Stoffwechselumstellung: Jetzt mehr Energie!

Sie war ständig müde, kämpfte mit Magenproblemen und wollte ein paar Kilo los werden. Dann hörte Maria Christina Gabriel von Stoffwechselumstellung - und wollte herausfinden, ob die geänderte Ernährung ihre Probleme löst.

Zugegeben, ich liebe die Ordnung. Wenn alles seinen Platz hat, ich schnell finde, was ich suche, ablegen, beschriften und einordnen kann, bin ich erst so richtig zufrieden. Ordnung ist Kontrolle und Kontrolle kann so herrlich befriedigend sein. Während ich meinen Alltagskram ganz wunderbar verwalten kann, erinnerte mein Inneres mich jedoch lange Zeit eher an ein ausgewachsenes Chaos. Ordnung und Zufriedenheit waren bei meiner inneren Balance leider so gar nicht anzutreffen. Ich fühlte mich energielos, war ständig müde, meine Haut war blass und einige Kilos zuviel tummelten sich an Bauch, Po und Beinen. Außerdem hatte ich ziemlich beharrliche Magenprobleme, die mein Leben ganz schön einschränkten.

An einem kalten Dezembermorgen im vergangenen Jahr zog ich die Notbremse. Mir war klar: So geht es nicht weiter. Es wurde Zeit, mein Leben umzustellen - meiner Gesundheit zuliebe. Eine Stoffwechselumstellung sollte mir helfen, meinem Ziel von einem gesünderen Lebensstil näher zu kommen. Durch einen individuellen Ernährungsplan soll der Stoffwechsel neu eingestellt, das innere Gleichgewicht wieder hergestellt und das Immunsystem gestärkt werden. Soweit die Theorie.

"Die meisten Menschen, die das Programm machen, bezeichnen ihren Zustand nicht als krank" erklärt mir Heilpraktikerin Sybille Terrahe. "Ihnen fehlt es viel eher an Vitalität und Energie. Der Kernpunkt ist, bildlich gesprochen, sich wieder aufzurichten und auszurichten." Damit das funktioniert, soll der verlangsamte Stoffwechsel durch eine individuelle und optimale Lebensmittelauswahl neu und effizienter eingestellt werden. Die Heilpraktikerin fragt dafür auch nach meinem Alltag. Wann stehe ich auf, was esse ich, wann und wie viel davon, bewege ich mich regelmäßig und wie gehe ich mit Stress um? Ich denke an mein Morgenbrötchen, das ich meist hektisch auf dem Weg zur Arbeit runterschlinge, die Schokolade und Gummibärchen, die den Nachmittag versüßen und die leckere Pasta am Abend - und bekomme ein schlechtes Gewissen.

Für die Erstellung meines individuellen Ernährungsplanes wird mir Blut abgenommen, dann werden mein Gewicht und die Zusammensetzung von Fett, Wasser, Muskeln und Knochen in meinem Körper gemessen. Die Analyse der Werte wird später die Basis für meinen Ernährungsplan sein. Ein bisschen fühlt sich das Programm an wie eine Maßanfertigung. Ein Plan ganz auf mich zugeschnitten. Einzige Frage: Wird der Entwurf passen?

In Zukunft wird mein Essverhalten einem klaren Rhythmus unterliegen. Drei Mahlzeiten täglich, dazwischen vier bis sechs Stunden nichts essen. Morgens stehen Sojajoghurt, Knäckebrot oder Eier auf meiner Speiseliste. Mittags und abends kombiniere ich Fleisch, Fisch oder Käse mit Gemüse. Die Portionen bekommen eine klare Größenvorgabe. Nur morgens darf ich essen, bis ich satt bin. Trotz aller Individualität gilt für alle Stoffwechselumsteller: Kein Zucker, keine Kohlenhydrate, kein Alkohol und vor allem kein Brot. Mindestens sechs Wochen lang. Schluck.

Außerdem soll ich in Zukunft früher aufstehen und lernen, zu Hause zu frühstücken. Eine Stoffwechselumstellung regelt sich nicht nur über die Ernährung. Ich muss mein Leben, meine Gewohnheiten betrachten, um herauszufinden, wo ich Blockaden auf meinem Weg habe. Die Heilpraktikerin legt mir nahe, ein Ernährungstagebuch zu führen und aufzuschreiben, wie ich mich fühle und wie es mit dem Essen klappt.

Nach einer Darmentleerung und zwei Obst- und Gemüse-Tagen geht es los. Motiviert folge ich als brave Rekrutin meinem strikten Ernährungsplan. In den ersten Tagen fühle ich mich gestresst, ausgelaugt, gereizt. Ich bin noch blasser um die Nase und habe Hunger. Kleine Pickelchen kommen und gehen. Ich erlebe einen Nahrungs-"Cold-Turkey" und träume von Riesen-Toffifees, durch deren Schichten ich mich langsam kaue. Auch sonst bin ich ziemlich unentspannt.

Noch vor der Arbeit laufe ich mit meinem Ernährungsplan über den Markt, um mich mit Obst, Gemüse und Fleisch zu versorgen. Wie konnte ich so leichtsinnig sein und mein neues gesundes Leben im Januar starten? Zucchini kosten mindestens vier Euro und ein richtiges Angebot gibt es nur an Grünkohl und Pilzen - die stehen aber leider nicht auf meiner Nahrungsliste. Eben dieses Aussparen von Nahrungsmitteln sieht Frau Prof. Dr. Klaus vom Deutschen Institut für Ernährung (DIfE) als Problem. "Ein Ernährungsprogramm, bei dem man eine Liste mit Sachen bekommt, die man essen darf und welche, die man vermeiden soll, ist mir suspekt. Verträgt man die Lebensmittel, sprich, man hat keine Allergien oder Unverträglichkeiten, ist nicht einzusehen, warum man bestimmte Sachen nicht essen darf." Ich frage mich, wie viel mein neues, gesünderes Leben eigentlich kosten soll und lerne, dass so eine Umstellung ziemlich weitreichende Folgen hat.

Die empfohlene zusätzliche Bewegung in meinen Alltag einzubauen, schaffe ich in den ersten Wochen gar nicht. Ich bin beschäftigt mit der Nahrungsanschaffung, Kochen und Arbeiten und falle noch vor zehn Uhr ins Bett. Angenehmerweise schlafe ich jedoch bereits nach den ersten Tagen viel besser und bin morgens richtig fit. Überhaupt habe ich mehr Energie und mein Magen scheint auch langsam Ruhe zu geben. Keine Schmerzen mehr, kein Unwohlsein. Ich bin erstaunt über die Veränderungen in meinem Körper und habe langsam richtig Spaß an dem Programm.

Nach vier Wochen hat der Hunger deutlich nachgelassen und mit drei Kilos leichter bewege ich mich viel fröhlicher durchs Leben. Dennoch - nach einem stressigen Tag spüre ich manchmal immer noch den Drang, mich mit Schokolade und einem Buch zurückziehen zu wollen. "Unser Essverhalten ist unglaublich stark durch Gewohnheiten gekennzeichnet. Ich esse bestimmte Nahrungsmittel, weil ich diese immer gegessen habe und denke gar nicht mehr bewusst darüber nach. Genau das ist aber der Schlüssel", sagt Ernährungsexperte Dr. Thomas Ellrott von der Ernährungspsychologischen Forschungsstelle der Universität Göttingen. "Entscheidend ist nicht, wie schnell sich der Stoffwechsel umstellt, sondern wie lange ich brauche, um meine Gewohnheiten so zu ändern, dass sie krisensicher sind. Das kann deutlich länger dauern als ein paar Wochen." Ich mache mir erste Gedanken, wie ich den Jojo-Effekt überlisten kann, denn die neu gewonnene Balance möchte ich auf keinen Fall wieder verlieren. Mir ist klar: Die größte Herausforderung kommt erst noch.

Nach sieben Wochen ziehe ich Bilanz. Mit der Stoffwechselumstellung habe ich Höhen und Tiefen erlebt, wurde auf Partys mit einem Pappbecher Mineralwasser in der Hand zum sozialen Sonderling und habe trotzdem durchgehalten. Worauf ich besonders stolz bin: Endlich komme ich ganz ohne Magenmedikamente aus, habe fünf Kilo verloren und fühle mich richtig wohl in meiner Haut. Wie ich meine neu gewonnene Balance auf Dauer halten kann, weiß ich noch nicht. Aber ich bin mir ganz sicher, ich werde es rausfinden. Für mich war die Stoffwechselumstellung der erste Schritt in die richtige Richtung. In Zukunft darf ich laut meines Ernährungsplanes mehr Lebensmittel essen, endlich wieder meine geliebte Weinschorle trinken und auch mal Schummeltage haben. Die sollen aber auf keinen Fall wieder zur Gewohnheit werden, denn meine neue erlangte Lebensqualität ist mittlerweile der wichtigste Punkt auf meiner Tagesordnung.

Info: Für den Artikel wurde das Stoffwechselprogramm in der Naturheilpraxis Lehmweg in Hamburg (www.naturheilpraxis-lehmweg.de) angewandt. Bundesweite Anbieter finden Sie unter www.gesund-aktiv.com.

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Text: Maria Christina Gabriel Fotos: Theresa Rundel
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