Wundermittel Eiweiß?

Diäten mit viel Eiweiß gelten neuerdings als Wunderwaffe gegen Übergewicht. Nach Atkins- und South-Beach-Diät heizt "Forever Young"-Autor Ulrich Strunz mit seinem neuen Buch "Geheimnis Eiweiß" die Debatte weiter an.

Was ist dran an dem angeblichen Powerstoff? Wir haben die drei Hauptargumente der Eiweiß-Befürworter nachgeprüft

1. Behauptung: Wir essen viel zu wenig Eiweiß.

Stimmt nicht. Wer abwechslungsreich isst, bekommt genügend Eiweiß - auch die so genannten essenziellen Aminosäuren, die der Körper nicht selbst herstellen kann. Ein Mangel droht nur, wenn tierische Lebensmittel (Fleisch, Fisch, Eier, Milchprodukte) komplett vom Speiseplan gestrichen werden.

2. Behauptung: Eiweiß kurbelt den Stoffwechsel an; je mehr wir davon essen, desto schlanker werden wir.

Jein. Richtig ist: Etwa 30 Prozent der Kalorien, die in Proteinen stecken, werden zu ihrer Verwertung gleich wieder verbraucht. Das ist deutlich mehr als bei Fett und Kohlenhydraten, also macht eiweißreiches Essen tatsächlich nicht so leicht dick. Es sättigt besser als Kohlenhydrate und lässt den Blutzuckerspiegel nicht so stark ansteigen. Das beugt Heißhungerattacken vor. Aber: Wer auf Dauer mehr isst, als er verbraucht - egal, ob Fett, Kohlenhydrate oder Eiweiß -, nimmt zu. Denn auch zu viel Eiweiß wird in Fett umgebaut.

3. Behauptung: Von Eiweiß kriegt man Muskeln, von Kohlenhydraten einen Schwabbelbauch.

Nein. Es ist eine naive Vorstellung, dass das Steak direkt in die Muskeln wandert und sich das Butterbrot auf die Taille legt. Fakt ist: Alle drei Nährstoffgruppen (Eiweiß, Fett, Kohlenhydrate) können je nach Bedarf zur Energiegewinnung, zum Aufbau von Körperzellen oder zur Anlage von Fettdepots genutzt werden. Leistungssportler, die viel Eiweiß essen, bauen besser Muskeln auf. Und bei einer Diät kann durch ausreichend Eiweiß der Muskelabbau gebremst werden. Das ist wichtig, weil Muskeln viele Kalorien verbrennen und so zusätzlich beim Abnehmen helfen.

Eiweiß ist kein Super-Schlankmacher, hilft aber beim Abnehmen. Also während einer Diät besser nicht auf Fleisch, Fisch oder Milchprodukte verzichten.

Dr. Sabine Thor-Wiedemann
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