Krumme Gurken: Kauft Gemüse mit Charakter!

Lange hatten Supermärkte Gemüse mit Schönheitsfehlern aus den Regalen verbannt. Nun kehren krumme Gurken und knubbelige Kartoffeln zurück. Warum wir dem Makel-Gemüse eine Chance geben sollten.

Wer einen Garten hat, kennt dreibeinige Möhren und herzförmige Kartoffeln. Doch im Supermarkt ist für Gemüse mit Macken kein Platz: Dort liegen die Möhren kerzengerade in Plastikschalen, makellos wie frisch aus dem Möhren-Schönheitssalon.

Womöglich sehen wir bald mehr von der Dreibein-Möhre: Unter dem Motto "Keiner ist perfekt" verkaufen Edeka und Netto jetzt Gemüse mit Schönheitsfehlern - erst einmal in einigen Testmärkten. In den Genuss der hässlichen Ernte kommen Kunden in den Regionen Südbayern, Nordbayern-Sachsen-Thüringen, Rhein Ruhr und Nord.

Lebensmittel, die ewig haltbar sind

Wir werfen viel zu viele Lebensmittel weg

Jahrzehntelang wurde hässliches Gemüse weggeworfen: Ein Fünftel der Ernte, schreibt der SPIEGEL, wird schon auf dem Bauernhof aussortiert. Während des Lagerns, Waschens, Verpackens und schließlich im Handel landet noch mehr Obst und Gemüse im Müll. Knapp 40 Prozent der Ernte kommen niemals beim Kunden an.

Dabei ist die krumme Gurke längst nicht mehr verboten, die entsprechenden EU-Normen sind bereits seit 2009 gekippt. Doch stattdessen hat der Handel freiwillige Regeln aufgestellt. Bisher hielten sich fast alle großen Supermarkt-Ketten daran, aus Angst, das hässliche Gemüse könnte Kunden verschrecken.

Höchste Zeit, dass sich das ändert. Denn: Wir werfen viel zu viele Lebensmittel weg. Das Essen, das wir in Europa wegwerfen, würde zwei Mal reichen, um alle Hungernden der Welt zu ernähren, erfahren wir in Valentin Thurns sehenswertem Film "Taste the Waste".

Eine ähnliche Idee wie Edeka mit der Initiative "Keiner ist perfekt" verfolgt Rewe mit seinen "Wunderlingen": In österreichischen Supermärkten verkauft die Handelskette derzeit Äpfel, Möhren und Kartoffeln mit Schönheitsfehlern - ebenfalls erst einmal testweise. Die Schweizer Coop-Märkte führen unter dem Namen "Ünique" schon seit Sommer Obst und Gemüse jenseits der Norm.

Warum auch nicht? Wer seine Kartoffeln ohnehin zu Kartoffelbrei verarbeiten will, braucht keine Exemplare, die einen Schönheitspreis gewinnen könnten. Die Aprikosen für Konfitüre dürfen ruhig Hageldellen haben. Und wetten, dass Kinder dreibeinige Möhren viel spannender finden als normale? Obendrein wird die Makel-Gurke sogar billiger verkauft als ihre stromlinierten Geschwister, dabei ist sie genauso gesund wie das Normgemüse und schmeckt auch genauso gut.

Längst erkannt haben das Tanja Krakowski und Lea Brumsack: Die beiden Berliner Produktdesignerinnen haben 2012 das Startup "Culinary Misfits" gegründet. Sie kaufen auf, das die Bauern der Region nicht loswerden, und verkaufen die Gemüsesonderlinge auf Wochenmärkten weiter - wie frisch vom Feld oder verarbeitet zu Suppen, Knödeln, Quiches oder Kuchen.

Hässliches Gemüse hat das Zeug zum Star

Dass hässliches Gemüse sogar das Zeug zum Star hat, beweisen drei Absolventen der Bauhaus-Uni in Weimar. Für ihre Diplomarbeit in Visueller Kommunikation erfanden sie die Marke "Ugly Fruits" und entwickelten Werbekampagnen dafür. Inzwischen gibt es Postkarten mit ihrem bizarr geformten Gemüse, ein Kalender ist geplant.

Wer sich die Bilder anschaut, sieht Gemüse mit Charakter. Es entspricht nicht dem gängigen Gemüse-Schönheitsideal. Und ist gerade deswegen interessant.

Deshalb: Kauft überdimensionale rote Beten, aufgeplatzte Radieschen, vernarbte Zucchini und knubbelige Kartoffeln, was das Zeug hält! Damit am Ende nicht doch wieder langweiliges Normgemüse im Supermarkt liegt.

Ugly Fruits - die Kampagnenmotive

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