Chia-Samen - so gesund wie Vogelfutter?

Noch vor einiger Zeit waren Chia-Samen völlig unbekannt, nun begegnen sie uns als Superfood in Supermärkten und Cafés. Warum wir die Saat trotzdem mit Vorsicht genießen sollten ...

Sind Chia-Samen gesund?

Chia-Samen sollen gesundheitsfördernde Eigenschaften besitzen, Krankheiten vorbeugen und überdies beim Abnehmen helfen. Wie Lebensmittelchemiker Udo Pollmer im "Deutschlandradio Kultur" erzählt, sind jedoch keine dieser Wunderkräfte mit Studien belegt. Im Gegenteil: Sollten Untersuchungen vorliegen, zeigen diese lediglich, dass man mit dem neuen Superfood kein Körpergewicht verliert oder Krankheiten abwehrt. Stattdessen sollen Tierversuche die Vermutung nahelegen, dass der südamerikanische Samen Entzündungen und Allergien fördert.

Woher stammt das Superfood?

Schon zur Zeit der Mayas und Azteken spielten die unscheinbaren Körnchen, die reich an Kalzium, Ballaststoffen und Antioxidantien sind, eine bedeutende Rolle. Im 15. Jahrhundert kam Chia über spanische Eroberer nach Europa. Da die Pflanze dort nicht wuchs, geriet sie in Vergessenheit. Erst vor knapp 15 Jahren wurden die Samen von der Futtermittelwirtschaft wiederentdeckt - und an Hühner verfüttert. Da diese jedoch kleinere Eier legten, verschwanden die Samen wieder vom Markt. Und heute? Kippen wir uns das einstige Vogelfutter als proklamiertes Superfood in unsere Müsli-Schalen.

Was beinhalten die Samen?

Der Proteingehalt von 16 Gramm Eiweiß pro 100 Gramm übertrifft andere Getreidesorten bei Weiten. Zu rund einem Drittel bestehen die Samen aus Fett - es handelt sich dabei vor allem um die mehrfach ungesättigte Fettsäure Alpha-Linolensäure, aus der Omega-3-Fettsäuren gebildet werden. Wie Pollmer erklärt, liefert Chia mehr Kalorien als die gleiche Menge eines gereiften Emmentalers. Die Inhaltsstoffe sprechen für das vermeintliche Superfood, es gibt jedoch Zweifel, dass wir diese auch wirklich komplett aufnehmen können. Immerhin enthält die Pflanze Abwehrstoffe, die die Verdauung ausbremsen.

Tatsächlich sollen sich die Klagen über die unangenehmen Nebenwirkungen in letzter Zeit häufen. Die Ursache? Laut Pollmer bindet Chia die 25-fache Menge Wasser. Bei der Einnahme frischer Samen kann es also passieren, dass diese im Darm aufquellen und Flüssigkeit aus dem Gewebe ziehen. Im Vergleich dazu: Leinsamen können nur halb so viel Wasser binden. Und schon da ist bekannt, dass sich durch den Verzehr eine kompakte Masse im Darm bilden kann. Und die kann nur noch mittels OP entfernt werden.

Welche Ersatzprodukte gibt es?

Wer den Verzehr von Chia-Samen meiden, aber trotzdem ähnliche Nährwerte aufnehmen will, sollte besser auf geschrotete Leinsamen, Rapsöl und Nüsse zurückgreifen. Die sind preiswerter und ebenfalls gute Lieferanten der wichtigen Omega-3-Fettsäuren.

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