Im Trend: Fasten für die Gesundheit

Fasten gilt als schick und gut für die Gesundheit. Den Körper entgiften und den Geist reinigen, klingt verlockend. Aber was passiert beim Fasten tatsächlich im Körper?

Was ist Fasten?

Jedes Jahr am Aschermittwoch beginnt für die Katholiken die vorösterliche Fastenzeit. Der Verzicht auf feste Nahrung gilt der Reinigung von Körper und Seele und soll helfen, sich auf die Beziehung zu Gott zu besinnen. Neben dieser religiösen Tradition wird aber auch aus medizinisch-therapeutischen Gründen gefastet. Und immer mehr Menschen machen im Frühjahr eine Fastenkur als eine Art Auszeit, um Ruhe, Entspannung und ihr inneres Gleichgewicht zu finden.

Im Gegensatz zum Hungern versteht man unter Fasten den freiwilligen Verzicht auf feste Nahrung und auf Genussmittel wie Alkohol und Nikotin über einen begrenzten Zeitraum hinweg. Während Fastenärzte, -kliniken und Buch-Autoren das Fasten durchweg als gesundes Mittel zur Entgiftung propagieren, sehen Ernährungsmediziner und -wissenschaftler so eine Kur durchaus kritisch.

Formen des Fastens

Nulldiät : Bei der strengsten Form des Fastens werden pro Tag nur 2 bis drei Liter energiefreie Getränke (Wasser, Mineralwasser oder Tee) getrunken.

Heilfasten nach Buchinger: Der Begriff "Heilfasten" wurde 1935 von dem Arzt Dr. Otto Buchinger geprägt und umfasst neben dem therapeutischen Fasten (zum Beispiel bei Stoffwechselkrankheiten) auch die vorbeugende Seite des Fastens für Gesunde. Eine Heilfastenkur dauert maximal 3-4 Wochen. Dazu gehört die Vorbereitung auf das Fasten, eine Darmreinigung am ersten Fastentag und eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr (Tee, Gemüsebrühe, Fruchtsaft und Mineralwasser). In einer Aufbauphase von mindestens drei Tagen wird am Ende der Kur die Energiezufuhr wieder schrittweise gesteigert.

Modifiziertes Fasten, auch proteinsubstituiertes Fasten genannt, wird in Kliniken unter ärztlicher Aufsicht zur Therapie bei massiver Adipositas (Fettleibigkeit) eingesetzt. Dabei werden zusätzlich Eiweiß, Kohlenhydrate und Fett aufgenommen und durch ausreichend Flüssigkeit (2-3 Liter/Tag), Vitamine und Mineralstoffe ergänzt.

Bei der "Molke-Trinkkur", werden 1 Liter Kur-Molke (mit Eiweiß und Kohlenhydraten angereichert) über den Tag verteilt getrunken, ergänzt durch Kräuter- und Früchtetees auf bis zu 3 Litern/Tag. Auch bei dieser Form des Fastens wird dem Abbau von körpereigenem Eiweiß entgegengesteuert.

Was passiert im Körper?

Durch Einname von Salzlösungen, Sauerkrautsaft oder durch Einläufe werden zuerst alle Verdauungsreste ausgeschwemmt. Innerhalb der ersten drei Tage stellt sich der Körper dann auf "innere" Ernährung, den Hungerstoffwechsel um und zieht seine Energie vermehrt aus körpereigenem Fett und Eiweiß. In diesen drei Tagen kann es auch zu unangenehmen Begleiterscheinungen kommen: Kopfschmerzen, niederer Blutdruck, Hautreaktionen, Schlafstörungen, negative Stimmung.

Gibt es gesundheitliche Risiken?

Mit dem totalen Fasten, also der Nulldiät, können erhebliche gesundheitliche Risiken verbunden sein: Laut der Gesellschaft für Ernährungsmedizin und Diätetik in Aachen greift der Organismus während des Fastens zur Deckung seines Eiweißbedarfs auf Muskelprotein zurück und baut es ab. Die Folge: die Muskeln schwinden und müssen nach der Kur mühsam wieder aufgebaut werden. Von diesem Muskel-"Raubbau" kann auch der Herzmuskel betroffen sein - gefährlich für Menschen mit Herzkrankheiten. Auch Diabetiker, Krebspatienten und schwangere sowie stillende Frauen sollten aufs Fasten generell verzichten.

Auch bei gesunden Menschen kann Fasten negative Folgen haben, weil durch den Nahrungsverzicht die Abwehrkräfte des Organismus geschwächt werden. Fastende können also anfälliger für Infektionskrankheiten werden. Um mögliche Risiken von vornherein auszuschalten, sollte vor einer Fastenkur - egal in welcher Form - auf jeden Fall ein Arzt zu Rate gezogen werden. Längere Kuren - über mehrere Wochen hinweg - sollten ebenfalls nur unter ärztlicher Aufsicht gemacht werden.

Eignet sich Fasten zum Abnehmen?

Bei extremen Übergewicht ist das modifiziertes Fasten unter Umständen sinnvoll, zum Beispiel wenn eine schnelle Gewichtsabnahme notwendig ist (vor einer Operation etc.). Gefastet wird unter ärztlicher Kontrolle. Der Muskelabbau wird durch die tägliche Aufnahme von Eiweiß eingedämmt und der Grundumsatz sinkt nicht so stark ab.

Früher galt totales Fasten als wirksame Methode zum Abnehmen. Das ist längst überholt. Denn nach dem schnellen Erfolg hat man die verlorenen Pfunde oft genauso schnell wieder auf den Hüften und Gesundheitsschäden sind bei dieser Radikalkur ebenfalls nicht auszuschließen.

"Heilfasten" führt zwar auch zum Fettabbau und zur Verminderung des Grundumsatzes, doch auch hier ist der Jo-Jo-Effekt vorprogrammiert, sobald wieder normal gegessen wird. Eine Fastenkur allein ändert nichts an falschen Ernährungsgewohnheiten. Da hilft nur, langfristig die Ernährung umzustellen.

Hilft Fasten beim Entgiften?

Wer fastet, verzichtet eine Zeit lang bewusst auf Fleisch, Süßigkeiten, Alkohol, und Zigaretten. Damit kann Fasten also durchaus auch einen Impuls für eine positive, gesundheitsbewusstere Veränderung des eigenen Lebensstils sein. Darüber hinaus wird Fasten oft als Form der inneren Reinigung praktiziert, wobei die natürlichen Entschlackungs- und Entgiftungsmechanismen des Körpers angeregt und die Selbstheilungskräfte geweckt werden sollen.

Der Begriff "Entschlackung" ist aber laut Deutscher Gesellschaft für Ernährung wissenschaftlich nicht begründbar, da es in einem gesunden menschlichen Körper keine Ansammlung von Schlacken und Stoffwechselendprodukten gibt. Nicht verwertbare Substanzen werden bei ausreichender Flüssigkeitszufuhr über den Darm und die Nieren ausgeschieden.

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