Mit Ball und Sandsack fit werden

In weniger Zeit mehr erreichen - das kann Funktionales Training. Der Trick: kurze Intervalle mit hoher Belastung und mehrdimensionale Übungen, die den ganzen Körper beanspruchen.

Über Kästen springen, mit einem dicken Tau hantieren, Medizinbälle werfen: In vielen Fitnessstudios geht es zu wie früher im Sportunterricht. Kleine Gruppen samt Trainer finden sich zum Zirkeltraining zusammen, Einzelkämpfer arbeiten sich an unterschiedlichen Liegestützvarianten ab oder üben sich im Seilspringen. Die Studiokette Fitness First etwa nennt ihr Trainingskonzept "freestyle" und hat dafür deutschlandweit Trainingsflächen mit einem speziellen Bodenbelag aus elastischem Kunststoff und Übungsmarkierungen eingerichtet.

Vorbei scheinen die Zeiten, in denen einzelne Muskeln isoliert an Maschinen oder in Kursen - mit elendig vielen Wiederholungen - trainiert wurden. Auch studiounabhängige Angebote wie Crossfit oder Outdoor-Bootcamps besinnen sich auf ein Ganzkörpertraining mit vielen altbekannten Übungen zurück.

Das ist auch gut so, denn das "Funktionale Training" schafft in weniger Zeit mehr. Es beruht auf den Grundsätzen des High Intensity Intervall Trainings. Will heißen: Kurze Intervalle mit hoher Belastung wechseln sich mit kurzen Pausen ab. Der Nachbrenneffekt ist dabei dreimal länger als bei herkömmlichen Trainingsformen. Drei Workouts pro Woche sind optimal; der Körper braucht ein bis zwei Tage Pause, um sich zu regenerieren.

Sport- und Physiotherapeuten arbeiten schon lange mit diesen komplexen, meist mehrdimensionalen Übungen, um verletzte Muskeln und Gelenke zu stärken. Sie sind von natürlichen Bewegungsabläufen inspiriert und fordern den ganzen Körper. Das macht Sinn, denn sowohl beim Laufen, Werfen und Springen als auch beim Treppensteigen, Kistenschleppen und Fensterputzen bewegen wir uns in unterschiedliche Richtungen: mal vertikal (nach vorne, wie beim Gehen), mal lateral (zur Seite, wie beim Ausfallschritt), mal transversal (rotierend, wie beim Drehen des Oberkörpers nach hinten). Mehrere Muskelgruppen müssen gleichzeitig arbeiten, um die Kraft von einem Körperteil ins nächste zu übertragen.

So steigert das Ganzkörpertraining Kraft, Koordination, Ausdauer, Schnelligkeit, Beweglichkeit, Haltung und Körpergefühl. Und senkt das Verletzungsrisiko, denn es stabilisiert Gelenke und Muskeln. Besonders das Training in Kleingruppen motiviert noch einmal mehr, an seine Leistungsgrenzen zu gehen und trotz Muskelbrennen durchzuhalten. Ein weiterer Vorteil: Beim Workout mit verschiedenen Stationen vergeht die Zeit extrem schnell - Spaß macht es auch.

Das sind die Helfer beim Funktionalen Training:

ViPR Die etwa einen Meter lange Hartgummiröhre "ViPR" eignet sich vor allem zum Training von Schnelligkeit und Stabilität - sie lässt sich anheben, ziehen, drücken, schwingen, werfen, rollen und drehen. Geübte springen auch damit. Der Entwickler der ViPR (steht für Vitality, Performance, Reconditioning) ließ sich übrigens von den alltäglichen Bewegungen amerikanischer Farmer inspirieren.

Powerbag Der gute alte Sandsack gehört - in moderner Form mit Griffen an mehreren Seiten und mit dem modernen Namen Powerbag (oder Core Bag) - inzwischen ins Geräte-Repertoire aller großen Fitnessstudios. Er sieht aus wie eine runde, gefüllte Reisetasche und kann gedrückt, gehoben, geschwungen, gezogen, geschoben oder geworfen werden.

Bosu Der halbierte Gymnastikball lässt sich von beiden Seiten nutzen, daher hat er auch seinen Namen: "both sides utilized", kurz: Bosu. Er besteht aus einer runden, stabilen Platte und einem weichen Ball. Durch die instabile Unterlage bekommt die Muskulatur viele Reize; das Gleichgewicht ist gefordert.

Medizinbälle Schon vor 3000 Jahren trainierten persische Ringer mit Vorläufern des Medizinballs Kraft und Ausdauer. In seiner heutigen Form geht er auf einen New Yorker Polizisten zurück, der regelmäßig an Box- und Ringturnieren teilnahm. In der Sportrehabilitation und der Physiotherapie gehört der Medizinball schon lange zum Programm, inzwischen schätzen auch Fitnessstudios seine Vorzüge - denn mit den Bällen in verschiedenen Gewichtsklassen, mit und ohne Griffe, lassen sich alle motorischen Fähigkeiten trainieren.

Slingtrainer Die Hände oder Füße in die Schlaufen stecken, den Körper reinhängen, stützen oder lehnen - und ständig ausbalancieren: Der Schlingentrainer ist extrem vielseitig. Die unelastischen Gurte baumeln von der Decke oder von einem Gerüst, das im Fitnessstudio meist noch weitere Trainingselemente bietet, etwa Stangen für Klimmzüge oder ein dickes Seil zum "Wellen schlagen".

Gymnastikbälle Früher arbeiteten vorwiegend Physiotherapeuten damit (und gesundheitsbewusste Angestellte saßen darauf), heute gehört der Gymnastikball zur Standardausrüstung jedes Fitnessstudios. Als Arm- oder Fußauflage erschwert er viele Übungen, verbessert Koordination, innere Wahrnehmung und Beweglichkeit.

Kettle Bells Die Kugelhantel besteht aus einer Kugel und einem festen Griffbügel - und ist das älteste Trainingsgerät der Welt. Es gibt sie in verschiedenen Gewichtsstufen, sie eignet sich etwa zum ein- oder beidarmigen Schwingen oder zum Heben aus der Kniebeuge.

So kann ein Übungszirkel bei einer Gruppen-Animation aussehen

  • 8 Stationen, 50 Sekunden Belastung, 20 Sekunden Pause zwischendurch:
  • Core-Bag auf den Schultern, Squats auf dem Bosu
  • Seilspringen
  • Ellenbogen auf dem Gymnastikball, Körper in der Planke halten
  • breiter Stand, Tau greifen und Wellen schlagen
  • Kettlebell einseitig auf Schulterhöhe heben, dann Arm nach oben strecken
  • im Sitzen Beine überkreuzen und leicht anheben, mit der ViPR Paddelbewegungen machen
  • Füße in den Schlaufen des Slingtrainers, Seitstütz halten
  • Liegestütz mit einer Hand im Wechsel auf einem Medizinball
Nicole Wehr
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