Abgelaufene Lebensmittel: Restaurant rettet sie vor dem Müll

Banane mit dunklen Flecken, Joghurt über dem Datum - unschöne oder abgelaufene Lebensmittel. Dass die noch gut sind, beweist ein Restaurant in Kopenhagen.

Haben Sie schon mal abgelaufene Lebensmittel weggeworfen, die eigentlich noch gut waren? In Deutschland entsorgen Handel, Gastronomie und Privathaushalte jedes Jahr etwa elf Millionen Tonnen Lebensmittel. Jeder von uns wirft im Schnitt pro Jahr mehr als 80 Kilogramm genießbare Nahrung weg, ergab eine Studie der Universität Stuttgart. Der Grund ist in vielen Fällen die Unsicherheit über das Mindesthaltbarkeitsdatum. Die Bundesregierung hat deshalb eine Aufklärungskampagne gestartet: "Mindestens haltbar bis" bedeutet nicht, dass die Lebensmittel nach diesem Datum automatisch ungenießbar sind.

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Kampagnen sind gut gemeint, wirkungsvoller sind oftmals Taten. Das Restaurant "Rub & Stub" in Kopenhagen kocht mit Lebensmitteln, die das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten haben. Die Waren beziehen die Köche aus Supermärkten und vom Bäcker. Die Schwierigkeit dabei: Das Speiseangebot ist nicht langfristig planbar, es muss Tag für Tag neu entschieden werden, was es zu essen gibt - je nachdem, was verfügbar ist. Die zwei Köche und vielen freiwilligen Helfer wollen ein Bewusstsein schaffen für die Wegwerfmentalität in Industriestaaten. Zumal mehr als eine Milliarde Menschen auf der Welt hungern. Die Gewinne des Restaurants gehen an humanitäre Hilfsorganisationen in Sierra Leone. "Rub & Stub" - was so viel heißt wie "ganz und gar" - hat sich mittlerweile gut etabliert, doch neue Gäste fragen schon mal: "Kommt das Essen aus der Mülltonne?"

Auch in Deutschland wird gegen die Lebensmittelverschwendung mobil gemacht, etwa unter dem Motto "Zu gut für die Tonne" - eine vom Bundeslandwirtschaftsministerium gestartete Initiative. Bundesweit finden zahlreiche Aktionen statt, und es gibt die App "Zu gut für die Tonne" mit Reste-Rezepten von Spitzenköchen. Und wer immer vergisst, was im Kühlschrank gerade weg muss: Die App "EssensHüter" behält die Einkäufe samt Mindesthaltbarkeitsdatum im Blick.

Doch sind durchaus nicht alle Menschen von Anti-Wegwerf-Aktionen begeistert. Im März 2012 servierte das Restaurant "Treibhaus" in Wiesbaden unter dem Motto "Teller statt Tonne" ein Galadinner mit abgelaufenen Produkten: vegane Köstlichkeiten, zubereitet von vier Spitzenköchen. Aufgrund des Medienrummels boykottierte der Einzelhandel jedoch die Aktion, lieferte keine Ware und verschloss die Müllcontainer, an denen Mülltaucher sich normalerweise bedienen können. Die Köche mussten zum Teil auf ihre eigenen Gemüsehändler zurückgreifen. Das Dinner wurde deshalb nicht ausschließlich, aber doch auch mit abgelaufener Mindesthaltbarkeitsware und weggeworfener Ware zubereitet.

sg
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