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Leute, esst wieder mehr Fett!

Leute, esst wieder mehr Fett!
© Craevschii Family/shutterstock
Ein wissenschaftlicher Report mahnt zur Rückkehr zu Lebensmitteln mit natürlichem Fettgehalt – und will fettarme Produkte komplett verbannen.

„Die Bevölkerung dazu anzuhalten, fettarme Produkte zu essen, hat desaströse Folgen”, warnten Wissenschaftler des britischen „National Obesity Forum“ und der „Public Health Collaboration.“ Sie forderten die Behörden dazu auf, die offiziellen Ernährungsrichtlinien zu überarbeiten. Der Fokus auf fettarme Produkte lenke von den wahren Problemen ab und schaffe es nicht, die Adipositas-Krise in den Griff zu bekommen.

"Fett zu essen macht nicht fett"

Der Report mahnt zur Rückkehr zu natürlichen Lebensmitteln wie Fleisch und fetthaltigen Milchprodukten, denn: „Fett zu essen macht nicht fett.“ Laut Guardian schreiben die Autoren, dass gesättigte Fettsäuren keine Herz-Kreislauf-Krankheiten verursachten, und dass fetthaltige Lebensmittel das Herz sogar schützen könnten. Natürliche Lebensmittel wie Fleisch, Fisch, Eier, Milchprodukte, Nüsse, Oliven und Avocados hätten alle gesättigte Fettsäuren, die aber nicht schädlich seien. Die Wissenschaftler resümierten: „Die Dämonisierung natürlicher Fette bringt die Menschen weg von nahrhaften, gesunden Lebensmitteln.”

Der Feind: Kohlehydrate und Kalorienzählen

Nicht Fett, sondern Kohlehydrate und Zucker sollten vielmehr vermieden werden, ebenso wie das Kalorienzählen. Auch die Idee, dass Sport eine schlechte Ernährung ausgleichen könne, sei irreführend. Eine Ernährung mit wenig Kohlehydraten und viel gesunden Fetten sei ein effektiver Weg, um das Gewicht im Rahmen zu halten. “Sich mit Lebensmitteln mit natürlichem Fettgehalt zu ernähren, kann das Risiko, übergewichtig zu werden, sogar senken“, heißt es.

David Haslam, Vorsitzender des „National Obesity Forum“, sagte: “Als Arzt, der jeden Tag Patienten betreut, habe ich schnell begriffen, dass Richtlinien, die eine kohlehydratreiche, fettarme Ernährung propagieren, zutiefst mangelhaft sind.“ Als Beweis fügt er an, dass trotz aller Anstrengungen durch Regierung und Wissenschaft die Menschen noch nie so dick gewesen seien wie heute.

Die Autoren beschuldigen die Gesundheitsbehörden, mit der Lebensmittelindustrie unter einer Decke zu stecken. Der Einfluss der Wirtschaft, die von fettreduzierten Produkten profitiere, sei eine Bedrohung für die Gesundheit der Menschen.

Seit Jahrzehnten wird das Falsche propagiert ...

Der Kardiologe Aseem Malhotra, Mitbegründer der "Public Health Collaboration", bezeichnete Empfehlungen, die fettarme Produkte propagierten, als "den vielleicht größten Fehler" der modernen Medizingeschichte. "Unsere Bevölkerung wurde fast 40 Jahre lang einem globalen Experiment unterworfen, das dramatisch schief gelaufen ist.”

... auch in Deutschland

Die offiziellen Ernährungsempfehlungen in Großbritannien gelten unter anderem auch in Deutschland. Die „Deutsche Gesellschaft für Ernährung“ (DGE) rät etwa, „reichlich Brot, Getreideflocken, Nudeln, Kartoffeln und Reis" zu verzehren, „am besten mit möglichst fettarmen Zutaten."

Auch hierzulande fordern immer mehr Experten, wie etwa der Ernährungswissenschaftler Nicolai Worm, die Empfehlungen zu überarbeiten (zum Interview) – weg von Kohlenhydraten, hin zu mehr Fett und Proteinen. Ernährungstrends wie LowCarb und Paleo tragen den neueren Erkenntnissen bereits Rechnung.

Aseem Malhotra bringt es so auf den Punkt: "Essen Sie fett, um schlank zu werden. Haben Sie keine Angst vor Fett. Fett ist dein Freund."


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