Fettabsaugung statt abnehmen?

Der einzige Weg, hartnäckiges Fett an Oberschenkeln und Hüften auf Dauer loszuwerden, ist, ein Fettabsaugung - davon ist jedenfalls Liposuction-Spezialist Dr. Gerhard Sattler von der Rosenparkklinik in Darmstadt überzeugt.

Operation also statt Diät und Sport? Damit wirbt sogar die Vereinigung der plastischen Chirurgen in Amerika, und zwar erfolgreich. Die Zahl der Fettabsaugungen hat sich dort zwischen 1992 und 1997 verdreifacht. Und auch in Deutschland zählt das Fettabsaugen an Bauch und Schenkeln schon jetzt zu den gefragtesten Schönheits-Operationen.

Fett weg mit High-Tech

Klar, unsere Fettzellen schwimmen nicht einfach frei im Bindegewebe herum. Sie verschmelzen zu dicken Trauben, umhüllt von festem Bindegewebe. Wer sie absaugen will, muss sie dort mit Gewalt herausreißen - die Folge: Blutergüsse, Schwellungen und Schmerzen.

Ultraschall

Um möglichst problemlos absaugen zu können, wird seit langem Ultraschall eingesetzt, der die Fettzellen zertrümmert: Flüssiges Fett lässt sich leichter absaugen als Fettzellen mit festen Fasern. Der Nachteil: Die Ultraschall-Methode geht nur mit Vollnarkose - und die ist immer riskant. Ärzte waren deshalb von einer neuen Methode aus Amerika, die ambulantes Absaugen möglich macht, schnell überzeugt.

"Tumeszenz-Technik"

Bei der so genannten "Tumeszenz-Technik" werden die Beine zuerst mit einer Mischung aus Kochsalz und Betäubungsmittel wie ein Luftballon aufgepumpt (Tumeszenz kommt vom lateinischen Wort für aufblasen). Bis zu sechs Liter schluckt das Gewebe, je nach Straffheit. Dabei werden die Fettzellen so weit auseinander geblasen, dass sie beim Absaugen einzeln in die stricknadeldünnen Kanülen hineinflutschen. Anders als die alten, dickeren Kanülen haben die neuen jede Menge Mini-Öffnungen. Der Ansaugdruck kann sich besser verteilen, und Nerven, Gefäße, Bindegewebe und Lymphbahnen bleiben weitgehend unbeschädigt. Das Salz verhindert gleichzeitig, dass das Blut gerinnt, und es kommt nicht so leicht zu schmerzenden Hämatomen (Blutergüssen). Die Patienten können sich während der Operation drehen und wenden, und die Ärzte sehen, wo die Konturen schon gut sind und wo nachgebessert werden muss. Die Schnitte für die Kanülen sind winzig und werden anschließend nur gepflastert, nicht genäht. Dafür muss man in Kauf nehmen, dass die Salzlösung etwa zwei bis drei Tage lang aus allen Poren tropft.

Absaugen statt abnehmen?

Nein - obwohl es immer wieder angeboten wird! Seriöse Ärzte empfehlen, maximal drei Kilo Fett pro Sitzung entfernen zu lassen. Je mehr abgesaugt wird, desto riskanter wird es nämlich. Wer zu viel wiegt und abnehmen will oder muss, dem bleibt nach wie vor nur: fettarm essen und Ausdauersport machen. "Beim Absaugen sollen lediglich die Proportionen verbessert werden", so Dr. Sattler. "Den Erfolg sieht man im Spiegel, weniger auf der Waage." Mit immer besseren Spezial-Kanülen erreicht man Bereiche, die früher schwer zu beeinflussen waren, etwa das Doppelkinn. An anderen Stellen dagegen, zum Beispiel am inneren Oberarm, klappt das Modellieren gar nicht, so Dr. Axel Neuroth.

Tödliche Fehler

Auch wenn das Risiko der Vollnarkose wegfällt: Ungefährlich ist Fettabsaugen nach wie vor überhaupt nicht! Eine aktuelle Umfrage unter amerikanischen Chirurgen ergab, dass es bei ca. 500.000 durchgeführten Fettabsaugungen 95 Todesfälle gegeben hatte. Hinter vorgehaltener Hand meinen Ärzte, die Dunkelziffer der Komplikationen sei noch erheblich höher, möglich sei eine Todesrate von 1:1000 - und auch in Deutschland habe es in den letzten beiden Jahren mindestens vier Todesfälle gegeben. Es kann zum Beispiel zu Fettembolien, Thrombosen, Lungenödemen, Herzstillstand, Entzündungen und Beschädigung von Nerven und Gefäßen kommen. Wird zu oberflächlich oder zu tief gesaugt, gibt es am ganzen Bein hässliche Dellen - eine Art flächendeckende Super-Cellulite. Das Problem: Absaugen darf jeder Arzt, er braucht keine Zusatzausbildung und muss nicht Dermatologe oder plastischer Chirurg sein.

Risiko Arzt

Für Dr. Sattler steht auch nach Prüfung der amerikanischen Todesfälle fest: "Die Tumeszenz-Liposuction ist nach wie vor die risikoärmste Absaug-Methode. Man muss die Technik allerdings richtig gut beherrschen und sich genau an die Regeln halten. Dr. Detlev Witzel, Vizepräsident der deutschen Gesellschaft ästhetisch-plastischer Chirurgen aus Berlin, ergänzt: "Jede Methode ist nur so gut wie derjenige, der sie anwendet."

Kosten

In Deutschland kostet eine Liposuction zwischen 2000 und 4000 Euro. Am besten funktioniert sie bei einer straffen Haut (bis etwa 40 Jahre), die sich gut regenerieren kann. Ganz wichtig ist die Qualifikation des Arztes. Problematisch sind deshalb Billigangebote aus dem Osten: Die Ärzte sind oft schlecht ausgebildet und die hygienischen Bedingungen meist katastrophal.

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