Vorsicht, Listerien!

Sechs Menschen sind gestorben, nachdem sie mit Listerien verunreinigten Käse gegessen haben. Wie Sie sich vor Listerien schützen und was Sie wissen sollten.

Was sind Listerien?

Listerien sind Bakterien, die in der Erde vorhanden sind. Gelangen sie auf Lebensmittel, vermehren sie sich dort und können so für den Menschen gefährlich werden.

Wie gefährlich sind Listerien?

Jungen und gesunden Menschen können Listerien zum Glück nicht viel anhaben. In der Regel wehrt das Immunsystem die Bakterien ab, ohne dass der oder die Betroffene überhaupt etwas merkt.

Schaffen es die Keime jedoch, sich am Abwehrsystem vorbeizuschmuggeln und in den Darm zu gelangen, wird es unangenehm: Der Körper reagiert mit Fieber, Schüttelfrost, Abgeschlagenheit und Kopfschmerzen, also ähnlich wie bei einem grippalen Infekt. Behandelt wird eine Infektion mit Listerien mit Antibiotika.

Wirklich gefährlich kann die Erkrankung für alte und kranke Menschen werden. Es drohen Blutvergiftung oder Hirn- bzw. Hirnhautentzündung - im schlimmsten Fall mit Todesfolge. Auch bei Schwangeren kann eine Infektion schwerwiegende Folgen haben.

Warum sind Listerien vor allem für Schwangere gefährlich?

Im Gegensatz zu anderen Bakterien können Listerien die Plazenta infizieren und dadurch zum Fötus gelangen. Dem Baby fehlen die Abwehrmechanismen. Im schlimmsten Fall stirbt es im Mutterleib.

Wo sind Listerien enthalten?

Am gefährlichsten sind Listerien in Lebensmitteln. Die Bakterien kommen zwar auch im Darm oder in der Scheide vor und auf Oberflächen wie Türklinken oder Telefonhörern, doch die Gefahr einer Infektion geht vor allem vom Essen aus.

Aufpassen sollte man vor allem bei Lebensmitteln wie Weich- und Frischkäse (z.B. Camembert, Brie, Feta), bei roher Milch und Rohmilchkäse, bei rohem Fleisch und Wurst (z.B. Salami, Tatar). Und was viele nicht wissen: Auch grüner Salat, Mayonnaisen und Meeresfrüchte sind oft befallen.

Wie gelangen Listerien in den Käse?

Es gibt zwei Möglichkeiten: Beim Rohmilchkäse gelangen Bakterien über die Milch in den Käse. Bei diesen speziellen Käsesorten wird die Milch nicht pasteurisiert, also erhitzt, möglicherweise vorhandene Bakterien werden deshalb nicht abgetötet.

Für den Harzer Käse, der kein Rohmilchkäse ist, muss es jedoch eine andere Erklärung geben. Gernot Geginat, Professor für medizinische Mikrobiologie am Institut für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene der Uni Heidelberg erklärt, dass eine Verunreinigung auch von außen möglich ist. Schuld können Hygienemängel bei der Produktion sein. "Der Harzer Käse wird von einer Rotschmiere umgeben. Wenn man den Käse länger liegen lässt, vermehren sich darin enthaltene Listerien", sagt der Experte.

Und das ist nicht einmal etwas Besonderes: "Es gibt sicherlich viele Lebensmittel im Handel, die eine geringe Menge an Listerien enthalten. So ist beispielsweise auch Räucherlachs häufig mit Listerien verunreinigt". Das Problem: Bei längerer Lagerung erhöht sich die Bakterienmenge und kann uns damit gefährlich werden.

Wie häufig kommen Erkrankungen mit Listerien vor?

Gar nicht so selten. Allein in 2008 wurden dem Robert-Koch-Institut 306 Fälle gemeldet. Meldepflichtig sind nur schwere Fälle, bei denen entweder ein Fötus abgegangen ist oder es eine Blutvergiftung oder Hirn- bzw. Hirnhautentzündung gab.

Wie kann ich mich schützen?

Wie bei der Schweinegrippe ist auch bei Listerien Hygiene das Wichtigste. Waschen Sie sich regelmäßig die Hände, vor allem nach dem Gang auf die Toilette und vor dem Essen. Wichtig: Verwenden Sie beim Abtrocknen saubere Handtücher.

Auch in der Küche können Sie die Gefahr einer Infektion verringern, indem Sie Essen gut durcherhitzen, Tiefgefrorenes möglichst schnell auftauen (z.B. in der Mikrowelle) und grünen Salat besonders sorgfältig waschen. Denken Sie daran, Messer und Schneidebretter immer zu reinigen, bevor sie sie für ein anderes Lebensmittel verwenden (Achtung: Schneidebretter regelmäßig erneuern, in Rillen bleiben Bakterien haften).

Bei einer Verunreinigung von außen, wie beim Harzer Käse geschehen, hilft es nur, wenn man die Käseschmiere sicherheitshalber abschneidet. Denn dort und in weichen und frischen Käsesorten vermehren sich die Bakterien am schnellsten.

Text: Monika Herbst Foto: iStockphoto/ fotolia

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