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Brustkrebs, Allergien: Wie gesund ist Soja?

Brustkrebs, Allergien: Wie gesund ist Soja?
© Diane Labombarbe/iStockphoto
Statt Fleisch, Milch oder Käse kommt bei vielen Menschen Soja auf den Tisch. Die Nachfrage hat enorm zugelegt. Doch es gibt Kritik: Soja sei gar nicht so gesund. Sieben Fakten zur Bohne.

Ist Soja so wertvoll wie ein kleines Steak?

Soja-Eiweiß ist weniger hochwertig als Fleisch-Eiweiß, wird aber genauso wertvoll, wenn man es mit Getreide zusammen isst. Nachteil Soja: Das Eisen aus der Bohne wird nicht so gut vom Körper verwertet wie bei Fleisch, und das wichtige Vitamin B12 fehlt. Vorteil Soja: Es ist cholesterinfrei und liefert Ballaststoffe - das hat Fleisch nicht zu bieten.

Kann sojareiche Ernährung eine Allergie auslösen?

Je nach Veranlagung schon. Aber die meisten Menschen vertragen Soja gut. Die Allergologin Dr. Regina Treudler von der Uniklinik Leipzig schätzt, dass etwa drei bis fünf Prozent der Deutschen gegenüber Soja sensibilisiert sind. Besonders oft trifft es Birkenpollen-Allergiker: 70 Prozent von ihnen entwickeln eine Kreuzallergie gegen Nahrungsmittel wie Obst, Gemüse, Nüsse - oder eben Soja.

Vor allem Diätdrinks auf Sojabasis und Sojadrinks ("Sojamilch") können dann gefährlich werden, warnt Regina Treudler. "Man nimmt in kurzer Zeit eine relativ große Menge des möglichen Allergens zu sich. Das kann sich bis zum allergischen Schock auswirken", so die Ärztin. Menschen, die auf Birkenpollen allergisch reagieren, sollten im Zweifel einen Allergietest machen lassen.

Auch von Schilddrüsenerkrankungen ist die Rede ...

Tatsächlich stehen isolierte Isoflavone in Pillenform (die Pflanzenhormone der Sojabohne) im Verdacht, die Funktion der Schilddrüse zu beeinträchtigen. Mögliche Folgen: Kropfwachstum und Schilddrüsen-Unterfunktion. Allerdings gilt das bisher nur für Isoflavone, die als Pille eingenommen werden. Und die Erkenntnisse stammen aus Tierversuchen, Humanstudien fehlen. Prof. Josef Köhrle, Endokrinologe an der Berliner Charité, rät daher, auf eine gute Jodversorgung zu achten (jodiertes Salz, Seefisch, Algen), um einem möglichen Soja-Einfluss entgegenzuwirken.

Erhöhen Sojapillen das Brustkrebs-Risiko?

Um Wechseljahres-Beschwerden wie Hitzewallungen oder Schlafstörungen zu vermeiden, greifen viele Frauen zu Soja-Isoflavonen. Das Problem: "Wegen ihrer östrogenen Wirkung hatten wir lange Zeit Sorge, dass sie das Wachstum von Brustkrebszellen fördern könnten", sagt Prof. Sabine Kulling vom Max-RubnerInstitut. Neue Humanstudien stimmen eher optimistisch: Hier gab es keine Hinweise auf ein erhöhtes Risiko, auch nicht bei Brustkrebs-Patientinnen.

Dennoch sieht Kulling die Pillen eher kritisch: "Der Gehalt an pflanzlichen Hormonen und die Zusammensetzungen variieren stark, unerwünschte Effekte kann man deshalb nicht völlig ausschließen." Zudem sei die Wirksamkeit der Präparate bei Wechseljahres-Beschwerden nicht überzeugend nachgewiesen. Für Soja-Lebensmittel wie Tofu gibt Kulling aber grünes Licht: "Nach allem, was wir heute wissen, reduziert eine lebenslange sojareiche Ernährung eher das Risiko einer Brustkrebserkrankung."

Stimmt es, dass Soja Männer impotent machen kann?

"Bei Asiaten, die traditionell am meisten Sojaprodukte verzehren, gibt es keinerlei Hinweise auf Probleme mit der Fruchtbarkeit", so der Biochemiker Prof. Patrick Diel von der Deutschen Sporthochschule Köln, die derzeit an einem bundesweiten Forschungsprojekt zu Soja-Isoflavonen teilnimmt. Hormonell wirksame Substanzen kommen auch in anderen Lebensmitteln natürlicherweise vor, zum Beispiel Lignane in Leinsamen oder Sesam; aber auch Bier, Milch und Fleisch enthalten solche Stoffe.

Fördert Soja Demenz?

Es gibt einzelne Berichte, wonach Asiaten, die viel Tofu essen, eine schlechtere Gedächtnisleistung haben. Es gibt aber auch zahlreiche gegenteilige Forschungsergebnisse. "Bewiesen ist hier nichts", sagt Sabine Kulling vom Max-Rubner-Institut. Ihr Fazit aus der aktuellen Studienlage: "Wenn überhaupt ein Effekt messbar ist, scheint Soja die Denkleistung eher zu verbessern."

Taugt die Bohne als Dauerkost für Kinder?

"Im Prinzip darf jedes Kind Tofu essen", sagt der Kinder- und Jugendmediziner Prof. Berthold Koletzko. Der Gehalt an pflanzlichen Hormonen in Soja-Lebensmitteln sei unproblematisch. Einzige Ausnahme: "Wenn Babys damit gefüttert werden, nehmen sie, bezogen auf ihr Körpergewicht, große Mengen an Soja zu sich", sagt Prof. Mathilde Kersting vom Forschungsinstitut für Kinderernährung. Babys, die nicht oder nicht voll gestillt wurden, sollten besser Säuglingsnahrung auf Kuhmilch-Basis bekommen.

Leckere Rezepte mit Tofu

Text: Monika Herbst Ein Artikel aus der BRIGITTE

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