Zu viele Fische im Netz

Warum Umweltschutzorganisationen wie Greenpeace und WWF mit den neuen Fischfangquoten für 2008 unzufrieden sind, wie es um die Bestände der meistgekauften Fische in Deutschland steht und worauf Sie beim Einkauf achten sollten, lesen Sie hier.

Rund 80 Prozent der Fischbestände gelten heute als überfischt. Vor allem der industrielle Fischfang dezimiert die Fischpopulation radikal: 90 Prozent des Bestandes an Tunfisch, Schwertfisch oder Heilbutt sollen bereits aus den Meeren verschwunden sein. Greenpeace kritisiert, dass die EU die Empfehlungen der Meereswissenschaftler ignoriert und Jahr für Jahr zu hohe Fangquoten festlegt: "Beim Kabeljau hat sich der Bestand gerade leicht erholt und sofort wurde die Quote wieder erhöht", sagt die Biologin und Greenpeace-Mitarbeiterin Dr. Iris Menn.

Die Umweltschutzorganisation fordert von der Politik, Schutzgebiete einzurichten, schonendere Fangmethoden durchzusetzen und sich endlich an die Empfehlungen der Wissenschafter zu halten.

Aber nicht nur die Politik ist gefragt, sondern auch die Supermärkte und die Verbraucher.

Greenpeace hat deshalb an elf Supermarkt-Ketten und Discounter Fragebögen geschickt, um herauszufinden, wie gut der Kunde beim Fischkauf informiert wird. Und ob die Händler darauf achten, ob sich eventuell gefährdete Fischarten in ihrem Angebot befinden. Positiv: Die Händler haben die ersten Schritte getan, um einen nachhaltigen und transparenten Fischeinkauf zu ermöglichen. Trotzdem werden in vielen Geschäften nach wie vor gefährdete Bestände wie Kabeljau, Scholle oder Rotbarsche angeboten - und die Beschriftung hilft dem Kunden bislang wenig weiter.

Am besten abgeschnitten haben die Supermärkte Norma, Kaufland und die Metro-Gruppe, Schlusslichter sind Edeka, Netto und Kaiser's/ Tengelmann - und die Unternehmensgruppe Bünting (famila, combi), die als Einzige nicht bereit war, den Fragebogen auszufüllen. Die Discounter Lidl und Aldi finden sich gemeinsam mit Rewe im Mittelfeld.

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Die beliebtesten Fischarten - können wir sie noch essen?

Die Favoriten in deutschen Einkaufskörben sind Alaska-Seelachs (mit einem Marktanteil von über 25 Prozent), Hering (17,5 Prozent), Lachs (11,3 Prozent) und Thunfisch (10,7 Prozent). Wie beurteilt Greenpeace den Bestand der Fischarten, die bei uns am beliebtesten sind?

Soviel vorweg: Die beste Bewertung, die Greenpeace vergibt, ist ein "akzeptabel". Nur der Verzehr des Karpfens gilt aus Sicht der Umweltschützer als ökologisch vollkommen unbedenklich, ansonsten kann man lediglich das kleinere Übel wählen.

Alaska-Seelachs (kritisch): Wir essen diesen Fisch oft, ohne es zu wissen: Er steckt in Fischstäbchen und Schlemmerfilets. Die russischen Bestände gelten als überfischt, Ware aus China als qualitativ minderwertig. Wer auf Alaska-Seelachs dennoch nicht verzichten will, sollte auf Ware aus US-Fischerei achten (am Zertifikat des Marine-Stewardship Council zu erkennen).

Hering (akzeptabel): Unbesorgt zugreifen können Sie bei Hering aus Norwegen, aus der Nordsee und der westlichen Ostsee, dort ist der Fischbestand derzeit nicht gefährdet - die zentrale Ostsee gilt dagegen als überfischt. Die anderen "akzeptablen" Alternativen sind - neben den bereits erwähnten Karpfen - auch Seelachs und Makrele. Rezepte für diese Fische finden Sie hier.

Lachs (katastrophal): Unser Lachs kommt überwiegend aus norwegischer Aquakultur, wird also in abgetrennten Gehegen gezüchtet. Diese Methode wirkt zwar einer Überfischung entgegen, hat aber auch große Nachteile: So verdrängen entflohene Zuchtlachse weltweit wilde Artgenossen und verbreiten Krankheiten. Das Wasser wird durch Futterreste und Fäkalien verschmutzt. Zumindest der in Verruf geratene Einsatz von Antibiotika ist zurückgegangen, da die Lachse inzwischen verstärkt geimpft werden. Die Alternativen: Lachse aus Öko-Aquakultur oder pazifischer Wildlachs. Letzterer ist am Zertifikat des Marine-Stewardship Council zu erkennen.

Thunfisch (katastrophal): Am besten die Finger weglassen. Thunfisch wird mit Hilfe der so genannten Langleinenfischerei ins Netz geholt. Das bedeutet rund 40 Prozent Beifang! In der Regel sind es Haie, Schildkröten oder Vögel, die schwer verletzt oder tot aus dem Netz geholt und ins Meer zurückgeworfen werden. Aufdrucke wie "Delfinfreundlich gefangen" hält Greenpeace für Augenwischerei. Einige Bestände der Sushi-Art "Roter Tun" stehen bereits auf der Roten Liste der gefährdeten Arten. Fast alle Bestände sind überfischt. Zu den Ausnahmen gehören der Gelbflossentun aus dem Pazifik und der Weiße Tun aus dem Ostpazifik.

Fazit: Wer gerne Fisch ist, sollte vor allem Karpfen, Hering, Seelachs und Makrele wählen und ansonsten auf die Kennzeichnung des Marine-Stewardship-Council achten.

Zum Weiterlesen

WWF-Fischführer (ideal fürs Portemonnaie: Der Fischführer bietet sehr übersichtlich Unterstützung beim Einkauf, wie den Verweis auf das Logo des Marine Stewardship Council): www.wwf.de

Greenpeace-Fischratgeber (ideal zum an die Wand hängen: Ein Ratgeber für alle, die sich genauer informieren wollen. Neben Empfehlungen zum Fischkauf gibt es auch Infos über Haltung und Fangmethoden): www.greenpeace.de

Das vollständige Greenpeace-Supermarktranking finden Sie hier.

Text: Monika Herbst Foto: Jörg Carstensen/ dpa

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