Jetzt kommt was in Bewegung

Dass Sport der Stimmung guttut, das Immunsystem stärk und gesund hält, wissen wir. Aber neue Studien zeigen: Sport kann auch heilen - selbst so schwere Krankheiten wie Krebs.

Stellen Sie sich vor, Sie verlassen die Arztpraxis mit einem Rezept in der Hand. Darauf steht: dreimal wöchentlich 30 Minuten Walking. Käme Ihnen sicher komisch vor. Wäre aber heilsamer als manches Medikament. Die Fachzeitschriften sind zur Zeit voller Studien und Kommentare zum unerwartet großen Effekt von Sport für die Gesundheit. Und dabei geht es nicht nur um Kreislauf, Muskeln und Gelenke, sondern sogar um die Heilung von schweren Krankheiten wie Krebs.

Wer die wissenschaftlichen Arbeiten der letzten Jahre ernst nimmt, kommt an zwei großen Aha-Effekten nicht vorbei: Erstens ist der richtige Lebensstil oft genauso effektiv oder sogar effektiver als manchmal nebenwirkungsreiche und teure Medikamente, und zweitens macht der von Wissenschaftlern propagierte Lebensstil richtig Spaß, wenn man erst mal in Gang gekommen ist. Die wohltuende Wirkung von Bewegung für die Psyche belegt etwa die Tatsache, dass sportliche Menschen nur halb so oft depressiv werden wie körperlich inaktive. Sport verbessert aber auch nachweisbar Gedächtnis und Denkfähigkeit.

Noch mehr Argumente gefällig? Sport verhindert Herzinfarkte besser als cholesterinsenkende Tabletten. Sport und ein paar Kilo weniger auf den Rippen halbieren das Diabetes-Risiko. Bewegung senkt sogar das Krebsrisiko, bei Brustkrebs zum Beispiel um 30 Prozent. Und eine ganz neue finnische Studie zeigte noch beeindruckendere Ergebnisse: Männer, die mindestens eine halbe Stunde täglich Sport treiben, können ihr Krebsrisiko sogar halbieren. Am deutlichsten sinke durch Sport die Gefahr von Darm- und Lungenkrebs, erklärten die Forscher aus Kuopio und Oulo.

Am meisten waren Experten aber überrascht, als mehrere Studien in letzter Zeit belegten, dass sportliche Aktivität sogar die Heilungschancen erhöht, wenn eine Krebskrankheit schon ausgebrochen ist. Das hatte niemand erwartet: In einer Studie hatten Brustkrebs-Patientinnen, die mindestens drei Stunden pro Woche zum Walken gingen, ein 50 Prozent geringeres Risiko, erneut zu erkranken. Offenbar gilt hier, zumindest in vernünftigen Grenzen: je mehr Bewegung, desto besser. So sank in einer Studie bei Patienten mit Darmkrebs das Rückfallrisiko um 20 Prozent, wenn sie pro Woche zwei Stunden Sport trieben, und um 40 Prozent bei täglich einer Stunde Sport. In einer australischen Studie lebten fünf Jahre nach einer Darmkrebsoperation noch 71 Prozent der körperlich aktiven Patienten, aber nur 57 Prozent der weniger Bewegungsfreudigen.

Wenn das kein guter Deal ist: ein geringeres Risiko, an Depressionen, Diabetes, Krebs oder einem Herzinfarkt zu erkranken, und bessere Heilungschancen, wenn es einen doch erwischt hat. Und das alles mithilfe von Methoden, die im Gegensatz zu Medikamenten keine negativen Nebenwirkungen haben, dafür aber so positive wie Lebensfreude, Fitness, weniger Gewicht und bessere Immunabwehr. Worauf warten wir noch?

Text: Dr. Sabine Thor-Wiedemann Foto: iStockphoto.com, AOK Ein Artikel aus der BRIGITTE 20/09
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