Schwindel um Bio-Eier: Was lassen wir uns noch alles gefallen?

Erst der Pferdefleisch-Skandal, jetzt die Bio-Eier, die gar keine sind - wir Verbraucher wurden lange genug für dumm verkauft. Höchste Zeit, dass wir uns wehren.

Weil wir Massentierhaltung nicht gut finden, kaufen wir Bio- oder Freiland-Eier und kochen damit Gemüseauflauf. (Der Appetit auf Fleisch ist uns ja schon länger vergangen). Den letzten Bissen noch im Mund, erfahren wir, dass uns Millionen falsch deklarierter Bio-Eier untergejubelt wurden.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt in Niedersachsen gegen 150 Betriebe, die zu viele Tiere auf zu engem Raum gehalten haben sollen. Das ist jeder fünfte Betrieb, es geht also nicht um einzelne Ausrutscher. Und jetzt? Ein kurzer Aufschrei und dann die Rückkehr zum Alltag?

Nein, es reicht! Wie viel lassen wir uns noch gefallen, bevor wir uns zur Wehr setzen?

In den vergangenen Jahren sind viele Großbetriebe ins Geschäft mit den Bio-Eiern eingestiegen – nicht aus Überzeugung oder Tierliebe, sondern, um Profit zu machen. Viele davon produzieren gleichzeitig nach konventionellen und nach Bio-Standards. Konventionell bedeutet laut Gesetz leider häufig: Kleingruppenhaltung. Einem bis zu zwei Kilo schweren Huhn wird da gerade mal eine Fläche von 800cm2 zugestanden.

Das ist nicht viel mehr als ein größeres DinA4-Blatt – und das übrigens, nachdem die Käfighaltung verboten wurde. Genau solche Haltungsbedingungen will man als Käufer von Bio- und Freiland-Eiern nicht unterstützen. Doch gegen kriminelle Unternehmer, die uns falsch deklarierte Eier unterjubeln, sind wir beim Einkaufen kaum geschützt. Für Tierfreunde gibt es nur wenig wirklich verlässliche Alternativen: Eier direkt ab Hof kaufen, auf Eier von zusätzlich kontrollierenden Bio-Anbauverbänden wie Demeter oder Bioland setzen – oder vegan essen.

Aber das reicht nicht. An unserer Landwirtschaft muss sich grundsätzlich etwas ändern, wenn wir uns nicht weiter von einem Skandal zum nächsten hangeln wollen.

Es wird Zeit, laut zu werden! Beim Verbraucherministerium zu protestieren, und sich aktiv für mehr Verbraucher- und Tierschutz einsetzen. Ansprechpartner und Ideen gibt es hier:

Initiativen gegen Massentierhaltung und für Verbraucherschutz

Bei der Albert-Schweitzer-Stiftung, einer politisch und weltanschaulich ungebundenen Tierschutzorganisation, können Sie eine Petition gegen Massentierhaltung an den Deutschen Bundestag unterschreiben. Einfach Adresse eintragen und abschicken. So viel Zeit hat jeder: http://albert-schweitzer-stiftung.de

Foodwatch ist ein gemeinnütziger Verein, der für das Recht der Verbraucher auf qualitativ gute, gesundheitlich unbedenkliche und ehrliche Lebensmittel kämpft. Hier steht, wie Sie Foodwatch unterstützen können: http://www.foodwatch.de

Bauernhöfe statt Agrarfabriken: Das Netzwerk aus Bürgerinitiativen, Umwelt- und Tierschutzverbänden, Kirchenvertretern und der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft, setzt sich für eine zukunftsfähige, artgerechte und nachhaltige Nutztierhaltung in bäuerlicher Landwirtschaft und gegen Agrarfabriken ein. http://www.bauernhoefe-statt-agrarfabriken.de

Auch die Umweltschutzorganisation Greenpeace engagiert sich für eine Landwirtschaft, die Lebensmittel ohne Gentechnik und Schadstoffe erzeugt. http://www.greenpeace.de

Text: Monika Herbst

Wer hier schreibt:

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