenig essen. Das Problem: "Vitamin C kann nicht gespeichert werden. Sie brauchen die Mengen täglich und können nicht am Samstag nachholen, was Sie während der Woche versäumt haben".

Während Professor Biesalski Multivitaminpräparate empfiehlt (Begründung: "Man weiß ja nicht, welcher Mikro-Nährstoff gerade fehlt"), schnitten bei Öko-Test gerade die Multivitaminpräparate besonders schlecht ab. Verbreitet werden sie häufig als A-Z-Produkte. Drei Präparate schafften ein "ausreichend", alle anderen bekamen "mangelhaft" oder "ungenügend". Die Kritikpunkte der Öko-Tester: Über- oder Unterdosierung, Zusatz von Spurenelementen, die sich nachteilig auf den Körper auswirken können (z.B. Mangan, Kupfer) oder bei denen Langzeit-Erfahrungen gänzlich fehlen (z.B. Selen).

Ist der Vitaminkick aus dem Glas besser?

Dann vielleicht doch lieber das tägliche Glas ACE-Saft als Alternative? ACE-Säfte enthalten die Vitamine A, C und E. Auch sie wurden von Öko-Test untersucht. Doch auch die Vitaminsäfte haben die Tester überwiegend schlecht bewertet. Sie warnen vor allem vor künstlich zugesetztem Betacarotin, einer Vorstufe von Vitamin A. Von Betacarotin weiß man, dass es in Dosen ab 20 mg pro Tag zu erhöhten Lungenkrebsraten bei Rauchern und erhöhter Sterblichkeit bei Herzkranken geführt hat.

Wer sicher gehen und Saft ohne künstliche Vitaminzusätze kaufen will, sollte auf Orangensaft umsteigen, dort werden seltener Vitamine zugesetzt, rät Öko-Test-Redakteurin Annette Dohrmann. Die Alternative: Ein kritischer Blick auf die Inhaltsstoffe. "Am besten ist 100 Prozent Fruchtsaft, dann sind keine Vitamine zugesetzt", sagt Annette Dohrmann. Tauchen dagegen Bezeichnungen wie "Vitamin C" auf, handle es sich immer um zugesetzte Vitamine.

Fazit

Die Meinungen gehen beim Thema synthetisch hergestellte Nährstoffe auseinander. Wer auf gesunde Mischkost setzt, ist in jedem Fall auf der sicheren Seite - und spart sich das Geld für Nahrungsergänzungsmittel.

Monika Herbst Fotos: clipart

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Monika Herbst
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