H.I.T. bringt auch fitte Sportlerinnen ins Schwitzen

Sie wollen in kurzer Zeit möglichst viele Kalorien verbrennen und gleichzeitig Ihren Körper straffen? Dann sollten Sie das High Intensity Training H.I.T. ausprobieren. Aber sagen Sie nicht, wir hätten Sie nicht gewarnt!

Kursname: . (High Intensity Training) Kursdauer: 60 Minuten Angeboten von: Fitness Company/ Fitness First Germany bundesweit ab Herbst/ Winter 2008 Das bringt's: Kondition *** Beweglichkeit ** Muskelstraffung *** Koordination *** Geeignet für: Fortgeschrittene, die ein effizientes Training suchen, das Herz-Kreislauf-System und Muskeln gleichzeitig trainiert Aufpassen bei: Akuten Knie-, Rücken- oder Herz-Kreislaufbeschwerden Darum geht's: Kombination aus Langhanteltraining und Sprints, keine Choreographie, kurze Trainingszeiten, hohe Intensität

Workout für einen straffen Bauch

Im neuen Fitnesskurs H.I.T. ist viel Gewicht gefragt.

So war's: Ein lauter Pfiff. Schlagartig wird es ruhig im Kursraum, die Köpfe drehen sich nach vorne zu Fitzroy Gaynes. Der Trainer und Erfinder von H.I.T. ist aus London angereist, um seinen Kurs vorzustellen. In England gibt es H.I.T. bereits seit einigen Jahren, jetzt soll der Kurs auch in Deutschland eingeführt werden.

Fitzroy ist farbig, trägt raspelkurzes blondgefärbtes Haar und ein hautenges graues Langarmshirt. Seine Figur erinnert an eine Sanduhr. Er sieht nicht so aus, als würde er einen netten Entspannungskurs leiten. "You need more weight!", schreit er die Teilnehmer an. Noch mehr Gewicht? Jutta Schuhn, die in der Fitness Company für die Kurse verantwortlich ist, ist bereits vorher durch die Reihen gegangen und hat die Teilnehmer davon überzeugt, mehr Gewicht auf ihre Langhanteln zu packen. Und jetzt soll noch mehr drauf? "Honestly, you need more!", besteht Fitzroy auf seiner Anordnung. Das kann ja heiter werden! Auf meiner Hantel stecken inzwischen 15 Kilo, dazu kommt das Gewicht der Stange. In anderen Kursen hatte ich mir höchstens die Hälfte an Gewicht auf meine Langhanteln gepackt, außerdem liegt meine letzte Stunde auch schon eine Weile zurück, was die Sache nicht besser macht.

Fitzroy verspricht, dass wir dafür nur 8 Wiederholungen von jeder Übung, zum Beispiel Kniebeuge, machen – und verschweigt, dass es natürlich mehrere Sätze á 8 Wiederholungen sein werden. Die Sätze sind unterbrochen von Pausen, die sich so kurz anfühlen, dass sie gar nicht das Recht haben, Pausen genannt zu werden.

Fitzroy fängt an mit Kniebeugen und will, dass wir dabei richtig tief gehen. Mit dem Po unter Kniehöhe. Ich probiere es aus und bekomme nach einigen Wiederholungen ernsthafte Bedenken, dass ich mit den über 15 Kilogramm Gewicht auf meinen Schultern aus dieser Position auch wieder hochkommen werde. Mir geht die Kraft aus und ich fürchte, dass ich für den Rest meines Lebens in der tiefen Kniebeuge verharren muss. Irgendwie gelingt es mir dann doch, aber ich frage mich, ob das so gut für die Knie ist. Schließlich predigen die Kurstrainer seit Jahren, bei den Kniebeugen mit dem Po keinesfalls tiefer als bis auf Kniehöhe zu gehen.

Auf der nächsten Seite: Gequälte Gesichter und befreites Lächeln.

Nach dem Kurs frage ich Jutta danach. Sie erklärt, dass die Sportwissenschaftler inzwischen wüssten, dass der Druck auf die Knie dann am höchsten ist, wenn der Po genau auf Kniehöhe ist. Sinkt er darunter, lässt auch der Druck nach. Vor einer Überlastung des Knies braucht man also keine Angst haben. Sie empfiehlt, so tief wie möglich in die Hocke zu gehen, um den natürlichen Bewegungsradius zu erhalten.

Die Kraftübungen, die auf die Kniebeugen folgen, sind nicht neu. Kreuzheben für den Rücken, Bizepscurl und Dips für die Arme oder Armdrücken in Rückenlage auf dem Step für die Brustmuskulatur – das kennt man aus anderen Langhantelkursen. Neu ist die Intensität. Wie intensiv die wenigen Wiederholungen mit hohem Gewicht sind, merke ich, als ich zwischendurch die Treppe runterlaufe, um mir was zu trinken zu holen. Ich hatte blöderweise vergessen, eine Trinkflasche mitzunehmen und torkle wie betrunken zum Empfang. Meine Beine sind weich wie Butter - und die Stunde ist längst nicht zu Ende. In der zweiten Hälfte, im Cardioteil, wartet noch mal eine neue Herausforderung: kurze Sprints, insgesamt sechs Minuten, dazwischen gibt's Pausen. Das ist nicht lange und trotzdem viel anstrengender als die 30- bis 40-minütigen lockeren Joggingrunden, die ich sonst so drehe. Die Hälfte der Gruppe stellt sich an der Längsseite des Kursraums auf. Fitzroy gibt das Startzeichen und dreht die Musik laut. Eine Minute lang laufen wir von einem Ende des Raums zum anderen, immer hin und her, so schnell wie möglich. Die Minute zieht sich ewig, die Gesichter sehen gequält aus.

Dann ist die andere Hälfte der Gruppe dran, wir haben eine Minute Pause. Beim nächsten Mal müssen wir nur noch 30 Sekunden laufen, dann 15. Anschließend werden die Intervalle wieder länger. Und wir laufen uns ein. Die Gesichter sehen trotz der Sprints nach einigen Minuten wieder etwas entspannter aus, die Gruppen feuern sich sogar gegenseitig an, zumindest die Teilnehmer, die noch die Kraft dafür haben. Mit der Unterstützung durch die anderen macht es richtig Spaß, noch mal alles zu geben. Die letzten Sekunden sprinten die meisten mit einem Strahlen im Gesicht durch die Halle - völlig fertig, aber glücklich.

Fazit: Wer bereit ist, sich 60 Minuten lang richtig auszupowern, ist bei H.I.T. richtig. Auch Fortgeschrittene erreichen mit diesem Trainingskonzept wieder eine Leistungssteigerung. Aber Vorsicht: Vergewissern Sie sich vor der Stunde, dass das Fitnessstudio einen Aufzug hat - für Treppenstufen wird Ihnen nach der ersten Stunde die Kraft fehlen.

Text: Monika Herbst Fotos: Fitness Company/ Fitness First Germany

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