VG-Wort Pixel

Richtig fasten: Schritt für Schritt Anleitung

Richtig fasten: Das müsst ihr wissen
© Ksenija Ok / Shutterstock
Du willst richtig fasten? Hier erfährst du, was du generell übers Fasten wissen solltest. Außerdem beantworten wir die zehn wichtigsten Fragen!

Was bedeutet "richtig fasten"?

Wer richtig fasten möchte, sollte in diesem Zusammenhang das Stichwort Diät schleunigst streichen: Vielmehr steht die innere Reinigung im Vordergrund. Beim Heilfasten werden rund fünf Prozent geschädigter Körperzellen abgebaut, fanden Forscher heraus. Eingelagerte Giftstoffe werden aus den Zellen gelöst und über unsere Entgiftungspolizei, Leber, Darm, Niere, Lunge und Haut, ausgeschieden. Der Darm wird einmal kräftig durchgeputzt und das Verdauungssystem entlastet. Dadurch kann sich das Heilfasten auch positiv auf verschiedene Erkrankungen auswirken, beispielsweise Verdauungsbeschwerden oder Migräne.

Die Anleitung fürs richtige fasten

Wer richtig fasten möchte, sollte seine Kur gut planen. Viele Fastenanhänger nutzen die klassische Fastenzeit, generell lässt sich das Heilfasten aber jederzeit durchführen. Es gibt nicht die eine richtige Form fürs Fasten, sondern verschiedene Methoden, aus denen man die wählen kann, mit der man am besten zurechtkommt. Beliebt sind besonders das Buchinger Fasten oder Detox.

Generell gilt, dass man sich eine möglichst entspannte Zeit zum Fasten aussuchen sollte. Das bedeutet, weder beruflich noch privat sollte man gerade stark unter Stress stehen. Zwar muss man nicht unbedingt freinehmen, da sich aber beim Start des Fasten durchaus unangenehme Beschwerden wie Kreislaufprobleme oder leichte Kopfschmerzen einstellen können, kann es durchaus sinnvoll sein, den Großteil der Fastenzeit zu Hause zu verbringen.

Die richtige Vorbereitung zählt

Wichtig ist auch, dass man bereits vor der Fastenkur alles zu Hause hat, was man braucht. Je nach Fastenmethode kann beispielsweise feste Nahrung in Form von gesunden Lebensmitteln wie Obst oder Gemüse erlaubt sein. Wer Saftfasten machen möchte, kann die Säfte in Form einer Kur im Internet bestellen oder sie selbst herstellen. Da viele Fastenkuren mit einer Darmreinigung starten, sollte man auch dafür alles im Haus haben. Je nach Methode der Darmreinigung beispielsweise Bittersalz.

Durch sogenannte Entlastungstage vor der eigentlichen Fastenkur stellst du deinen Körper auf das bevorstehende Fasten ein. Bestenfalls konsumierst doch jetzt schon keine Genussmittel wie Alkohol oder Zigaretten mehr und schonst deine Verdauung mit leichten und kleinen Mahlzeiten. Gut geeignet sind beispielsweise kleine Portionen Haferflocken (alternativ Reis) mit etwas gedünstetem Obst oder Gemüse. Die Entlastungstage sollten ein bis zwei Tage lang sein und können mit einer Darmreinigung zum perfekten Start für das Heilfasten beendet werden.

Muss ich eine Darmreinigung machen?

Eine Darmentleerung ist zwar kein Muss, wird aber zum Start des Heilfastens von vielen Anwendern empfohlen. Denn die Darmtätigkeit nimmt beim Fasten ab, weil kaum noch Nahrung in den Darm gelangt. Außerdem soll ein leerer Darm das Hungergefühl mindern.

Was muss ich noch wissen?

Für Anfänger wird oft eine Fastendauer von etwa sieben Tagen plus Entlastungs- und Aufbautagen empfohlen. Je nach Methode sind beim Fasten unter Umständen bis zu 500 Kalorien täglich erlaubt, damit keine Muskel abgebaut werden. Diese Kalorien erreicht man beispielsweise mit Gemüsebrühe und mehreren Gläsern Saft. Besonders wichtig ist die Flüssigkeitsaufnahme während der Fastenkur. Beim Heilfasten sollte man mindestens zwei bis drei Liter stilles Wasser täglich trinken, auch ungesüßte Kräutertees sind erlaubt.

Abgesehen von der Ernährung spielt auch die Entspannung beim Heilfasten eine große Rolle. Wer richtig fasten will, sollte sich also beispielsweise Zeit für beruhigende Bäder nehmen. Auch leichte Bewegung ist beim Fasten wichtig. Besonders Yoga eignet sich gut, aber auch generelle Entspannungstechniken wie Autogenes Training.

Fastenbrechen und Aufbautage

Sind die Fastentage um, kommt das sogenannte Fastenbrechen, meist in Form eines geriebenen Apfels oder einer gekochten Kartoffel. Und an das Fastenbrechen schließen sich die Aufbautage an. Das heißt, man beginnt nun langsam wieder, den Darm an Nahrung zu gewöhnen. Wichtig ist, dass man ihn nicht sofort mit schweren Lebensmitteln überfordert, er muss erst wieder in Schwung kommen. Auf fettige Pizza oder Pasta sollte man dem entsprechend lieber verzichten und auf leichte Mahlzeiten, beispielsweise in Form von gekochtem Reis und etwas Gemüse, setzen.

Die zehn wichtigsten Fragen zum Fasten

Damit wirklich keine Fragen mehr offenbleiben, beantworten wir noch einmal die häufigsten Fragen zum Thema Fasten:

1. Wie lange und wie oft darf ich fasten?

Einmal im Jahr sieben Tage lang fasten (plus Entlastungs- und Aufbautage) – das ist ein gutes Maß, vor allem für Anfänger*innen. Wer sich nach einer Woche Fastenkur leistungsfähig und gut fühlt, kann auch noch ein paar Tage dranhängen. Allerdings sollte man sich dann auch mehr Zeit für den Übergang in die normale Ernährung nehmen, empfohlen wird ein Aufbautag pro drei Fastentage. Wer mehr als einmal jährlich oder länger als zwei Wochen fasten möchte, sollte das nicht ohne ärztliche Beratung und Begleitung tun.

2. Ist es sinnvoll, das Fasten mit meinem Alltag zu vereinbaren?

Ob du fasten möchtest, während die alltäglichen Anforderungen in Beruf und Familie weitergehen, ist eine ganz individuelle Entscheidung. Das Fasten zu Hause hat sicher Vorteile: Es kostet weder Zeit noch Geld, und es bietet die Chance, die neuen Erfahrungen und Lebensgewohnheiten auch in der Zeit danach in den Alltag hinüberzuretten. Wer zum Fasten wegfährt, hat hingegen mehr Möglichkeiten, sich ganz auf sich selbst zu konzentrieren. Angebote dazu gibt es in Form von Fastenseminaren, Fastenreisen oder Fastenkliniken. Die Krankenkassen übernehmen die Kosten für solche Programme allerdings nur in wenigen Ausnahmefällen.

3. Verändert das Fasten meinen hormonellen Status?

Beeinflusst es meine Regelblutung? Ja. Die Auswirkungen können im Einzelfall recht unterschiedlich sein: Einige Frauen bekommen Migräne, bei manchen setzt die Regel außerplanmäßig ein oder fällt stärker aus. Manche Frauen in den Wechseljahren berichten, dass das Fasten ihnen gut gegen Hitzewallungen hilft. Wer die Pille nimmt, sollte die Einnahme während des Fastens fortsetzen, ohne sich allerdings auf diese Form der Verhütung zu verlassen.

4. Darf ich während des Fastens weiter rauchen?

In Fasten-Kliniken ist Rauchen grundsätzlich verboten. Aus gutem Grund, schließlich geht es vielen Fastenden um die Entgiftung. Wenn ihr es nicht schafft, ganz aufzuhören, solltet ihr zumindest versuchen, euren Zigarettenkonsum einzuschränken. Dabei helfen zuckerfreie Kaugummis und Entspannungsübungen. Vielleicht ist das Fasten ja ein guter Einstieg in die Raucherentwöhnung?

5. Verändert das Fasten meine geistige Leistungsfähigkeit?

Manche Fastende berichten über geistige Höhenflüge. Doch kann es auch passieren, dass die Konzentration schwerer fällt und Denkprozesse langsamer ablaufen, wenn dem Gehirn weniger schnelle Energie zur Verfügung steht. Dagegen helfen Kohlenhydrate – erlaubt sind ein Teelöffel Honig oder ein Glas Saft. Bewegung sorgt ebenfalls für eine bessere Energiezufuhr. Wird das "diesige" Gefühl im Kopf zum Dauerzustand, solltet ihr mit dem Fastenleiter oder einem Arzt sprechen.

6. Wie beeinflusst das Fasten meinen Schlaf?

Viele Menschen kommen in dieser Zeit mit weniger Nachtruhe aus, andere aber wollen gerade jetzt "mehr, mehr und mehr" Schlaf. Beides sind keine Schlafstörungen, sondern normale Reaktionen des Körpers auf die Umstellungen im Stoffwechsel.

7. Kann es zu Sehstörungen kommen?

Die Entwässerung des Körpers beim Fasten erfasst auch die vordere und hintere Augenkammer. Der veränderte Brechungsindex des Auges kann dazu führen, dass man vorübergehend undeutlicher sieht, sich beim Lesen angestrengt fühlt und empfindlich auf Licht reagiert. Das ist an sich harmlos, die Sehkraft stellt sich in der Aufbauphase wieder ein. Aber Achtung: Nacht- und Dämmerungsfahrten sollten beim Fasten ebenso tabu sein wie lange Autobahnfahrten. Und sprecht mit eurem Hausarzt, wenn euch das schlechtere Sehen beunruhigt.

8. Soll ich gemeinsame Mahlzeiten mit Kollegen, Freunden und Familie meiden?

Kommt drauf an: Könnt ihr es ertragen, wenn alle am Tisch sitzen und fröhlich ihre Mahlzeit genießen? Das ist für viele Fastende noch schlimmer als das Zubereiten. Probiert es aus! Falls ihr kleine Kinder habt, die öfter zum Essen überredet werden müssen, überlegt euch genau, ob nicht doch ein Fastenseminar an einem anderen Ort machbar ist, da es fast unmöglich ist, zu erklären, wieso ihr jetzt mit dem Essen aufhört (und die Kinder selbst nicht).

9. Wie steige ich aus dem Fastenprogramm vorzeitig aus, wenn ich partout nicht durchhalte?

Das geht am besten mit leichten kohlenhydrathaltigen Mahlzeiten, wie sie für den 1. Aufbautag vorgesehen sind. Besonders empfehlenswert: Obst, am besten gedünstet, oder Kartoffeln mit gegartem Gemüse. (Nur auf blähenden Kohl solltet ihr noch verzichten.) für die Selbstmedikation von ansonsten gebräuchlichen Arzneimitteln, etwa Kopfschmerztabletten. Sprecht jede Form der Behandlung während des Fastens mit einem Arzt ab!

Lesetipps: Hier verraten wir alles über Intermittierendes Fasten, die Entgiftungskur und die besten Intervallfasten Rezepte.

Du willst dich über Gesundheitsthemen austauschen? Dann schau doch mal in unsere BRIGITTE Community!

Text: Eva Meschede, Sandra Schulte Fachliche Beratung: Elisabeth Müller, Fastenleiterin; Dr. Andreas Buchinger, Leiter der Klinik Dr. Otto Buchinger in Bad Pyrmont; Dorothe Bertlich-Baumeister UGB Header-Foto:Getty Images

Mehr zum Thema