Sind Bio-Lebensmittel wirklich besser?

Die Stiftung Warentest hat jetzt ihre Lebensmitteltests der vergangenen fünf Jahre ausgewertet. Mit überraschenden Ergebnissen.

Bio boomt weiter und trotzdem steht immer wieder die Frage im Raum, ob die naturnah erzeugten Lebensmittel den konventionellen tatsächlich qualitativ überlegen sind. In ihrer aktuellen Oktober-Ausgabe geht die Stiftung Warentest dieser Frage auf den Grund. Ein Resümee der Lebensmitteltests der vergangenen fünf Jahre soll zeigen, wer in diesem Zeitraum unter dem Strich besser abgeschnitten hat: das ökologisch oder das konventionell erzeugte Produkt.

Die erste Bilanz klingt ernüchternd: Vergleicht man die Gesamtnoten der Tests, liegen Bio und Standard gleichauf. Schaut man genauer hin, lassen sich allerdings ganz klare Stärken einzelner Bioprodukte erkennen:

Bei gar nicht oder nur geringfügig verarbeiteter Ware wie frischem Obst und Gemüse, Tee oder Fruchtsäften liegt die Bio-Fraktion eindeutig vorne. Im Gegensatz zur konventionellen Ware wurden so gut wie keine Pestizidrückstände nachgewiesen. Das schont nicht nur die Gesundheit des Konsumenten, sondern auch unsere Umwelt.

Seit zwei Jahren prüft die Stiftung Warentest in einigen Sparten auch die "Corporate Social Responsibility", also die ökologische und soziale Verantwortung der Unternehmen per Fragebogen und Betriebsbesichtigung. Dabei wird zum Beispiel die artgerechte Tierhaltung und nachhaltige Landwirtschaft (Erhaltung des Kreislaufs von Boden, Pflanze und Tier) bewertet. Hier schneiden die Bioproduzenten durchweg gut ab – ganz im Gegensatz zu den konventionellen Herstellern, die zum Teil gar die Auskunft verweigerten.

Aber Bio hat auch seine Schwächen: Schwer mithalten konnten Bioprodukte im Rückblick, wenn es um stärker verarbeitete Lebensmittel ging. Da viele Hersteller aus Überzeugung weitestgehend auf Zusatzstoffe verzichten, lagen viele Bioprodukte bei der sensorischen Bewertung hinten.

Ohne Emulgatoren und Stabilisatoren wird’s halt nicht so cremig. Und werden bestimmte chemische Zusätze durch natürliche Zutaten wie Kräuter ersetzt, geht das oft auf Kosten des natürlichen Eigengeschmacks der Produkte. So sind Biokartoffelpürees meist zu kleistrig oder der Kartoffelgeschmack leidet durch Zugabe von Knoblauch, Liebstöckel etc. Und eine Kreation wie Bio-Cappuccinopulver erzeugt nur grobporigen Schaum in der Tasse. Auch optisch gibt es mitunter Einbußen, wenn der ungepökelte Kochschinken in unappetitlichem Grau im Regal liegt.

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Ein Ungleichgewicht herrscht aus denselben Gründen in Punkto Haltbarkeit: Der Verzicht auf Konservierungsstoffe verkürzt die Lebensdauer vieler Produkte. Da der Handel die Ware aber aus wirtschaftlichen Gründen so lange wie möglich im Regal stehen haben möchte, sehen sich viele Biohersteller gezwungen, ein "verkaufsförderndes" Mindesthaltbarkeitsdatum anzugeben. Dieses Datum wird nicht immer erreicht: Häufiger als die konventionellen Produkte machen Biolebensmittel schon vor dem aufgedruckten Termin schlapp. Erhöhte Keimzahlen fanden die Tester vor allem bei Fleisch, Fisch und Milcherzeugnissen.

Wogegen die Produkte aus beiden Sparten nicht gefeit sind, sind Rückstände von Weichmachern aus Flaschendeckeln im Speiseöl, Schimmelpilzgifte im Brot sowie den Stoff Acrylamid, der durch hohes Erhitzen zum Beispiel beim Backen oder Frittieren im Lebensmittel entsteht.

Fazit: Je weniger ein Lebensmittel verarbeitet ist, desto mehr lohnt es sich, auf Bioware zu setzen. Gerade für regionale Produkte und Grundlebensmittel wie Teigwaren oder Säfte muss man zudem kaum mehr bezahlen als für das konventionell produzierte Markenprodukt. Bei leicht verderblichen Produkten wie Fleisch, Fisch und Milchprodukten ist Bio ebenfalls erste Wahl. Vorausgesetzt, man achtet beim Kauf auf gute Kühlung und Hygiene und reizt das Mindesthaltbarkeitsdatum möglichst nicht bis zum Ende aus.

Wer Fertigprodukte in Bioqualität haben will, muss ein bisschen rumprobieren. Es gibt durchaus Bioprodukte, die geschmacklich in der ersten Liga spielen. Aber viele sind es nicht. Doch wenn wir ehrlich sind, passt Fast Food und Bio auch nicht wirklich zusammen, oder?

Text: Wiebke Schürmann Foto: dreamstime.com
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